Kategoriearchiv: Leserbriefe

Leserbrief zum Artikel „Neues Zertifkat besiegelt Partnerschaften“

Es tut gut, in diesen Zeiten von anwachsenden Klima- und Kriegsgefahren, kaputter Infrastruktur und kollabierendem Sozialstaat mal was Ermutigendes zu lesen: Dass es zum Beispiel in Oberberg drei Projekte gibt, die nachhaltigen und naturnahen Tourismus fördern und deshalb vom „Naturpark Bergisches Land“ als Partner zertifiziert worden sind. Eines ist die Gemeinde Reichshof mit ihrer „Kur- und Tourismusinfo“. Sicher bemühen sich auch die beiden Frauen der Anlaufstelle, bei Besuchern „die heimische Natur in den Blick zu rücken“ und zu zeigen, dass Oberberg – in den Worten des Landrats – „nicht nur Erholungsraum, sondern auch ein Lebensraum ist, den es zu bewahren gilt“.

Wenn aber der Bürgermeister des „Ferienlandes Reichshof“,dem angeblich „das bergische Grün ein Gefühl von zu Hause gibt“ ,die Urkunde strahlend vor die Kamera hält, dann ist das angesichts der Realität der blanke Zynismus: Denn vor kurzem erst hat die Gemeinde beschlossen, mindestens 8 ha alten Laubmischwald für eine sog. „Sommerrodelbahn“ zu opfern. Da wird jedoch keiner „rodeln“ , sondern wie in einer Kirmesachterbahn in Serpentinen den Waldhang hinabrasen. Bei einem „Kletterturm“ wird Fast-food-Gastronomie angeboten. Für das Millionengeschäft mit dem Rummelplatz im sterbendn WAld wird großflächig Boden verdichtet und ein Parkplatz für 400 PKW plus Busse in Wald und Wiese gebaggert. Klima- und Naturschutz kommen also bei diesem „Naturparkpartner“ in einem unglaublich rücksichtslosen, rechtswidrigen Ausmaß unter die Räder

Direkt gegenüber befindet sich das Gelände des Vereins „Fliegende Bauten“, ein außerschulischer Lernort für Kinder von der Gesamt- und der Antoniusschule.Durch den Umgang mit Tieren und den Anbau von Gemüse wird ihnen Achtung vor den natürlichen Lebensgrundlagen vermittelt. Weil allein schon der Lärm des Ballermannprojekts diese Arbeit erheblich stören würde, hat der Verein gegen den Bebauungsplan geklagt und schon nach der ersten Reaktion des OVG war klar, dass dieser Plan im Landschaftsschutzgebiet keine Chance hat. Doch dann der Schock: Der Vereins-vorstand zog plötzlich die aussichtsreiche Klage zurück, kommentarlos !

Fest steht jedenfalls, dass der Verein abhängig von der Gemeinde ist: Die beteiligten Lehrer sind ihre Angestellten und sie ist Verpächterin des Geländes. Allein schon bei dem Gedanken, dass sie damit Druck auf den Verein ausgeübt haben könnte, wird mir richtig schlecht: Wären wir doch dann auf dem Weg ins Trumpsche Amerika, in dem es normal geworden ist, mit Druck und Erpressung den Rechtsstaat auszuhebeln. Falls beim Bürgermeister noch Reste von Scham vorhanden sind, sollte er besser darauf verzichten, die Plakette des Naturparks am Rathaus anzubringen.,

Leserbrief zum Artikel“Waldbesitzer suchen neue Geschäftsmodelle“

 

Vor mehr als 30 Jahren habe ich aus Liebe zum Wald ein paar Hektar gekauft. Weil er durch Luftverschmutzung, Monokulturen und Klimawandelfolgen bedroht war, habe ich Anschluss an andere Waldfreunde gesucht und bin in die Forstbetriebsgemeinschaft Othetal eingetreten.Die große Mehrheit dort, vor allem der Vorstand und der zuständige Förster, hatten aber leider mit Wald wenig bis nichts am Hut, ihnen ging es nicht um das wunderbare komplexe Ökosystem Wald mit seinenen vielfältigen Funktionen für das Leben auf unserem Planeten, schon gar nicht um seine Spiritualität, sondern um ein knallhartes „Geschäftsmodell“: den Forst in Form der Fichtenplantagen. Die brachten halt das meiste Geld und da waren ihnen die massiven Schäden durch die Monokulturen egal, die schon seit hundert Jahren angeprangert werden: „Willst du den Wald vernichten, pflanze Fichten, Fichten Fichten!“.

Ich galt bald als der langhaarige Ökospinner, zu blöd zu begreifen, dass die Fichte der „Brotbaum“ ist . Gemeint ist natürlich “ Geldbaum“. Das Wort „Brot“, seit jeher Inbegriff für Leben ( so z.B. im Gebet der Gebete), wird hier also zur Tarnung von zerstörerischer Profitgier missbraucht. Dieses „Geschäftsmodell“ ist mittlerweile katastrophal in der „Borkenkäferkalamität“gescheitert, Das „böse“Tierchen befällt aber nur kranke Bäume; dass alle krank waren, ist nicht sein, sondern das Werk der Förster und Forstfans. Die müssten sich angesichts des Desasters vor Scham verkriechen, zumindest aber ihr Versagen eingestehen und Abbitte leisten.

Stattdessen treten sie rotzfrech wieder vor die Öffentlichkeit und bieten sich nun als Retter an. Ein neues “ Geschäftsmodell“ suchen sie zwar noch, klempnern aber schon mal mit exotischen Baumarten rum. Und verlangen von der Allgemeinheit eine Entschädigung für die vielfältigen lebenswichtigen Funktionen des Waldes, die sie selbst doch so schwer beschädigt haben!

Beim Abräumen der Totholzmassen hatten sie bereits gezeigt, dass sie nichts gelernt haben: Der Einsatz von mehr als 20 t schweren Vollerntern war zwar wieder kostengünstig, hat aber alle 20 Meter in den Rückegassen den Boden dauerhaft abgetötet und verdichtet. Die zukünftigen Starkregen werden darauf zu Tal rauschen und Fluten erzeugen, statt ins Grundwasser zu versickern. Die Ahr lässt grüßen.

Das „Geschäftsmodell “ des fossilen Wachstums-Kapitalismus der Wohlhabenden und Mächtigen wird gerade auf die Spitze getrieben und unsere Lebensgrundlagen durch eine globale Klimakatastrophe weitgehend vernichten. Dem gegenüber ist der kaputte deutsche Wald natürlich nur eine Petitesse. Wozu also aufregen ? Scheißegal. Weiter so!

Leserbrief zur Wahlberichterstattung 2025

Oberberg sticht also auch bei diesen Wahlen erneut als Hochburg der AfD hervor. In Waldbröl hat sogar die rechtslastige bis rechtsradikale Partei die CDU auf Platz zwei verdrängt. Deren Schock ist groß, es herrsche „Resignation, Frust und Ohnmacht“, heißt es, und man sucht verzweifelt nach den Gründen.

Mein Mitleid mit der CDU hält sich aber sehr in Grenzen, denn sie ist Opfer ihrer politischen Versäumnisse und der bis heute anhaltenden Unehrlichkeit bei Aufarbeitung des NS in ihren eigenen Reihen geworden.

Diese ethisch verwerfliche Schuldverdrängung rächt sich jetzt: An den heutigen AfD Erfolgen und ihrer unübersehbaren Übereinstimmung mit denen der NSDAP in den 1930er Jahren zeigt sich nämlich eine erschreckende Kontinuität.

Auch an einem seit Jahren strittigen Beispiel wird dies mehr als deutlich: Es könnten sich durchaus in der Waldbröler Dr. Goldenbogenstraße CDU und AfD treffen, um gemeinsam den Namensgeber und früheren CDU-Big Boss, Friedrich-Wilhelm Goldenbogen zu ehren. Dabei gäben sich quasi das „Immer noch“ und das „Jetzt wieder“ die Hand. Vor 1945 war der Geehrte ja SA-Kamerad und Mitglied im rassistischen NS–Rechtswahrerbund, Anzeichen für Einsicht oder gar Reue sind nicht bekannt.

Dass dessen bis heute hartnäckig verteidigte öffentliche Ehrung permanent die Botschaft aussendet, dass die Nazis so schlimm ja nicht gewesen sein können, kümmert offenbar weder die einen noch die anderen. Dann aber, liebe CDU, kann es auch nicht so schlimm sein, wenn halt so viele Waldbröler die AfD wählen, oder?

Leserbrief zum Artikel „Wie radikal ist die Letzte Generation?“

Ich finde es erschreckend, mit welch einer kaltschnäuzigen Ignoranz der Religionspsychologe die Realität des Klimawandels relativiert, die Gefahren leugnet und die meist jungen Menschen der „Letzten Generation“ als quasi religiöse Sekte wie die Zeugen Jehovas diffamiert.

Ich bin 79 Jahre alter Ökobauer und habe den Hof und mein Konsumverhalten bereits vor 30 Jahren auf den Klimawandel eingestellt und das 1990 in der Broschüre „Land in Sicht“, die im Netz zu finden ist, aufgeschrieben.

Seitdem erlebe ich nah an der Natur, dass die warnenden Prognosen der Wissenschaft stets von der Wirklichkeit überholt wurden und ich brauche schon lange keine wissenschaftliche Bestätigung mehr für die herannahende Klima-Katastrophe. Der tote Fichtenwald, der sterbende Laubwald, die zunehmenden Dürren und Starkregenereignisse wie an der Ahr: Das sind nicht „vorläufige Fakten“, „eine von mehreren Hochrechnungen“, oder eine „Reduzierung der Wirklichkeit“. Und es ist auch nicht die biblische Apokalypse oder die „Angst vor dem Weltuntergang“, welche die Aktivisten antreibt, sondern die höchst real drohende Welternährungskrise durch die fortschreitende Zerstörung von Acker- und Weideland. Hat der Vulgärpsychologe noch nicht bemerkt, dass bereits Millionen Mitmenschen, gerade z.B. in Pakistan oder Ostafrika, durch Fluten oder Dürren verelenden und (ver)hungern müssen, aber wir in den Wohlstandszonen der Welt mit unserem Überkonsum die Hauptverursacher sind? Und dass die Zeit für eine radikale Umkehr davon läuft, weshalb die jetzige Generation tatsächlich die letzte ist, welche die ganz große Katastrophe noch verhindern kann. Deshalb zeugt es gerade von Mitgefühl, auf Auto- und Startbahnen das stupide tödliche WeiterSo immer wieder mal zu stoppen.

Der UNO-  Generalsekretär fordert von uns Reichen immer verzweifelter eine drastische Reduktion von Klimagasen, die Menschheit sei dabei, „kollektiven Selbstmord zu begehen“. Wir befänden uns auf „ dem Highway zur Klimahölle mit dem Bleifuß auf dem Gas“. Haben Sie, Herr Utsch, eine Erklärung dafür, wie ein so total abgedrehter Sektenguru und Panikmacher ausgerechnet mit diesem enorm wichtigen Posten betraut werden konnte?

Noch ein Projekt, noch ein Lob, noch ein Leserbrief

Leserbrief zum Artikel „Von Zeitzeugen zu Zweitzeugen“

Wieder wird über ein lobenswertes Projekt einer Waldbröler Schule berichtet, welches sich mit der Verfolgung und Vernichtung der Juden befasst und damit dem heutigen Antisemitismus und Rassismus entgegen wirken will. Diesmal sind es Schüler der Realschule, denen Mitglieder des Vereins „Zweitzeugen“ insbesondere vor Augen führten, wie das Leben jüdischer Kinder ab 1933 durch zahlreiche gesetzliche Verbote immer weiter eingeschränkt wurde.

All diese entwürdigenden Einzelmaßnahmen waren Folge der Rassegesetze der Nazis, die das gleiche Recht für alle abgeschafft und durch das Vorrecht der „Herrenmenschen“ , das mindere Recht der „Untermenschen“ und die Rechtlosigkeit der „Lebensunwerten“ ersetzt hatten.

Die Nazijuristen waren organisiert im Nationalsozialistischen Rechtswahrerbund.

Einer von diesen war Dr. Friedrich Wilhelm Goldenbogen, der zudem Mitglied in der NSDAP, der SA und einer NS -Hochschulvereinigung war. Noch immer ist in Waldbröl eine Straße nach dem belasteten Altnazi benannt, obwohl er zeitlebens nicht die geringste Spur von Einsicht oder gar Reue gezeigt hat.

Hätten die Schüler ebenso wie die des preisgekrönten Projekts der Gesamtschule nicht darüber informiert werden müssen, damit sie erkennen, wie wenig aufgearbeitet die furchtbare Zeit in ihrer Heimatstadt noch immer ist?

Richtigstellung zum Leserbrief des Herrn Pauels vom 31.7. „Segen statt Fluch“

„Sehr geehrter Herr Gothe,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Wie Sie wissen, werden wir Ihre Antwort auf eine Antwort auf Ihren Leserbrief allerdings nicht als Leserbrief abdrucken. Das hat nichts mit dem Inhalt zu tun und ist auch keine Einschränkung, die nur Sie betrifft, sondern ein Grundsatz, der für alle Leserbrief-Schreiber gilt.

Ich wünschen Ihnen ein schönes Wochenende.“

 

Na, dann hier:

Offenbar will auch der Kirchenmann Pauels einfach nicht zur Kenntnis nehmen, dass die „verkniffene, moralinsaure Verbotsethik“ mehr noch als von mir von seinem Papst kommt, den ich ja nur zitiere. Mit keinem einzigen Satz erwähnt dieser in den Ezykliken „Laudato Si“ und „Evangelii Gaudium“ irgendeinen Segen, den der herrschende neoliberale Kapitalismus der Menschheit gebracht habe. Welchen Segen könnte denn auch „die Diktatur einer Wirtschaft ohne menschliches Gesicht“ den Menschen bringen, eine Wirtschaft, die „ausschließt“und „tötet“ ? Wir leben in einer Welt, in der ein deutscher Sozialhilfempfänger bereits zu den 10% der reichsten Mitmenschen gehört, über 2 Milliarden Kleinbauern leben am Rande der Existenz, die Arbeiter in den Plantagen und Fabriken des Südens erhalten 50 Cent am Tag, sie müssen also 20 Tage für den deutschen Mindestlohn schuften! Vor allem die Klimaerwärmung lässt die Zahl der Hungernden steigen, die Geflüchteten vegetieren in unseren abscheulichen Lagern …

Und da traut sich ein satter katholischer Amtsträger, den blanken Zynismus zu Papier zu bringen, dass die heutige „Menschheitsgeneration“ „insgesamt besser, sicherer, reicher, satter, gesünder“ lebt als je zuvor? Angeblich sollen sogar den Menschen „mit dem kleinen Geldbeutel“ „schöne Dinge“ wie Kreuzfahrten und SUVs ermöglicht werden, die übrigens auch mit elektrischem oder Wasserstoffantrieb Klimakiller bleiben.

Zum „Segen“ solcher „schönen Dinge“ unseres Überkonsums: „ Die große Gefahr der Welt von heute mit ihrem vielfältigen und erdrückenden Konsumangebot ist eine individualistische Traurigkeit, die aus einem bequemen, begehrlichen Herzen hervorgeht, aus der krankhaften Suche nach oberflächlichen Vergnügungen, aus einer abgeschotteten Geisteshaltung …“

Das stammt wohlgemerkt nicht von mir, sondern ebenfalls von Franziskus. Ist es nicht eine absolut absurde Situation, dass ausgerechnet ich als abgefallener Katholik völlig ignoranten Kirchenfunktionären die radikale Abrechnung ihres Papstes mit dem Fluch unseres Konsumkapitalismus vorhalten muss?

Leserbrief zum Artikel „Kirche pflanzt Wald der Zukunft“

 

Jetzt pflanzt also auch die katholische Kirche den „Wald der Zukunft“, obwohl ja kein Mensch weiß, was das für einer sein wird. Sie beklagt die „toten Monokulturen“ und der Dechant verurteilt scharf, dass der „Nutzungsgedanke bis zur Ausbeutung ausgereizt wird“.

Genau so ist allerdings auch der „Großgrundbesitzer“ Kirche bislang mit seinen Wäldern umgegangen. Statt der fälligen Selbstkritik präsentieren ihre Mitarbeiter jedoch die großmäulige Aktion „1:0 für die Schöpfung“, die in peinlichem Mißverhältnis steht zu den lächerlichen 0,2 Hektar Versuchsfläche.

Der Dechant weist auf die päpstliche Enzyklika zum Umwelt- und Klimaschutz hin, geht aber leider nicht auf deren Inhalt ein: Eine radikale Abrechnung mit der neoliberalen Globalisierung und dem bei uns vorherrschenden obszönen Konsumismus. Franziskus sieht darin sowohl die Ursachen für Elend und Krieg als auch für den Klimawandel:

Die Anbetung des goldenen Kalbs hat eine neue und erbarmungslose Form gefunden im Fetischismus des Geldes und in der Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne ein wirklich menschliches Ziel… In diesem System, das dazu neigt, alles aufzusaugen, um den Nutzen zu steigern, ist alles Schwache wie die Umwelt wehrlos gegenüber den Interessen des vergötterten Markts.“

Die Mechanismen der augenblicklichen Wirtschaft fördern eine Anheizung des Konsums, aber es stellt sich heraus, dass der zügellose Konsumismus, gepaart mit sozialer Ungleichheit, das soziale Gefüge doppelt schädigt… Diese Wirtschaft tötet.“

Der Mensch an sich wird wie ein Konsumgut betrachtet, das man gebrauchen und dann wegwerfen kann. Wir haben die Wegwerfkultur eingeführt, die sogar gefördert wird…“ „Um einen Lebensstil vertreten zu können, der die andern ausschließt, oder um sich für dieses egoistische Ideal begeistern zu können, hat sich eine Globalisierung der Gleichgültigkeit entwickelt…

Solch unangenehme Wahrheiten überhören offenbar auch katholische Funktionäre lieber, selbst wenn sie vom Chef kommen: Dessen Rezept zur Verhinderung der Klimakatastrophe und das für eine humanere Welt ist dasselbe, nämlich eine Abkehr von der kapitalistischen Wachstumswirtschaft und eine global gerechte Verteilung nachhaltig erzeugter Güter. Für die meisten von uns bedeutet daher echter Klimaschutz auf jeden Fall erheblicher Konsumverzicht: Schluss mit Ferienflug, Kreuzfahrt, SUV, Shoppingtour usw. Wenn wir dazu nicht bereit sind, hat der Wald sowieso keine Zukunft und wir Menschen vielleicht auch nicht. Durch die kanadische Extremhitze oder die Regenfluten hier müsste es doch auch dem letzten Konsumidioten dämmern, dass es für diese radikale Umkehr allerhöchste Zeit ist.

Grüne Irrläufer…

Leserbrief zu den Zuschriften zum „Wintermärchen“

Als wir die Protestaktion gegen das „Wintermärchen“ planten, war uns natürlich klar, dass viele uns als Spaßverderber sehen würden. Trotzdem haben wir gehofft, dass die abgestorbene Fichte und der Hinweis auf Australien auch sie zum Nachdenken anregen würde. Dort haben ja genau wie hierzulande Politik und Verbraucher seit 30 Jahren die Warnungen in den Wind geschlagen und das auf der Verbrennung fossiler Energieträger beruhende materielle Wohlleben in vollen Zügen genossen.

Nun sind die vorausgesagten albtraumartigen Zustände mit brutaler Macht über diese ignorante Gesellschaft hereingebrochen. Jetzt geht es nicht mehr nur um Konsumverzicht, sondern um den Zusammenbruch der materiellen Existenz von Millionen und für Tausende ums nackte Überleben. Sicherlich bereuen heute viele, dass sie nicht rechtzeitig die fossile Wachstumswirtschaft umgebaut und ihren Konsum deutlich eingeschränkt haben.

Die dürre Fichte sollte mahnen, dass derartiges in der einen oder anderen Form auch uns bevorsteht. Fast alle Klimaexperten der Welt haben kürzlich für die UNO-Organisation IPCC ihre Erkenntnisse zusammengefasst und sind zu dem erschreckenden Ergebnis gekommen, dass wir nur noch 10 Jahre Zeit haben für ein radikales Umsteuern der Wirtschaft und ein deutliches Absenken des Konsums, weil sich sonst die Erde auch ohne unser Zutun unkontrollierbar immer weiter aufheize und eine „Menschheitskatastrophe“ drohe. „Wir“, das sind die 20% der Weltbevölkerung, die für 50% der Treibhausgase verantwortlich sind und damit auch für Not und Elend der wachsenden Zahl unschuldiger Klimaopfer in den Armutsländern des Südens. Soviel zu Klimagerechtigkeit, Men-schenrechten und unserer sogenannten „Werteordnung“.

Es ist deshalb zum Fremdschämen, mit welch kindischen Ausflüchten trotz alledem dieser zerstörerische Lebensstil verteidigt wird; als wären wir ohne solche extrem aufwendigen Party-Events zu einem grauen, freudlosen Dasein verdammt (Schlittschuhlaufen kann man auch in der Wiehler Halle).

Es ist fatal, dass ausgerechnet der Grüne und Sprecher der Hausärzte Krolewski die „Märchenverbraucher“ von jeder Mitverantwortung freispricht, indem er die geschönte CO2- Bilanz des Veranstalters kritiklos übernimmt, den somit „geringen“CO 2 Ausstoß für völlig unbedeutend (symbolisch) erklärt und zudem die gefährliche Illusion verbreitet, der Verbrauch des Kohlestroms werde durch den Ablasshandel „Ökoabgabe“ klimaneutral.

Gerade weil die von ihm vorgeschlagenen Appelle an staatliche Institutionen und Programme seit 30 Jahren ins Leere laufen, gibt es die Fridays for Future Bewegung, die sofortiges Handeln einfordert, auch und gerade von jedem persönlich. Ihm ist wohl nicht bewußt, dass seine unsägliche Verharmlosung solch klimaschädlicher Vergnügungen den Schülern in den Rücken fällt und dass er damit den beispielhaft radikalen Konsumverzicht ihrer Leitfigur Greta Thunberg zur Freude der rechten Klimaleugner der Lächerlichkeit preisgibt.

Ich kann nur hoffen, dass er nicht für alle Grüne und alle Hausärzte spricht, sonst müssten wir wohl bald alle Hoffnung fahren lassen.

Fridays For Future in Gummersbach

Leserbrief zu dem Artikel „Weniger, aber nicht leiser“

In meinem Leben habe ich an vielen Demos teilgenommen, so was wie am 29.11. in Gummersbach habe ich aber noch nie erlebt. Ich freute mich auf Schülerbeiträge auf der Abschlusskundgebung, nachdem mich einige schon bei der vorigen Demo in Einzelgesprächen mit ihrer beachtlichen Kompetenz beeindruckt hatten.

Sieh mal an, dachte ich, als dann Landrat und Bürgermeister die Bühne betraten, jetzt wanzen auch sie sich mit Grussworten bei „fridays for future“ an. Doch dabei blieb es leider nicht, denn sie hielten lange, selbstgefällige Reden und kaperten so die Kundgebung. Nach dem üblichen väterlich wohlwollenden Lob für den „Mut der jungen Leute“ wurden diese von oben herab ohne jeden Anflug von Selbstkritik darüber belehrt, dass es mit dem Klimaschutz aber nicht so einfach sei (1968 nannten wir so was „repressive Toleranz“). Es kamen die üblichen Parolen, mit denen die Politik seit Jahrzehnten ihre Untätigkeit kaschiert: Man dürfe die Wirtschaft nicht überfordern, müsse die Menschen mitnehmen, Ökonomie und Ökologie in Übereinstimmung bringen,usw. Der „erforderliche Konsens für die großen Umgestaltungen sei noch nicht gegeben“, so der Landrat, der nichts weiter vorzuweisen hat als (angeblichen) Ökostrom vom Kohlemonster Rheinenergie/RWE/Aggerenergie. Aber er will jetzt ein Programm mit 178 (!) Punkten vorlegen ( warum nicht gleich 1780 ?)!

Das werden viele genauso als Verarschung betrachten wir die haltlose Behauptung des Bürgermeisters, das Steinmüllergelände sei ein „gelungener Beitrag zum Klimaschutz“, weil zum Teil mit Hackschnitzeln geheizt wird. Das jämmerliche bischen Klimaschutz geht nämlich völlig unter allein schon in der verheerenden CO-Bilanz des Einkaufstempels Forum, in dem gerade Massen von „Black Friday“-Schnäppchenjägern Berge von Konsumartikeln aus aller Welt zusammenrafften, die großenteils bereits bald nach dem Fest beim Abfall landen. Es folgten weitere freundlich-selbstgefällige Belehrungen von grauhaarigen Vertretern des Klimabündnisses, die sich ebenfalls an die Jugendlichen anhängen. Die aber suchten anscheinend angesichts der feindlichen Übernahme und dem frindly fire nach und nach das Weite.

„…weil ihr uns die Zukunft klaut!“ rufen die Schüler andauernd und überall. Damit sind wir älteren Wohlstandsbürger gemeint, vor allem die Mächtigen in Wirtschaft und Politik. In Gummersbach klauen wir Zukunftsdiebe sogar noch ihren Protest.

Der sterbende Wald mahnt, die Nachrichten werden wöchentlich dramatischer, katastrophale Zustände rücken näher. Aber in Berlin wird die Windkraft blockiert, in Bergneustadt das Wintermärchen gefeiert, Konsumparty und Wachstumswirtschaft gehen unbeirrt weiter. Die Politik habe den Ernst der Lage nicht verstanden, so der Klimaforscher Rahmsdorf.

Wundert es da, dass sich immer mehr Schüler radikalisieren und mit Ende Gelände und Extinction Rebellion massiven Widerstand gegen unseren Konsumkapitalismus organisieren?

Martin Luther im Nationalsozialismus – ein Leserbrief

Vor einigen Wochen habe ich im El-De-Haus die Ausstellung „Überall Luthers Worte – Martin Luther im Nationalsozialismus“ besucht. Ich wusste zwar zuvor schon von Luthers antisemitischen Hetzschriften, aber welchen überragenden Einfluss sie auf die Verfolgung und Vernichtung der Juden hatten, das ist mir erst in der Ausstellung klar geworden.*

Ausführlich wird z.B. dokumentiert, dass der Pogrome von 1938 heute zwar am 9. November gedacht wird, dass sie aber von SA und SS zu Luthers Geburtstag am 10. geplant waren und durchgeführt wurden.

Luthers Schrift „Wider die Juden und ihre Lügen“ wurde dabei wie ein Drehbuch benutzt, indem ihre Forderungen in die Tat umgesetzt wurden: Die Synagogen verbrennen, die Häuser und Schulen der Juden dem Erdboden gleichmachen, sie vertreiben und wegen ihres „verdorbenen Bluts“ erschlagen usw.. Große Teile der Führung der evangelischen Kirche bejubelten das (Hitler vollendet, was Luther begann) und viele tausend evangelische Christen beteiligten sich freudig an den Ausschreitungen. In 100000fachen Auflagen wurde die Hetzschrift und Broschüren dazu („Martin Luther über die Juden: Weg mit ihnen!“) verbreitet, im Prinzregententheater in München gab es entsprechende Lesungen.

Bis heute wird das weitgehend unter der Decke gehalten und bei den Gedenkveranstaltungen verschwiegen. Dieses jahrhundertelang verbreitete antisemitische Luther-Gift verschwindet aber nicht mal eben von allein, es wirkt untergründig weiter, wenn es nicht rückhaltlos offengelegt und offensiv aufgearbeitet wird.

Stattdessen wurde „der größte Antisemit seiner Zeit “ und der „Warner seines Volkes wider die Juden“ ( Landesbischof Sasse) vor 2 Jahren mit großem Pomp und über die Maßen weitestgehend kritiklos geehrt. Wie wollen die Kirchenleute denn dann einem Nazi-Brandstifter entgegen treten, wenn der sich auf Luther beruft? Oder denen, die den Rabbi angegriffen und beleidigt haben?

Es ist gesellschaftlich gefährliche Heuchelei, einerseits den Antisemitismus zu beklagen und Betroffenheit zu bekunden, andererseits aber dessen starke kirchliche Wurzel weiterhin zu ver-bergen. Ich kann nicht verstehen, warum die jüdische Gemeinde und die Christlich-Jüdische-Gesellschaft dagegen nicht lauthals prostestieren.

Es ist offenbar höchste Zeit, das nachzuholen.

*In diesem Zusammenhang möchte ich besonders auf den sehr informativen Begleitband zur Ausstellung hinweisen!