Oberbergischer Bote, 5. Dezember 1941

In den den Auseinandersetzungen mit dem Kreistag des OBK um die bislang unterlassene objektive Aufarbeitung des NS sollen diese beiden Todesanzeigen dazu dienen, den Blick auf dessen geistige Verseuchung und das konkrete Leid seiner Opfer zu richten.

Die Todesanzeige für meinen „gefallenen“ Onkel Alois zeigt in einem für uns Heutige bestürzenden Ausmaß, wie tief die ideologische Verblendung durch den NS in der Bevölkerung verankert war. Der „junge Held“ ist im rassistischen Vernichtungskrieg der Nazis bei Leningrad verwundet worden und auf irgendeinem Verbandsplatz elendiglich krepiert. Sein „deutscher Freiheitskampf gegen den Bolschewismus“ war die Belagerung und Aushungerung von Leningrad mit Millionen Toten unter der russischen Zivilbevölkerung, eines der größten Kriegsverbrechen. Die „Ahnen“, die als „ Helden des großen Krieges 1914/18 vorangingen in die Ewigkeit “, waren sein Onkel und sein Vater Adam, der 1916 im Schützengraben von einer Granate zerfetzt wurde. Meine Oma Anna wurde im Alter von 26 Jahren Witwe mit drei kleinen Kindern, die sie in extremer Armut mit Minirente, Heimarbeit, Kartoffelacker und Milchziege großziehen musste. Nach Alois „fiel“ dann auch der zweite Sohn Alfons und nur mein Vater Adelbert überlebte, allerdings schwer traumatisiert. Der entsetzliche Zynismus, der uns aus dieser nazistischen Verherrlichung des Vernichtungskriegs entgegentritt, wird bis heute ebenso weitgehend beschwiegen wie die Schuld der Täter auf den höheren Rängen. Ganz sicher wirken deshalb die massiven seelischen Deformierungen bis in unsere Gegenwart, weshalb „der Schoß“ noch immer so erschreckend „fruchtbar“ ist, „aus dem das kroch“. Um dem vorzubeugen ist die Aufarbeitung dringend nötig, es geht eben nicht darum, ein paar alte Nazis zu jagen.

Einigen mag diese Todesanzeige vielleicht auch verständlich machen, warum ich in den Augen vieler kultivierter und seriöser Mitmenschen bei diesem Thema so undiplomatisch und „übertrieben“ radikal und unerbittlich vorgehe.

Die zweite Todesanzeige hat mir ein Bekannter geschickt, weil er weiß, dass ich mit dem SSK seit Jahrzehnten die Menschenrechtsverletzungen in Psychiatrien und Erziehungsheimen bekämpfe, auch eine rassistische Hinterlassenschaft des NS. Diese berührende Anzeige soll auf eine andere Lücke in Oberbergs Aufarbeitung hinweisen, die Krankenmorde und Zwangssterilisierungen. Die hunderte oder tausende oberbergische Opfer, deren Leid und das ihrer Familien, hätten ein eigenes Forschungsprojekt verdient, welches mit der Auswertung der Akten des „Erbgesundheitsgerichts“ beim Gummersbacher Amtsgericht beginnen müsste. Die Tötungsanstalt Hadamar war die Oberberg nächstgelegene. Bei Ernst Klee kann man lesen, dass dort das Personal beim zehntausendsten Vergasten mit Bierausgabe diesen Erfolg feierte, während die Leiche des Opfers – ein Mann mit Wasserkopf – noch im Nebenraum auf der Trage lag, bereit zum Abtransport in den Verbrennungsofen.

„Nicht der allerschlimmste Nazi“?

Anmerkungen zu dem Buch: „Friedrich Wilhelm Goldenbogen – Ein Leben für den Oberbergischen Kreis“, mit dem der Kreis ihm 1979 zu seinem Ruhestand Dank abstatten möchte „für seine Arbeit, für seine Treue und für seine Pflichterfüllung“.

Dieses Buch ist eine außergewöhnliche Ehrung mit 20 Beiträgen verschiedenster Honoratioren vom Regierungs-präsidenten Antwerpes bis zum Banker Herrmann Josef Abs: Lauter Huldigungen, in denen nur ab und zu mal leise Kritik aufscheint an seinem autoritären Regierungsstil.

Heute wissen wir, dass Goldenbogen ein belasteter Nazi war, nicht nur Mitglied in der NSDAP, sondern auch in der SA, im NS Rechtswahrerbund und der NS-Altherren. Im Buch ist davon in keiner Zeile die Rede, auch nicht in dem langen Interview, in dem Goldenbogen quasi eine Bilanz seines Lebens seit März 1945 zieht. Da tauchte er als Wehrmachtshauptmann mit seiner Truppe im Oberbergischen auf und der Pommer schaffte es, den 8.Mai nicht als Kriegsgefangener, sondern mit neuen Papieren als frisch gebackener Oberberger in einer Anstellung als Regierungsassessor zu erleben. Ein halbes Jahr später begann seine Karriere als Oberkreisdirektor, zuerst von der Militärregierung auf Empfehlung von August Dresbach eingesetzt, später gewählt.

Ich habe das Buch und insbesondere das lange Interview mit Goldenbogen daraufhin angeschaut, in welcher Weise sich die Beteiligten und Goldenbogen mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandergesetzt haben. Und so gut wie Nichts gefunden! Durchgängig wurde der 8.Mai als „Zusammenbruch“, „totaler Zusammenbruch“ oder immer wieder als „Stunde Null“ bezeichnet. Als hätte man an diesem Tag eine Lösch-Taste gedrückt und alles, was davor existierte, verschwand spurlos. Natürlich ist viel die Rede von Kriegsfolgen, Not, Flüchtlingen usw, aber es gibt nicht die geringste Andeutung deutscher Kriegsschuld oder der Naziverbrechen. Alles gelöscht! Das Interview fand aber nicht 1946 oder Anfang der 50er statt, als man sich rundum gegenseitig versichern konnte, von nichts gewußt zu haben, sondern 1979, als der Holocaust, der Vernichtungskrieg im Osten, die Verbrechen der SS, SA, Gestapo etc. allgemein bekannt waren. Aber der SA-Mann und Wehrmachtshauptmann findet kein einziges Wort des Bedauerns oder gar der Reue und auch für den Interviewer ist das kein Thema.

Einmal wird das Wort „Jude“ erwähnt:

Als ich hier anfing,wurde überall erzählt: ‚Jetzt sind die Juden gekommen‘. Man hielt mich auf Grund meines Namens für einen Juden! Ich habe darüber gelächelt. Schwierigkeiten gab es deshalb aber nicht.“

Auch Zwangsarbeiter kommen einmal vor:

Bei seinem Marsch zur Unterkunft beim Unternehmer Schmidt sei ihm „mulmig“ geworden, als er am Stahlwerk von Schmidt & Clemens vorbeikam. „Die Fabrik war mittlerweile zum Ausländersammellager geworden. Es wimmelte von Russen, Polen und anderen Männern aus aller Herren Länder, die als Zwangsarbeiter ins Oberbergische gekommen waren. Alle waren bewaffnet, kein schönes Gefühl für mich.“

Mit einem Juden verwechselt, wie komisch. Zwangsarbeiter, eine bedrohliche Zusammenrottung von Ausländern. Er wußte natürlich von den Verbrechen an beiden, aber in seiner Lebensbilanz war deren Schicksal keiner Erwähnung wert. Man könnte daraus schließen, dass er völlig gefühlskalt und empathieunfähig war. Doch weit gefehlt, denn an anderer Stelle zeigt er tief empfundenes Mitgefühl:

„… wenn wir nicht weiterkamen in dieser Notzeit, sind sie zu den Alliierten gegangen und haben für Hilfe gesorgt. Herr Hurtz (Dechant) und Herr Fach (Superintendent) haben damals manches menschliches Schicksal positiv beeinflusst. Dies betrifft vor allem Leute, die in der NSDAP waren.

Die beiden Geistlichen haben in solchen Fragen nie die politische, sondern immer die menschliche Seite in den Vordergrund gestellt. Das war außerordentlich wichtig, in dieser Zeit Menschlichkeit zu zeigen.“

So sieht die „Menschlichkeit“ eines in meinen Augen unverbesserlichen Nazis aus, der sein früheres Leben für Führer, Volk und Vaterland zwar unter dem allgemeinen Teppich des Verschweigens entsorgt hat, in dem aber nach wie vor offensichtlich eine Art emotionaler Antisemitismus und Rassismus fest verankert blieb: Morde und Folter an den Untermenschen lösen beim Herrenmenschen kein sonderliches Mitempfinden aus, sind ihre Opfer doch lange genug durch Propaganda entmenschlicht worden, indem sie z.B wie die Juden ständig als Ratten dargestellt wurden und immer wieder vor ihnen als existentielle monströse Bedrohung gewarnt wurde. Schließlich waren die seelisch deformierten Täter in der Lage, die ausgegrenzten Menschen so ungerührt zu quälen und töten wie der Bauer die „Schädlinge“ auf dem Feld. (Das Zyklon B in Auschwitz war ja auch eigentlich ein landwirtschaftliches „Schädlingsbekämpfungsmittel“).

Ganz anders sieht es aber für den Herrenmenschen aus, wenn einem der seinen „Böses“ zugefügt wird, und sei es auch nur eine drohende Entlassung aus dem Öffentlichen Dienst wegen einer Nazi-Belastung. Gegen solche „Unmenschlichkeit“ eilt ihm sogar die Geistlichkeit zu Hilfe.

Liegt es denn nicht nahe, diese krasse Diskrepanz in Goldenbogens Gefühlswelt der gespaltenen „Menschlichkeit“ auf ein innerliches Fortwirken des Nazirassismus zurückzuführen?

Bei Goldenbogens SA- und Hauptmann-Kameraden Klausa ist genau dasselbe festzustellen: Einerseits sensibel und gefühlvoll der Familie oder der adeligen Sekretärin gegenüber, andererseits vollkommen gleichgültig und untätig gegenüber dem jahrzehntelangen Elend der Insassen seiner Psychiatrien und Heime, die er vor der „Stunde Null“ noch als „Entartete“ bezeichnet hatte.

Es gibt verblüffend viele weitere Parallelen mit Klausa, der ja ohne Goldenbogens Unterstützung kaum Landesdirektor geworden wäre. Der nordrhein-westfälische Landkreistag fungierte dabei wie ein informelles Netzwerk, über das hochrangige NS-Funktionsträger mit Spitzenjobs im öffentlichen Dienst versorgt wurden.

Der LVR-Kulturdezernent und Hofliterat Hartung schrieb zu Klausas Verabschiedung, dass der („ein Rassepferd unter Ackergäulen“) sich „schwer tat mit der Demokratie“. Klausa schlug allen Ernstes in den 60ern ein „Ver- waltungsplanspiel“ vor, wonach das Parlament alle Gesetzesvorlagen zuerst der Verwaltung hätte vorlegen müssen, um es vor der Verabschiedung auf seine Durchführbarkeit hin zu prüfen. Von wegen Gewaltenteilung! In dem Buch zu Goldenbogens Abschied findet sich folgende Passage aus der Feder dieses begnadeten Elogen-schreibers, die ein – sicherlich unbeabsichtigtes – Schlaglicht auf das Demokratieverständnis des Geehrten wirft:

Goldenbogen war stets frei von kleinlichen Bedenken, Ängsten und Zaudern. Was ihm vernünftig erschien, boxte er durch.

Freilich, die Art seiner Verhandlungsführung als Ausschussvorsitzender hat ihm nicht nur Freunde gemacht. Bei jedem Zusammentritt eines neuen Ausschusses muckten die „jungen Leute“ auf; sie waren oft ahnungslos und fühlten sich „verschaukelt“, wenn langes Palavern kurzerhand erstickt wurde. Dem Vorsitzenden ging es weniger um langatmige Diskussionen als um Entscheidungen. Kleinkariertheit im Denken, wie es oft in Diskussionen deutlich wird, war ihm ein Greuel.“

Die von den Nazis gezeigte Verachtung des Parlaments als „Schwatzbude“ und „Weimarismus“ scheint bei beiden Herren also durchaus noch akut gewesen zu sein. Bei beiden war die Effizienz reibungslos funktio-nierender Verwaltungsapparate die oberste Maxime, darauf beruhten ihre Erfolge auf wirtschaftlichem Gebiet, für die sie über die Maßen geehrt wurden.

Diese Effizienz war auch den Nazis eigen, sie kann vielen Herren dienen und ist kein Wert an sich. Klausa hat die früher so genannten “Ballastexistenzen“ in Heimen und Psychiatrien jahrzehntelang menschenunwürdig, aber kostengünstig weggesperrt, Goldenbogen schreckte bei der rücksichtslosen Durchsetzung von Wirtschafts- und Unternehmerinteressen nicht einmal vor strafbaren Handlungen zurück.

Dazu werde ich eine Dokumentation über die Geschichte der Othetaler Spinnerei vorlegen, die von Ende der 40er bis in die 70er keinen einzigen Tag legal gearbeitet hat, ungehindert Schwarzbauten errichten konnte und unter den Augen der Behörden durch ungeklärte Abwässer den Othebach vergiften durfte bis dieses Umweltverbrechen in den 70ern durch eine Bürgerinitiative gestoppt wurde. Goldenbogen war rundum zuständig: Als Chef der Baubehörde für die Duldung der Schwarzbauten, als Chef der Unteren Wasserbehörde für die Duldung der Gewässervergiftung, als Vorsteher des Aggerverbands für die Manipulation der Gewässerproben durch dessen Labor, als Polizeipräsident für die Nichtverfolgung schwerer Umweltstraftaten. Diese Miß- und Verachtung des Rechtsstaats gipfelte darin, dass er anläßlich der Gründung der Bürgerinitiative durch den Leiter der Unteren Wasserbehörde mit dem Gewässervergifter vereinbaren ließ, die stinkende Giftbrühe nur noch „ nachts abzulassen“. Der Unternehmer wurde dank Bürgerinitiative bestraft, die Verfahren wegen Strafver-eitelung im Amt gegen die Beamten zögerte die Staatsanwaltschaft so lange hinaus, bis die absolute Verjährung eintrat.

Goldenbogen hatte sämtliche wirtschaftlichen Machtpositionen – sicher mehr als 20 – in Oberberg besetzt, bei Agger- und Abfallverband, Sparkasse, OVAG, LVR, Rheinischer Sparkassen- und Giroverband, usw. usw, an ihm kam keiner vorbei. Sein Wirken als RWE Aufsichtsrat lobte Big Boss Abs in höchsten Tönen, so bei der Erweiterung des Braunkohletagebaus. Nur ein einziges Gross-Projekt sei ihm mißlungen, bedauerte Goldenbo-gen, nämlich die oberbergischen Abfälle in der Braunkohlegrube zu „entsorgen“.

So wie der Altnazi Klausa die Menschenrechte der Anstaltsinsassen systematisch verletzen ließ, so hebelte der Altnazi Goldenbogen die Umweltgesetze zugunsten des Industriellen einfach aus. Wäre es nicht angebracht, diese Vorgänge daraufhin zu untersuchen, ob hier nicht noch im Verborgenen eine Rechtsordnung wirksam war, in der vor 45 eben nicht alle Menschen vor dem (völkisch ausgerichteten) Gesetz gleich waren und in der es erklärtermaßen Vorrechte für „Herrenmenschen“ gab ?

Dass sicherlich sehr viele Menschen das Durchgreifen dieser „starken Männer“ auch gegen die Gesetze gut fanden, wenn es um wirtschaftliche Vorteile ging, macht es nicht besser. Es beweist ja nur, dass hinter den demokratischen Kulissen noch weitgehend sowohl das „Führerprinzip“ als auch der zugehörige „Unter-tanengeist“ herrschte. Und noch herrscht?

Der anwachsende Rechtsradikalismus zeigt, dass es höchste Zeit ist, die unterlassene Aufarbeitung nachzuholen.

Leserbrief zum Bericht „Wald soll Wald bleiben“

Roland Raisig kritisiert vollkommen zu Recht die vielfachen Umwandlungen von Forstflächen in Grünland, die nach dem Orkan „Kyrill“ auf vielen der verwüsteten Parzellen stattfanden. Dass dies mit Genehmigung der Forstbehörden geschah, ist neben der jahrzehntelangen unkritischen Förderung der Fichtenmonokulturen deren zweites fundamentales Versagen gegenüber Klimaerhitzung und Artensterben.

Der Klimaschaden entsteht nicht so sehr durch das Methan, welches die Kühe ausstoßen, sondern durch die Art der Grünlandbewirtschaftung. Wären es artenreiche Wiesen geworden , die zweimal für Heu gemäht und mit Stallmist gedüngt werden, so wären humusreiche Böden entstanden, die CO 2 und Wasser speichern können und die Artenvielfalt fördern.

Es sind aber Grünlandflächen, die 4 bis 5 mal für Silage gemäht und mit Gülle getränkt werden, mit schädlichen Folgen für Klima und Artenvielfalt. Da außer Löwenzahn so gut wie keine Gräser und Kräuter mehr zum Blühen kommen, ist diese Wirtschaftsweise der Hauptgrund für das bedrohliche Insektensterben. Den zukünftigen Dürren und Starkregen werden die Böden dieser Futterflächen so wenig standhalten können wie die Fichtenmonokulturen, zumal das kühlende Kleinklima der Schatten spendenden Landschaftselemente wie Baumgruppen, Hecken und Gehölzstreifen per Flurbereinigung für den Einsatz von Großtechnik beseitigt wurden. Deren allseits bewunderte „Schlagkraft“ war 2018 auf den verdorrten Flächen aber gleich Null. Dieser Schock hat die lebensgefährliche Illusion offengelegt, der Mensch könne der Natur mit Hilfe der industriellen Produktionsweise immer größere Erträge abpressen.

Dies ist kein Bauernbashing, denn das Silage-Gülle-Kraftfutter-Hightech-Hochleistungskuh-System ist den niedrigen Erzeugerpreisen geschuldet.Die Politik hat seit jeher die Landwirtschaft in die Massenproduktion billiger Lebensmittel gedrängt, damit immer größere Anteile der Einkommen für Industrieprodukte ausgegeben werden können. Die Bauern liefern, die Industrie brummt und wir Mittelklasse-Konsumenten können so maßlos drauflos shoppen und uns so hemmungslos vergnügen wie nie zuvor in der Weltgeschichte. Wir haben es zu weit getrieben, denn jetzt hat uns das aufgeheizte Klima den Krieg erklärt und zerstört unwiederbringlich Ackerböden, Wald und Weideland. Dass dies unsere Lebensgrundlagen sind und nicht etwa die Auto- oder Freizeitindustrie, das werden auch wir vielleicht schon bald an einem Mangel von Nahrungsmitteln spüren. Die Bauern werden anders arbeiten müssen und wir alle anders leben, sonst droht demnächst auch uns wieder der Menschheits-Alptraum, nicht genug zu essen zu haben. Wer das angesichts von Dürre, Flut, toten Bäumen und Corona immer noch für Panikmache hält, dem fehlt es in einem pathologischen Ausmaß an Phantasie.

Betreff:     NS-Aufarbeitungs – Verweigerung
Datum:     Tue, 2 Nov 2021 15:37:00 +0100
Von:     Lothar Gothe <logo@westhost.de>
An:     Kreistag Oberbergischer Kreis OBK <mail@obk.de>

Sehr geehrter Herr Landrat Jochen Hagt !

Ich bedanke mich für Ihr aufschlussreiches Schreiben vom 15. 10., aus dem ich viel gelernt habe:

Sie haben sich als Meister der Machtpolitik erwiesen, indem Sie ein offensichtlich unerwünschtes Abstimmungergebnis des Kreisausschusses gekonnt verhindert haben. Denn bei der Juni- Sitzung sah es nach den Wortmeldungen der einzelnen Fraktionen für alle Anwesenden so aus, dass mein Antrag bei der Abstimmung eine große Zustimmung fände.Der Antrag war ja auch nichts Besonderes, hunderte Behörden, Wirtschaftunternehmen  und Kommunen haben ja inzwischen ihre NS-Vergangenheit aufarbeiten lassen, auch solche, die es weniger nötig haben als der OBK.

Alle haben natürlich dem wissenschaftlichen Standard entsprechend unabhängige Historiker damit beauftragt. Mir bekannte Ausnahmen sind nur der Landschaftsverband Rheinland und der Oberbergische Kreis; Der LVR ließ zur Ehrung seines Gründungsdirektors Klausa von seinem Archivleiter Werner eine Biografie verfassen, die hinsichtlich von Klausas schwerer NS Belastung derart peinliche Lücken aufwies, dass sie später aus dem  Internet entfernt werden musste. Der Kreis beauftragte ebenfalls seinen abhängig beschäftigten Archivar Pomykaj mit der NS Aufarbeitung: Mit ähnlich lückenhaftem Ergebnis, vor allem was die NS Belastung des „Gründungs-OKD“ und Klausa-Kameraden Goldenbogen betrifft.

Es lag daher nahe, dem Beispiel des LVR zu folgen und nunmehr ebenfalls unabhängige Historiker zu beauftragen. Doch Sie brachen den Tagesordnungspunkt ohne jeden erkennbaren sachlichen Grund ab und verschoben die Abstimmung auf die nächste Sitzung, in der mir der Zutritt ( formal zu Recht) verwehrt wurde. Herr Pomykaj durfte offenbar des Langen und Breiten seine Ehre als Wissenschaftler gegen den Bauern Gothe verteidigen, ohne aber endlich  mal zu erklären, warum er z.B, die Mitgliedschaft von Goldenbogen in der SA und anderen NS Organisationen nicht herausgefunden oder verschwiegen hat. Man darf wohl auch davon ausgehen, dass Sie die Zwischenzeit für politische Einflussnahmen mit dem Ziel genutzt haben, eine unabhängige, objektive  Aufarbeitung weiterhin zu verhindern. Wie Sie das Umschwenken des Ausschusses hingekriegt haben, wäre sicherlich ein lohnendes Material für Studien über politische Kultur in einem Uni-Oberseminar.

Tatsächlich hat der Ausschuss dann ja meine Anregung abgelehnt und dafür eine „Begründung“ angegeben, welche unter Historikern vermutlich Reaktionen von Ratlosigkeit bis zu Kopfschütteln und  höhnischem Gelächter auslösen dürfte: Es soll nun die offenbar geschichts-wissenschaftlich hochkompetente Verwaltung gebeten werden, ein „Themenfeld vorzubereiten“ ( Häh?!?), um dann mit den wohl ebenfalls kompetenten Fraktionsvorsitzenden „abzustimmen“, in „welcher Form“ man sich dem „Thema“ „widmen“ wolle.

Der Untersuchungsgegenstand ist natürlich kein „Themenfeld“, sondern ganz einfach und klar umrissen die NS Belastung in Kreistag und Verwaltung  vor und nach der angeblichen“Stunde Null“. Für eine solche Forschung gelten wissenschaftlich festgelegte Regeln, über deren “ Form“ nicht- auch nicht von Fraktionsvorsitzenden- von Fall zu Fall “ abgestimmt“  werden kann. Jeder unabhängige Historiker würde sich dererlei Vorgaben verbitten.

Da der Ausschuss beschlossen hat, dass eine Forschung durch unabhängige Historiker „aufgrund der erfolgten Publikationen nicht zielführend“ sei, kann das Ziel nach aller Logik doch nur sein, die bestehenden erheblichen Lücken dieser ( Pomykaj-) Publikationen eben nicht zu schließen und personelle und ideologische Nazikontinuitäten im Nachkriegs-Oberberg weiterhin unter dem Teppich zu halten.

Das unsägliche „Begründungs“geschwurbel  dient offensichtlich dem Zweck, von dem  in meinen Augen unverzeihlichen Versagen gegenüber der Pflicht zur wahrheitsgemäßen Aufklärung  einer mörderischen Vergangenheit und ihrer Auswirkung bis in die Gegenwart abzulenken.

Was die Behandlung meiner früheren Anregungen betrifft, haben Sie in Ihrem Antwortschreiben erneut ein typisches obrigkeits-staatliches Vorgehen an den Tag gelegt:  Obwohl Ihre Verwaltung erwiesenermaßen gegen meine  berechtigte Kritik an dem Prestige-Schafsprojekt  mit einem falschen Gutachten vorging, hatte das keinerlei Konsequenzen und Sie gehen auch jetzt wieder über das in zweiter Instanz bestätigte Urteil hinweg, indem Sie zu meinen diesbezüglichen Ausführungen wider besseres Wissen von oben herab einfach behaupten, sie entbehrten „jeglicher Grundlage“. Sie halten also weiterhin das Gutachten für richtig und stellen  sich insofern über unsere Rechtsordnung, in der ein rechtkräftiges Urteil von jedermann zu respektieren ist.

Ähnlich gehen Sie mit dem  eklatanten Versagen der angeblich unabhängigen Beschwerdestelle beim Klinikum Oberberg um, in dessen Aufsichtsgremien ja nicht umsonst Vertreter des Kreistages sitzen. Statt diese mit dem Skandal zu beschäftigen, dass die Beschwerdestelle monatelang einen hilflosen alten Herrn im Stich ließ, der rechtswidrig in der geschlossenen Psychiatrie eingesperrt war, reichen Sie meine an den Kreistag gerichtete Anregung an den Geschäftsführer der Klinik (!) weiter. Doch der ist ja gerade derjenige, der den Missstand zu verantworten hat.Er selbst hat die Beschwerde (viel zu spät) bearbeitet und mit ausweislich der Krankenakte falschen Angaben abgewimmelt. Es gibt also faktisch keine „unabhängige“ Beschwerdestelle für Patienten. Da deren Sinn aber ist, die Rechte der Patienten gegen die Geschäftsleitung zu vertreten, ist es ein schwerwiegender Missstand, der unbedingt abgestellt werden muss; zumal in einem Land, in dem vor noch nicht einmal 80 Jahren solche wehrlosen Kranken als „Ballastexistenzen“  von staatlichen Institutionen systematisch ermordet wurden.

Da also der Kreisauschuss und Sie als Verwaltungschef eine wirkliche, objektive  Aufarbeitung der NS Vergangenheit nicht für erforderlich halten, sollten Sie auch offen bekennen, dass die NS Belastungen von Goldenbogen und anderen Nachkriegspolitikern für Sie und den Kreistag heutzutage keine sonderliche Relevanz mehr haben.

Aus diesem Grund schlage ich vor, dass der Kreis als führende Kraft im sogenannten  „Bündnis gegen Rechts“ dessen nächste Jahrestagung in der Kantine der Waldbröler Klinik abhält. Da die Einladungsadresse “ Dr.Goldenbogen Strasse“lauten würde, könnten Sie damit ein Zeichen setzen, dass zumindest in Oberberg endlich der von vielen geforderte „Schlussstrich“ unter die Nazizeit gezogen wird.

Abschließend möchte ich bemerken, dass sogar ich als einfacher Bauer durchaus die feine Ironie bemerkt habe, die in der Verwendung der altertümlichen Grussformel „Hochachtungsvoll“ zum Ausdruck kommt. Deshalb erlaube ich mir, noch ein wenig hochachtungsvoller zurückzugrüßen,

Ihr Lothar Gothe

P.S. Ich hatte übrigens nicht beabsichtigt, Ihnen eine Beunruhigung zu „suggerieren“, sondern wollte nur darauf hinweisen, dass es auch für Sie Gründe dafür geben könnte, beunruhigt zu sein: Wenn es schon nicht anwachsender Rechtsradikalismus oder die drastischen Erderwärmungsfolgen sind, dann doch vielleicht die zunehmende Abwendung vieler Mitbürger von den ( staatlichen) Institutionen, wie sie sich z.B. auch im Wahlergebnis Ihrer Partei so deutlich gezeigt hat.

Eine Mail an Herrn Hagt

Betreff:     Meine Einwohneranregung zur NS-Aufarbeitung im Kreisausschuss vom 30.9.21
Datum:     Thu, 14 Oct 2021 22:30:04 +0200
Von:     Lothar Gothe <logo@westhost.de>
An:     Kreistag Oberbergischer Kreis OBK <mail@obk.de>

Hallo Herr Hagt,

wie Sie sicher wissen, wurde mir von Ihrem Mitarbeiter die Teilnahme an der Sitzung verwehrt, weil ich meinen Impfausweis vergessen hatte. So konnte ich leider der Diskussion um meine Einwohneranregung und den Ausführungen des Herrn Pomykaj zu meiner Person nicht beiwohnen und  ich kenne auch nicht den Beschluss des Kreisausschusses. Mein anwesener Freund kann ihn nicht  wiedergeben und somit ist mir nicht klar, was nun mit meiner Anregung geschehen soll.

Da das bisher noch nicht geschehen ist,  bitte ich also darum, mir den Beschluss schriftlich mitzuteilen.

Ich erlaube mir, diesen Vorfall zum Anlass für einige kritische Anmerkungen zum Umgang des OBK mit Einwohneranregungen zu nehmen, insbesondere mit meinen.  Ohne meine Schlamperei entschuldigen zu wollen, will ich daraufhinweisen, dass mir eine Teilnahme durchaus hätte erlaubt werden können. Ich hatte Ihren Mitarbeiterinnen angeboten, schriftlich eine eidesstattliche Erklärung abzugeben, dass ich zweimal geimpft bin und den Impfausweis am folgenden Tag im Kreishaus vorzulegen. Daraufhin erlaubten sie meine Teilnahme mit der Auflage, mit Maske und großem Abstand zu den Anwesenden Platz zu nehmen. Doch dann schritt ein weiterer Mitarbeiter ein und  untersagte wiederum meine  Teilnahme  unter Verweis auf ein Verwaltungsgerichtsurteil vom selben Tag. Soweit ich das beurteilen kann, schließt dieses  Urteil in meinem speziellen Fall aber die Teilnahme an der Sitzung gar nicht aus, da ich kein Impfgegner aus der Querdenkerszene bin und es sichergestellt war, dass keinerlei Ansteckungsgefahr von mir ausging.

Wenn  ich dieses Vorgehen als unfreundlichen Akt betrachte, so liegt das möglicherweise auch an unschönen Vorerfahrungen mit Einwohneranregungen: Einmal musste  erst die Kommunalaufsicht beim RP den damaligen Landrat dazu zwingen, meine Anregung zu behandeln.

Zum andern steht immer noch der unaufgearbeitete Skandal im Raum, dass die Kreisverwaltung meine Kritik an der erheblichen Misswirtschaft beim Schafsbeweidungsprojekt der Biostation durch die Vorlage eines falschen Gutachtens des Herrn Galunder ersticken wollte. Anlässlich einer Einwohnerfrage dazu erlebte ich den denkwürdigen Vorgang, dass  ein Gerichtsvollzieher mich 5 Minuten vor Beginn der Sitzung aus dem Raum holte und  eine einstweilige Verfügung übergab, in der mir verboten wurde, Galunders Gutachten als falsch zu bezeichnen. Die Klage in der Hauptsache endete aber mit dem vom OLG bestätigten Urteil des LG Köln,  dass es sich um “ ein eindeutig falsches Gutachten“ handele. Die Kreisverwaltung wusste das auch, denn zuvor hatte bereits eine Kontrolle der Landirtschaftskammer ergeben, dass „70 %  (!) der Schafsflächen in „schlechtem Pflegezustand“ waren. Man nahm also völlig desinteressiert hin, dass bei diesem OKULA- Grünland nicht Artenvielfalt gefördert wurde, sondern Arten vernichtet( Artenschutz  wurde damals allerdings weithin als Marotte überdrehter Naturschützer abgetan). Die Herausgabe dieses peinlichen Befunds hatten Kreis und LWK rechtswidrig verweigert, ich musste diese erst mit Hilfe des Verwaltungsgerichts erzwingen.

Anstatt diese offenkundigen ökologischen,rechtsstaatlichen und demokratischen Defizite  aufzuarbeiten, wurden sie mit Schweigen übergangen, der Kreistag versagte als parlamentarisches Kontrollorgan der Verwaltung vollkommen.; einige Verwaltungsmitarbeiter begegneten mir mit blankem Hass, andere äußersten ihre Scham über das Vorgehen ihrer Vorgesetzten.

Voriges Jahr habe ich die Einwohneranregung an den Kreistag gerichtet, dafür Sorge zu tragen, dass die angeblich unabhängige Patienten-Beschwerdestelle bei der Kreisklinik neu organisiert wird. Sie hatte monatelang nicht auf die Beschwerde eines alten Herrn reagiert, der eindeutig rechtswidrig in der geschlossenen Psychiatriestation eingesperrt war, aus der ich ihn später als Betreuer befreien konnte. Sie, Herr Hagt, haben diese Anregung gar nicht erst an das Parlament weitergeleitet, sondern “ zuständigkeitshalber“ an den Geschäftsführer der Klinik weitergereicht, der ja für den Missstand verantwortlich ist und der eine Beschwerde mit unzutreffenden Angaben abgewimmelt hatte. Der LVR als Miteigentümer der Klinik fühlte sich hingegen durchaus zuständig und ging der Beschwerde nach. Mit ziemlicher Sicherheit hätten  Sie ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht verloren, aber Sie können ja darauf bauen, dass selbst ein Querulant wie ich nicht jedesmal Zeit, Kraft und Geld aufbringt, um sich bei Gericht zu wehren.

In meinen Augen zeigen sich auch an diesen Vorfällen vordemokratische Relikte eines Obrigkeitsstaates, der zu Selbstkritik nicht fähig ist . Es liegt auf der Hand, dass die jahrzehntelange autoritäre Herrschaftsausübung  des Altnazis Dr. Goldenbogen und seiner Gesinnungsgenossen derartige Machtstrukturen gefördert  und das Entstehen einer offenen, bürgerfreundlichen, basisdemo-kratischen Gesellschaft behindert hat.

Die Herausforderungen der Menschheit  durch die herannahende Klimakatastrophe und das Artensterben können aber in solchen abgeschotteten, selbstgerechten politischen Hierarchieen  nicht bewältigt werden. Weil sie diesen neuen Gefahren offenkundig genauso rat-und hilflos gegenüberstehen wie wir  Bürger, müssen Parlamente und Verwaltungen jetzt eine gewisse Demut erlernen, IrRWEge offen bekennen und ihren obrigkeitlichen Gestaltungsanspruch  aufgeben. Es braucht jetzt die Mitwirkung aller, deshalb kann ohne eine Öffnung für basisdemokratische Prozesse die nötige Transformation von  Wirtschaft, Politik und Lebensstil nicht erreicht werden.

Das Vertuschen und Verharmlosen von Misständen und Fehlentwicklungen und das Niedermachen von berechtigter Kritik wie bei Ihrem Schafsprojekt wird  gegenüber den Ursachen und den Folgen des Klimawandels lebensgefährlich, das müsste spätestens seit der Ahr-Katastrophe eigentlich jeder begriffen haben. Die realen Gefahren verschwinden eben nicht dadurch, dass politische Mehrheiten sie per Beschluss negieren, sie steigen im Gegenteil dadurch immer weiter an.  Der notwendige „Transformations“-Prozess kann nur damit anfangen, die Fehler in der Vergangenheit zu erforschen und offenzulegen, welche politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen zu dieser existentiellen Bedrohung der  Menschheit geführt haben. Die ehrliche Aufarbeitung der oberbergischen Nazikontinuität gehört dazu. Auch deshalb, um der Gefahr eines neuen Nazifaschismus vorzubeugen, der die längst unvermeidlichen ökologischen und ökonomischen Krisen durch die Klimawandelfolgen erneut als Nährboden nutzen könnte.

Das Institut der Einwohneranregung könnte ja ein Mittel sein, die Bevölkerung bei der Transformation einzubeziehen. Dass aber offenbar kaum einer diese Möglichkeit nutzt, deutet daraufhin, dass die meisten sowieso nicht daran glauben, dass man sich mit ihren  Einwendungen und Anregungen ernsthaft befasst. Das sollte auch Sie beunruhigen.

Gruss,
Lothar Gothe

Einwohnerfrage

Lothar Gothe
Eckenhagenerstr. 33
51702 Bergneustadt

An den Kreistag des OBK
Herrn Landrat Hagt

2. Nov. 2021

Einwohnerfrage

Auf Betreiben des ehem. OKD Goldenbogen wurden Anfang der 50er 4 Gemälde des Malers Werner Peiner für den Sitzungssaal des Kreistages angekauft.

  1. Wie hoch war der Kaufpreis ? Wie hoch war der Anteil von eingeworbenen Sponsorengeldern?
  2. War dem Kreistag bekannt, dass es sich bei Peiner um den früheren Leiter der Herrmann-Göring- Meisterschule in der Nähe der „Ordensburg“ Vogelsang handelte, der von Adolf Hitler aufs Höchste geehrt und in den erlauchten Kreis der „ Gottbegnadeten“ aufgenommen worden war ?
  3. Wenn ja: Gab es im Kreistag deshalb Kritik an diesem Kauf?
  4. OKD Goldenbogen hat den „Blut-und-Boden“-Maler Peiner seit der Entlassung aus dem Internierungslager in einem so außergewöhnlichen Ausmaß gefördert, dass Peiner in ihm einen „Freund fürs Leben“ sah. Dabei störte es Goldenbogen offensichtlich nicht, dass Peiner seiner braunen Gesinnung treu blieb und aus seinem radikalen Antisemitismus keinen Hehl machte. So zitiert ihn die Zeitung Die Welt mit der Äußerung Anfang der 50er, dass man wieder „die jüdische Journaille“ ertragen müsse, „wie vor 33“.
  5. Stimmt der Kreistag der Aussage zu, dass die distanzlose Förderung des Antisemiten Peiner ein starkes Indiz dafür ist, dass Goldenbogen selbst ebenfalls Antisemit war oder zumindest keinen sonderlichen Makel im Antisemitismus sah ?
  6. Die Gemälde sind wohl immer noch im Archiv eingelagert: Wie beabsichtigt der Kreis zukünftig mit dieser Goldenbogen-Hinterlassenschaft umzugehen ?

Eine Mail an „Oberberg ist bunt“

Betreff:     Eure Rundmail
Datum:     Fri, 8 Oct 2021 22:10:01 +0200
Von:     Lothar Gothe <logo@westhost.de>
An:     oberberg-ist-bunt <info@oberberg-ist-bunt.org>

Liebe bunte Oberberger,

weil in Waldbröl die Rechtsextremen gegen den Trend bei der Wahl zugelegt haben, stellt ihr die Frage, was dort los ist und wie man solchen Tendenzen entgegen wirken kann. Ihr wißt aber doch schon, dass das „Leyland“ Nümbrecht/Waldbröl eine Nazihochburg war und dass es bis heute keine ehrliche und umfassende Aufarbeitung der ideologischen und personellen Kontinuität nach 45 gegeben hat: stattdessen Verschweigen, Vertuschen, Verharmlosen, Ablenken; mit der zwangsläufigen Folge, dass der braune Ungeist unter der Oberfläche der Öffentlichkeit fort und fort wirkt. Das wurde an der  Peinlichkeit der Straßenumbenennungen in Nümbrecht deutlich, wo  noch 75 Jahre nach dem Krieg  zwei schwer belastete  Nazis geehrt wurden.

Ihr wisst auch, dass In Waldbröl  immer noch eine Strasse nach „Dr. Goldenbogen“ benannt ist , einem ehemaligen Mitglied nicht nur der NSDAP, sondern auch der SA und dem NS Rechtswahrerbund. Weil er von 46 bis in die 70er als überaus geehrter Oberkreisdirektor (sehr autoritär) die oberbergische ( und im LVR die rheinische) Politik bestimmt hat, ist seine NS-Vergangenheit bis heute ein Tabu. Natürlich ist es überaus peinlich, dass diese übermächtige Figur der Nachkriegszeit 1947 nur deshalb im öffentlichen Dienst bleiben konnte, weil er sich durch die Entnazifizierung gelogen hat.

Das rechtfertigt aber nicht, diese NS-Belastung bis heute zu verschweigen. Der ehemalige Kreishistoriker ist der Öffentlichkeit immer noch eine Erklärung dafür schuldig, warum er die SA- Mitgliedschaft Goldenbogens nicht erwähnt hat.  Ich kann nicht beurteilen, ob er dieses bedeutende Faktum nicht herausgefunden ( es reicht eine Anfrage beim Bundesarchiv)  oder es verschwiegen hat.  Wenn ich vor allem deshalb seine NS-Forschung als „lückenhaft“ bezeichne, so ist das eine sachlich berechtigte, eher zurückhaltende  Kritik und keineswegs eine „Ehrabschneidung“.

Hat „Oberberg ist bunt, nicht braun“ eigentlich auch eine Meinung dazu ?  Meint ihr, die Waldbröler Straße sollte weiter den Namen dieses Altnazis tragen? Manchmal habe ich den Eindruck, als konzentriere sich euer verdienstvoller Kampf gegen den Rechtsradikalismus auf das Symptom AfD, mache aber einen Bogen um die tiefer liegenden Ursachen.  Wer die offen angeht, kommt um Konflikte mit gesellschaftlichen Mächten wie z.B. der evangelischen Kirche oder Parteien wie CDU und FDP nicht herum, die ja nach wie vor bestrebt sind, ihre “ Nachkriegskontinuitäten“ zum NS im Dunkeln zu halten. Kann es sein, dass ihr diese Konflikte mit solchen Partnern im Bündnis gegen Rechts scheut ?

Noch ein Vorschlag für eine Veranstaltung zu  “ Was ist eigentlich Antisemitismus ?“:

Es soll nur der Text von Luthers Schrift “ Über die Juden und ihre Lügen“ laut und deutlich vorgelesen werden. Jeder versteht dann ohne jede professorale Anleitung, wie Antisemitismus funktioniert:  Erst werden die Juden durch wüste Beschimpfungen entmenschlicht und  z. B-. als “ blutrünstige Hunde“ betitelt, als minderwertige „Rasse“ verächtlich gemacht und ausgegrenzt, dann mit Hilfe von Verschwörungsfantasien als so gefährlich hingestellt, dass schließlich offene Gewaltanwendung bis hin zu Mord und Totschlag gerechtfertigt erscheint. Alles zu lesen bei Dr. Martin Luther, dessen antisemitische Hetzschrift jahrhundertelang die Seelen vergiftete und die noch Jahrzehnte nach 45 mit dessen gesammelten Schriften verbreitet wurde. Auch ein Tabu, welches eine echte Aufarbeitung verhindert.

Solidarische Grüsse,

Lothar

Richtigstellung zum Leserbrief des Herrn Pauels vom 31.7. „Segen statt Fluch“

„Sehr geehrter Herr Gothe,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Wie Sie wissen, werden wir Ihre Antwort auf eine Antwort auf Ihren Leserbrief allerdings nicht als Leserbrief abdrucken. Das hat nichts mit dem Inhalt zu tun und ist auch keine Einschränkung, die nur Sie betrifft, sondern ein Grundsatz, der für alle Leserbrief-Schreiber gilt.

Ich wünschen Ihnen ein schönes Wochenende.“

 

Na, dann hier:

Offenbar will auch der Kirchenmann Pauels einfach nicht zur Kenntnis nehmen, dass die „verkniffene, moralinsaure Verbotsethik“ mehr noch als von mir von seinem Papst kommt, den ich ja nur zitiere. Mit keinem einzigen Satz erwähnt dieser in den Ezykliken „Laudato Si“ und „Evangelii Gaudium“ irgendeinen Segen, den der herrschende neoliberale Kapitalismus der Menschheit gebracht habe. Welchen Segen könnte denn auch „die Diktatur einer Wirtschaft ohne menschliches Gesicht“ den Menschen bringen, eine Wirtschaft, die „ausschließt“und „tötet“ ? Wir leben in einer Welt, in der ein deutscher Sozialhilfempfänger bereits zu den 10% der reichsten Mitmenschen gehört, über 2 Milliarden Kleinbauern leben am Rande der Existenz, die Arbeiter in den Plantagen und Fabriken des Südens erhalten 50 Cent am Tag, sie müssen also 20 Tage für den deutschen Mindestlohn schuften! Vor allem die Klimaerwärmung lässt die Zahl der Hungernden steigen, die Geflüchteten vegetieren in unseren abscheulichen Lagern …

Und da traut sich ein satter katholischer Amtsträger, den blanken Zynismus zu Papier zu bringen, dass die heutige „Menschheitsgeneration“ „insgesamt besser, sicherer, reicher, satter, gesünder“ lebt als je zuvor? Angeblich sollen sogar den Menschen „mit dem kleinen Geldbeutel“ „schöne Dinge“ wie Kreuzfahrten und SUVs ermöglicht werden, die übrigens auch mit elektrischem oder Wasserstoffantrieb Klimakiller bleiben.

Zum „Segen“ solcher „schönen Dinge“ unseres Überkonsums: „ Die große Gefahr der Welt von heute mit ihrem vielfältigen und erdrückenden Konsumangebot ist eine individualistische Traurigkeit, die aus einem bequemen, begehrlichen Herzen hervorgeht, aus der krankhaften Suche nach oberflächlichen Vergnügungen, aus einer abgeschotteten Geisteshaltung …“

Das stammt wohlgemerkt nicht von mir, sondern ebenfalls von Franziskus. Ist es nicht eine absolut absurde Situation, dass ausgerechnet ich als abgefallener Katholik völlig ignoranten Kirchenfunktionären die radikale Abrechnung ihres Papstes mit dem Fluch unseres Konsumkapitalismus vorhalten muss?

Leserbrief zum Artikel „Kirche pflanzt Wald der Zukunft“

 

Jetzt pflanzt also auch die katholische Kirche den „Wald der Zukunft“, obwohl ja kein Mensch weiß, was das für einer sein wird. Sie beklagt die „toten Monokulturen“ und der Dechant verurteilt scharf, dass der „Nutzungsgedanke bis zur Ausbeutung ausgereizt wird“.

Genau so ist allerdings auch der „Großgrundbesitzer“ Kirche bislang mit seinen Wäldern umgegangen. Statt der fälligen Selbstkritik präsentieren ihre Mitarbeiter jedoch die großmäulige Aktion „1:0 für die Schöpfung“, die in peinlichem Mißverhältnis steht zu den lächerlichen 0,2 Hektar Versuchsfläche.

Der Dechant weist auf die päpstliche Enzyklika zum Umwelt- und Klimaschutz hin, geht aber leider nicht auf deren Inhalt ein: Eine radikale Abrechnung mit der neoliberalen Globalisierung und dem bei uns vorherrschenden obszönen Konsumismus. Franziskus sieht darin sowohl die Ursachen für Elend und Krieg als auch für den Klimawandel:

Die Anbetung des goldenen Kalbs hat eine neue und erbarmungslose Form gefunden im Fetischismus des Geldes und in der Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne ein wirklich menschliches Ziel… In diesem System, das dazu neigt, alles aufzusaugen, um den Nutzen zu steigern, ist alles Schwache wie die Umwelt wehrlos gegenüber den Interessen des vergötterten Markts.“

Die Mechanismen der augenblicklichen Wirtschaft fördern eine Anheizung des Konsums, aber es stellt sich heraus, dass der zügellose Konsumismus, gepaart mit sozialer Ungleichheit, das soziale Gefüge doppelt schädigt… Diese Wirtschaft tötet.“

Der Mensch an sich wird wie ein Konsumgut betrachtet, das man gebrauchen und dann wegwerfen kann. Wir haben die Wegwerfkultur eingeführt, die sogar gefördert wird…“ „Um einen Lebensstil vertreten zu können, der die andern ausschließt, oder um sich für dieses egoistische Ideal begeistern zu können, hat sich eine Globalisierung der Gleichgültigkeit entwickelt…

Solch unangenehme Wahrheiten überhören offenbar auch katholische Funktionäre lieber, selbst wenn sie vom Chef kommen: Dessen Rezept zur Verhinderung der Klimakatastrophe und das für eine humanere Welt ist dasselbe, nämlich eine Abkehr von der kapitalistischen Wachstumswirtschaft und eine global gerechte Verteilung nachhaltig erzeugter Güter. Für die meisten von uns bedeutet daher echter Klimaschutz auf jeden Fall erheblicher Konsumverzicht: Schluss mit Ferienflug, Kreuzfahrt, SUV, Shoppingtour usw. Wenn wir dazu nicht bereit sind, hat der Wald sowieso keine Zukunft und wir Menschen vielleicht auch nicht. Durch die kanadische Extremhitze oder die Regenfluten hier müsste es doch auch dem letzten Konsumidioten dämmern, dass es für diese radikale Umkehr allerhöchste Zeit ist.

Ein Rückblick anläßlich des Wiesenkonzerts in der „Thomas-Müntzer-Arena“

Scheinbar aus heiterem Himmel ist vor mehr als einem Jahr „Corona“ über uns gekommen und bestimmt nun diktatorisch unser Leben und das aller anderen Menschen auf der Welt. Wir haben uns an Einschränkungen und staatliche „Freiheitsberaubungen“ gewöhnen müssen, die zuvor keiner für möglich gehalten hätte. Die undemo-kratische kapitalistische „Grundordnung“ sorgt dafür, dass die enormen wirtschaftlichen, sozialen und seelischen Schäden vor allem die Armen, die Kinder und die Kultur treffen.

Eine Hofwiese, die wie eine Arena geformt ist, hat uns auf die Idee gebracht, dort eine Bühne einzurichten und der Corona-Depression mit Freiluft-Veranstaltungen entgegenzuwirken. Denn diese Pandemie oder andere „ Coronas“ werden Teil unseres Leben bleiben. Tatsächlich sind solche neuartigen Seuchenzüge nämlich keine Überraschung, denn sie werden seit Jahrzehnten von der Wissenschaft angekündigt, als eine der dramatischen Folgen der Klimaerwärmung.

Schon Ende der 70er und in den 80ern warnten Wissenschaftler vor der zunehmenden Umweltzerstörung und dem Menschen gemachten Klimawandel, der große Teile der Erde unbewohnbar machen könnte, Viele, meist junge Menschen machten sich auf und suchten nach alternativen Lebensstilen und nachhaltigen Wirtschaftsformen. Das Fanal der atomaren Katastrophe in Tschernobyl bestätigte die Notwendigkeit der radikalen Umkehr..

Auch dieser kleine Hof ist in dem damaligen Aufbruch und aus seinem Geist entstanden, ebenso wie die Kompostanlage in Eckenhagen. Meggie und ich haben den Hof aus einem desolaten Zustand wieder aufgebaut und unsere Produktionsweisen streng nach den Bedingungen des Klimaschutzes und einer möglichst positiven Energiebilanz ausgerichtet, die beim Ökolandbau leider nicht Pflicht ist. Als Beispiel soll hier nur das Brot dienen:

Über Jahrzehnte hat es als „ Meggie-Brot“ beinahe lokalen Kultstatus erlangt. Dabei ahnten viele Kunden vermut-lich nichts von dessen Bedeutung für den Klimaschutz:

Oben vom Berg aus hätte man sehen können, wo das Korn gewachsen ist, wo es gemahlen und handwerklich zu Teig verarbeitet und gebacken und wo es gegessen wurde: Ein geschlossener lokaler Kreislauf. Der Backes wurde Klimaneutral geheizt mit Restholz aus dem nachhaltig bewirtschafteten Wald am Dorfrand und zu den Kunden in der näheren Umgebung kam es durch Meggies „Brottour“ mit dem Kleinwagen mit geringst möglichem energe-tischen Aufwand.

Das „andere Leben“ ist also möglich. Der damit verbundene Verzicht und die Konsum-Einschränkungen sind nichts gegen das, was die nahende Klimakatastrophe uns an lock downs aufzwingen würde. Jetzt geht es nicht mehr wie damals darum, die Klimakrise zu verhindern, denn sie ist da und für alle sichtbar z.B. an den toten Fichten und dem sterbendem Wald. Alle bisherigen Fortschritte beim Klimaschutz wurden aufgefressen durch den Wachstumszwang dieser Wirtschaft, „die tötet“,und den ständig steigenden Konsum.

Zu meiner großen Freunde will meine Tochter Dorle den Hof weiterführen und kann ihre Erfahrung mit den Möglichkeiten der Regionalentwicklung einbringen. Sie wird aber auf die schon eingetretenen Veränderungen wie zunehmende Dürren, Starkregen, Stürme reagieren und die Wirtschaftsweise anpassen müssen.

Damit haben wir begonnen, die vielen neuen Obstbäume zeigen es. Und ein Teil davon ist auch die „ Thomas-Müntzer-Arena“, nur halb im Spaß benannt nach dem unbestechlichen Anführer im Bauernkrieg, der seinen Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit mit dem Leben bezahlt hat.