Erschienen in der Oberbergischen Volkszeitung/Oberbergischen Anzeiger vom 27.06.2026
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Der Untertitel erweckt den Anschein, ich hätte dem LVR meine Dokumente geschenkt. Das ist falsch, denn ich habe sie dem Verein „Psychiatrische Hilfsgemeinschaft Bonn e.V.“ geschenkt, der das Museum Verrückte Zeiten (kritisch gegenüber LVR) betreibt und dem meine Dokumente jetzt gehören. Vertrauen zum LVR habe ich nicht, sonst hätte ich meine Sammlung ja dem LVR Archiv in Brauweiler übergeben können, das schon viel Materiel zu SSK/ Gothe archiviert hat.

Die Betreiber des  Psychatriemuseums bedankten sich mit einem sehr herzlichen Schreiben bei mir.

Leserbrief zum Artikel „Neues Zertifkat besiegelt Partnerschaften“

Es tut gut, in diesen Zeiten von anwachsenden Klima- und Kriegsgefahren, kaputter Infrastruktur und kollabierendem Sozialstaat mal was Ermutigendes zu lesen: Dass es zum Beispiel in Oberberg drei Projekte gibt, die nachhaltigen und naturnahen Tourismus fördern und deshalb vom „Naturpark Bergisches Land“ als Partner zertifiziert worden sind. Eines ist die Gemeinde Reichshof mit ihrer „Kur- und Tourismusinfo“. Sicher bemühen sich auch die beiden Frauen der Anlaufstelle, bei Besuchern „die heimische Natur in den Blick zu rücken“ und zu zeigen, dass Oberberg – in den Worten des Landrats – „nicht nur Erholungsraum, sondern auch ein Lebensraum ist, den es zu bewahren gilt“.

Wenn aber der Bürgermeister des „Ferienlandes Reichshof“,dem angeblich „das bergische Grün ein Gefühl von zu Hause gibt“ ,die Urkunde strahlend vor die Kamera hält, dann ist das angesichts der Realität der blanke Zynismus: Denn vor kurzem erst hat die Gemeinde beschlossen, mindestens 8 ha alten Laubmischwald für eine sog. „Sommerrodelbahn“ zu opfern. Da wird jedoch keiner „rodeln“ , sondern wie in einer Kirmesachterbahn in Serpentinen den Waldhang hinabrasen. Bei einem „Kletterturm“ wird Fast-food-Gastronomie angeboten. Für das Millionengeschäft mit dem Rummelplatz im sterbendn WAld wird großflächig Boden verdichtet und ein Parkplatz für 400 PKW plus Busse in Wald und Wiese gebaggert. Klima- und Naturschutz kommen also bei diesem „Naturparkpartner“ in einem unglaublich rücksichtslosen, rechtswidrigen Ausmaß unter die Räder

Direkt gegenüber befindet sich das Gelände des Vereins „Fliegende Bauten“, ein außerschulischer Lernort für Kinder von der Gesamt- und der Antoniusschule.Durch den Umgang mit Tieren und den Anbau von Gemüse wird ihnen Achtung vor den natürlichen Lebensgrundlagen vermittelt. Weil allein schon der Lärm des Ballermannprojekts diese Arbeit erheblich stören würde, hat der Verein gegen den Bebauungsplan geklagt und schon nach der ersten Reaktion des OVG war klar, dass dieser Plan im Landschaftsschutzgebiet keine Chance hat. Doch dann der Schock: Der Vereins-vorstand zog plötzlich die aussichtsreiche Klage zurück, kommentarlos !

Fest steht jedenfalls, dass der Verein abhängig von der Gemeinde ist: Die beteiligten Lehrer sind ihre Angestellten und sie ist Verpächterin des Geländes. Allein schon bei dem Gedanken, dass sie damit Druck auf den Verein ausgeübt haben könnte, wird mir richtig schlecht: Wären wir doch dann auf dem Weg ins Trumpsche Amerika, in dem es normal geworden ist, mit Druck und Erpressung den Rechtsstaat auszuhebeln. Falls beim Bürgermeister noch Reste von Scham vorhanden sind, sollte er besser darauf verzichten, die Plakette des Naturparks am Rathaus anzubringen.,

Leserbrief zum Artikel“Waldbesitzer suchen neue Geschäftsmodelle“

 

Vor mehr als 30 Jahren habe ich aus Liebe zum Wald ein paar Hektar gekauft. Weil er durch Luftverschmutzung, Monokulturen und Klimawandelfolgen bedroht war, habe ich Anschluss an andere Waldfreunde gesucht und bin in die Forstbetriebsgemeinschaft Othetal eingetreten.Die große Mehrheit dort, vor allem der Vorstand und der zuständige Förster, hatten aber leider mit Wald wenig bis nichts am Hut, ihnen ging es nicht um das wunderbare komplexe Ökosystem Wald mit seinenen vielfältigen Funktionen für das Leben auf unserem Planeten, schon gar nicht um seine Spiritualität, sondern um ein knallhartes „Geschäftsmodell“: den Forst in Form der Fichtenplantagen. Die brachten halt das meiste Geld und da waren ihnen die massiven Schäden durch die Monokulturen egal, die schon seit hundert Jahren angeprangert werden: „Willst du den Wald vernichten, pflanze Fichten, Fichten Fichten!“.

Ich galt bald als der langhaarige Ökospinner, zu blöd zu begreifen, dass die Fichte der „Brotbaum“ ist . Gemeint ist natürlich “ Geldbaum“. Das Wort „Brot“, seit jeher Inbegriff für Leben ( so z.B. im Gebet der Gebete), wird hier also zur Tarnung von zerstörerischer Profitgier missbraucht. Dieses „Geschäftsmodell“ ist mittlerweile katastrophal in der „Borkenkäferkalamität“gescheitert, Das „böse“Tierchen befällt aber nur kranke Bäume; dass alle krank waren, ist nicht sein, sondern das Werk der Förster und Forstfans. Die müssten sich angesichts des Desasters vor Scham verkriechen, zumindest aber ihr Versagen eingestehen und Abbitte leisten.

Stattdessen treten sie rotzfrech wieder vor die Öffentlichkeit und bieten sich nun als Retter an. Ein neues “ Geschäftsmodell“ suchen sie zwar noch, klempnern aber schon mal mit exotischen Baumarten rum. Und verlangen von der Allgemeinheit eine Entschädigung für die vielfältigen lebenswichtigen Funktionen des Waldes, die sie selbst doch so schwer beschädigt haben!

Beim Abräumen der Totholzmassen hatten sie bereits gezeigt, dass sie nichts gelernt haben: Der Einsatz von mehr als 20 t schweren Vollerntern war zwar wieder kostengünstig, hat aber alle 20 Meter in den Rückegassen den Boden dauerhaft abgetötet und verdichtet. Die zukünftigen Starkregen werden darauf zu Tal rauschen und Fluten erzeugen, statt ins Grundwasser zu versickern. Die Ahr lässt grüßen.

Das „Geschäftsmodell “ des fossilen Wachstums-Kapitalismus der Wohlhabenden und Mächtigen wird gerade auf die Spitze getrieben und unsere Lebensgrundlagen durch eine globale Klimakatastrophe weitgehend vernichten. Dem gegenüber ist der kaputte deutsche Wald natürlich nur eine Petitesse. Wozu also aufregen ? Scheißegal. Weiter so!

Im Gespräch

Ab Freitag, 23.1.2026, sendet der Psychiatrie-Podcast  „Vom Wachsaal in die Gemeinde – 50 Jahre deutsche Psychiatrie – na und?“  den ersten Teil eines Gesprächs, welches der Podcaster Klaus Jansen-Kayser  mit dem Psychiatriereformer und langjährigen Gesundheitsdezernenten des LVR, Rainer Kukla und mir geführt hat. Es geht um die harten Auseinandersetzungen zwischen LVR und SSK und welche Rolle diese bei der Psychiatriereform gespielt haben.

 

Leserbrief zum Artikel „Bergneustadts letztes Wohngebiet startklar“

Das Bundesbaugesetz verpflichtet die Kommunen, bei der Bauleitplanung eine gerechte Abwägung zwischen den öffentlichen und privaten Belangen und untereinander vorzunehmen. Vereinfacht ausgedrückt: Überwiegen deutlich die negativen Folgen, ist der Plan rechtswidrig. Wie sieht nun diese Abwägung beim „letzten Wohngebiet“ Bergneustadts aus:

Geplant ist eine typische Einfamilienhaussiedlung in Randlage im Stil der 70er Jahre, voll aufs Auto zugeschnitten: Wegen des enormen Flächenverbrauchs, der übermäßigen Bodenversiegelung und der Zunahme des Individualverkehrs ist diese Klima killende Siedlungsform bei der wissenschaftlichen Städteplanung längst geächtet und wird nur noch von wenigen rückständigen Kommunen realisiert.

Damit die Waage sich zugunsten eines solchen Projekts neigt, müßte dem zumindest eine krasse Wohnungsnot wie etwa die nach dem Krieg gegenüberstehen. Davon kann in Berneustadt aber keine Rede sein, im Gegenteil: Nach der Prognose sinkt die Einwohnerzahl bis 2040 um 10% und infolgedessen kommt sogar ein anwachsendes Leerstandsproblem auf die Stadt zu. Angesichts dessen fragt sich vermutlich der „einfache“ Bürger, ob die im Rat, um den Kanzler zu zitieren, noch alle Tassen im Schrank haben.

Verständlich wird deren Vorgehen allerdings, wenn man den Blick hinter die städtebauliche Kulisse auf das kaum verborgene wahre Ziel des Plans richtet: Die extrem verschuldete Kommune hofft, mit diesem Angriff auf die Lebensgrundlagen der Enkel die Steuereinnahmen zu erhöhen, indem konsumstarke Besserverdienende angelockt werden, die einen guten Job in Köln oder dem Ruhrgebiet haben. Dass die sich ausgerechnet in Wiedenest niederlassen, ist angesichts der maroden Autobahnbrücken wohl eher ein verzweifelter Fiebertraum in der Angst vor der Insolvenz. Da auch Reiche, soweit ich weiß, immer noch sterben müssen, stehen ohnehin zukünftig auch ausreichend Edelimmobilien zum Verkauf. Die Unterfinanzierung der Kommunen ist zudem kein städtebauliches, sondern ein Problem, was politisch gelöst werden muss.

Als andere große Herausforderung gilt die zunehmende „Überalterung“. Dafür braucht es Barrierefreie Wohnungen im Zentrum, wo auch mit Rollator fußläufig Geschäfte, Ärzte Apotheken, Cafes etc, erreicht werden können, die geplanten Häuser auf der abgelegenen Hangwiese sind dafür völlig ungeeignet. Diese Wiese ist zudem artenreich und schutzwürdig. Im ca. 50seitigen Kauderwelsch des sog. Umweltgutachtens wurde sie jedoch als ökologisch minderwertig eingestuft und somit die Abwägung verfälscht. Sie musste deutlich hochgestuft werden, nachdem zwei Anwohnerinnen mit Handy und Pflanzenbestimmungs-App ca 70 Pflanzen fanden, darunter eine Reihe seltener, die der Gutachter übersehen hatte! Hätte diese unsägliche Peinlichkeit nicht wenigstens dem einen oder anderen Ratsmitglied auch auffallen müssen ?

Artensterben und Klimaerhitzung werden in Entscheidungen des Verfassungsgerichts und des EUGH längst als Bedrohung der menschlichen Existenz sehr hoch gehängt. Dabei stehen vor allem der Verkehrs- und der Gebäudesektor im Visier, in welchen die verbindlichen Klimaziele nach wie vor gerissen werden. Der BP 66 hätte daher vor Gericht wohl keine Chance und es wäre eine Klatsche zu befürchten wie die beim ähnlich gelagerten BP in Belmicke vor ein paar Jahren.

Wenn ich mal das „startklar“ aufgreifen darf und das Planverfahren auf ein Autorennen beziehe, dann handelt es sich in Bergneustadt um eine Oldtimerralley, bei der die Fahrer rückwärts starten und mit verklärtem Blick auf die goldenen Wirtschaftswunderjahre wie motorisierte Lemminge einer nach dem anderen in die Abgründe stürzen, welche die verdrängte Klimakatastrophe immer weiter aufreißt. Glück auf!

Leserbrief zum Artikel „GroKo findet gemeinsamen Weg für Kreishaus II“

Haben wir alle nicht staunend erleben dürfen, wie beherzt die GroKo in Berlin bei „zahlreichen Schnittmengen“ in sehr „harmonischen Gesprächen“ die großen Zukunftsprobleme angepackt hat und in einem „Herbst der Reformen“ zu nachhaltigen Lösungen gekommen ist.? Da liegt es doch nahe, dass in Oberberg CDU und SPD ebenfalls diesen erfolgreichen Weg beschreiten. Dazu haben sie zehn Punkte auf geduldiges Papier geschrieben mit „Plänen“ für die „Daseinsvorsorge“ und „Statements“ zu Wirtschaft, Mobilität, Wohnraumförderung und Digitalisierung, wobei vor allem „Statements“ ein großes Veränderungspotential innewohnt. Konkret sieht das dann so aus:
Weil gespart werden muss, wird die Kreisumlage „maßvoll gestaltet“, zum Kreishaushalt erfolgt „ein intensiver Austausch mit den Kommunen“, eigene Projekte werden „auf den Prüfstand gestellt“, das unsinnige Kreishaus II wird zwar gebaut, aber Architekten werden beauftragt, „Einsparmöglichkeiten zu finden“ und ein „Kostendeckel von 90 Millionen“ wird „eingezogen“ (an den sich ja erfahrungsgemäß alle halten), „finden“ will man auch eine „Nachnutzungsperspektive“ für das Hallenbad. Alles klar? Könnte bitte jemand versuchen, diesen Pudding an die Wand zu nageln, ich schaffe es nicht!

Mit solch inhaltsleerer Bürokratenlyrik will jedenfalls die Kreis-GroKo den ungeheuer bedrohlichen Gefahren begegnen, denen wir ausgesetzt sind. Oder ist etwa die Klimaerhitzung gestoppt, welche die Existenz (auch der oberbergischen) Menschheit gefährdet, nur weil die Regierung nicht mehr darüber redet, sondern gerade Klimaschutz abschafft zugunsten einer letzten Runde „Wohlstand“ der gut Betuchten im „NachunsdieSindflut-Rausch“? Treffen die gigantischen Schulden für Aufrüstung und die Kriegsfolgen nicht auch hier durch Sozialkürzungen (plus Zusammenbruch von Pflege etc.) vor allem die Armen, während die Rheinmetallaktien auch der hiesigen Reichen durch die Decke gehen? Und die anwachsende Ungleichheit immer härter ausgetragene gesellschaftliche Konflikte provoziert, die erneut im Faschismus zu enden drohen?

Armes Deutschland, armseliges Oberberg !

Leserbrief zum Artikel „ Zwischen Sirenen und Hoffungszeiten“

Seit mir in den 6oern das ungeheuerliche Ausmaß des später als Holocaust bezeichneten Menschheitsverbrechens an den Juden nach und nach klar wurde, habe ich gegen Rassismus und den Antisemitismus angekämpft, auch den in der eigenen Familie. Umso größer war mein Schock über das Massaker an israelischen Zivilisten durch die Hamaskämpfer. Deren ideologische Verblendung zeigte sich in meinen Augen auch darin, dass sie besonders brutal in einem Kibbuz wüteten, einer ursprünglich sozialistischen Gemeinschaft, deren Mitglieder zumeist doch für die Rechte der Palästinenser eintreten.

In Ihrem Bericht über den Besuch einer israelischen Familie aus Mateh Jehuda in der Partner-gemeinde Nümbrecht wird die seitdem herrschende Anspannung und die Angst vor dem anhalten-den Raketenbeschuss eindringlich geschildert.

Dass aber weder die Israelis, noch die deutschen Freunde, noch der Journalist auch nur ein einziges Wort des Mitgefühls mit den geschundenen Menschen in der Trümmerwüste von Gaza finden, macht mich sprachlos.

Als Nachfahre der Täter-Generation habe ich mir die Devise zu eigen gemacht: Im Zweifel für Israel. Doch hier gibt es keine Zweifel mehr: Die israelische Armee, in der der Familienvater als Reservist dient, begeht andauernd ungeheuerliche Kriegsverbrechen an der palästinensischen Zivilbevölkerung. Die Regierung tritt das Völkerrecht mit Füßen und setzt offensichtlich Hunger zur „ethnischen Säuberung“ ein. Für ihre rassistischen und faschistischen Minister sind die Palästinenser „ Tiere“ und allesamt schuldig, vom Baby bis zum Greis: Brüder im Geiste mit den schlimmsten Fanatikern der Hamas.

Weil diese andere Seite des mörderischen Konflikts völlig verschwiegen wird, wirkt der Bericht wie ein Produkt aus der Propagandaabteilung der israelischen Regierung. Was die Verschweiger nicht bedenken: Solch eiskalte Einseitigkeit wirkt als „Kraftfutter“ für den Hass auf Israel und den internationalen Antisemitismus.

Leserbrief zum Artikel „Was erwarten wir vom neuen Papst?“

Aufgewachsen als frommer Meßdiener im damals stockkatholischen Belmicke bin ich später aus der Kirche ausgetreten, wegen ihrer jahrhundertelangen Beteiligung an weltweiten Menschen-rechts-Verbrechen und weil die hiesige satte Christenheit die Lehre vom Teilen des revolutionären Wanderpredigers aus Nazareth in den Wind schlug.

Umso mehr verblüffte mich 2012 das provokativ bescheidene Auftreten des neuen Papstes, die Lektüre seiner Schrift „Evangelii Gaudium“ aber erschütterte mich: Eine so gnadenlos radikale und wortgewaltige Abrechnung mit dem neoliberalen Konsumkapitalismus war mir auch bei der politischen Linken nicht begegnet. Einige waren irritiert, als ich beim Gummersbacher Ostermarsch 2014 eine Rede gehalten habe, die hauptsächlich aus Zitaten einer päpstlichen Enzyklika bestand. Hier nur sehr verkürzt:

„ … müssen wir heute ein Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen sagen. Diese Wirtschaft tötet.“ „ … der Mensch an sich wird wie ein Konsumgut betrachtet, das man gebrauchen und dann wegwerfen kann … die Ausgeschlossenen sind nicht Ausgebeutete, sondern Müll, Abfall …. die Gier nach Macht und Geld kennt keine Grenzen … die Anbetung des goldenen Kalbes hat eine neue und erbarmungslose Form gefunden im Fetischismus des Geldes und in der Diktatur einer Wirtschaft ohne ein wirklich menschliches Ziel … in diesem System ist alles Schwache wie die Umwelt wehrlos gegenüber den Interessen des vergötterten Markts“

Solches will aber hierzulande keiner hören,denn die Wohlhabenden unter uns müssten ja ihren „Lebensstil, der die anderen ausschließt“ radikal verändern. Dagegen hat sich eine „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ entwickelt.

„ Es stellt sich heraus, dass der zügellose Konsumismus, gepaart mit sozialer „Ungleichheit ,das soziale Gefüge doppelt schädigt… ohne Chancengleichheit finden die verschiedenen Formen von Aggression und Krieg einen fruchtbaren Boden, der früher oder später die Explosion verursacht..“
Prophetische Worte, erleben wir doch gerade das schockierende Drama, dass der Klimaschutz in Wahrheit aufgegeben wird und stattdessen der Wohlstand der Wenigen mit immer mehr brutaler Gewalt und Krieg um die schwindenden Ressourcen aufrechterhalten werden muss.

Es empört mich, dass Franziskus teils hasserfüllte Gegner inner- und außerhalb der Kirche jetzt Betroffenheit heucheln und ihm – kaum dass er tot ist – die „politischen Zähne“ ziehen wollen, indem sie ihn zu einer Art männlichen Mutter Theresa machen. Das betrifft auch Dechant Bersch, der mich nach einem Disput zwar zum oberbergischen „Katholikentag“ eingeladen hatte, aber nicht zuließ, dass ich dort aus „Evangelii gaudium“ zitiere.

Ich erwarte das Wunder, dass der neue Papst ein ebenso urchristlicher Kommunist aus den armen Ländern ist und die begonnene Umkehr von Kirche und Menschheit fortsetzt, um die „Schöpfung“ als menschlichen Lebensraum vor der ultimativen Zerstörung doch noch zu retten.

Meine Ehrerbietung für Franziskus bringe ich dadurch zum Ausdruck, dass ich meine damalige Ostermarschrede als meinen persönlichen Nachruf auf die Homepage stelle.

Zum Tod von Papst Franziskus

2014 habe ich eine Rede beim Gummersbacher Ostermarsch gehalten, die großenteils aus Zitaten von Franziskus Schrift „Evangelii Gaudium“ bestand, was manche Linke irritiert hat. Ich möchte sie auf diesem Weg noch einmal als meinen ehrerbietigen Nachruf für diesen wahrhaften Nachfolger Jesus, des in Armut lebenden, revolutionären jüdischen Wanderpredigers gegen die Reichen, veröffentlichen:

OSTERMARSCH 2014 – FRANZISKUS

Heute will ich versuchen, die Gründe für Krieg und Terror aus einem Blickwinkel zu betrachten,

der für einen Ostermarsch ziemlich ungewöhnlich ist, nämlich dem von Papst Franziskus I.

Ungewöhnlich auch für mich, denn ich bin vor langen Jahren vom katholischen Glauben abgefallen und aus der Kirche ausgetreten. Ein Hauptgrund dafür war ihre jahrhundertelange Beteiligung an Kriegen, Völkermorden, und Menschenrechtsverletzungen fast überall auf der Welt.

Nun findet aber ausgerechnet der neue Chef dieser historisch schwer belasteten Institution die klarsten Worte und Bilder für die heutigen Ursachen von Terror und Krieg. Das ist umso verblüffender, als in krassem Gegensatz dazu Regierung und Präsident der Waffenschmiede Bundesrepublik immer deutlicher als Kriegsbefürworter und Kriegsbeschöniger auftreten. Es klingt zwar recht harmlos, wenn sie von „Verantwortung wahrnehmen“ reden und mehr deutsches „Engagement“ in der Welt fordern, aber sie meinen damit offensichtlich ein verstärktes militärisches Durchsetzen der westlichen Wirtschaftsinteressen. Das stimmt überein mit der nach dem Kosovokrieg erneuerten NATO-Doktrin: Deren Armeen sollen nicht mehr nur die Territorien gegen Angriffe verteidigen, sondern deren Interessen, auch „out of area“: Sie schützen also letztlich den konsumistischen Lebensstil der westlichen Länder und setzen gewaltsam deren „Vorrecht“ durch, sich überall auf der Welt Ressourcen anzueignen und Arbeitskräfte auszubeuten..

Dazu findet Franziskus in der Schrift „evangelii gaudium“ folgende Worte:

Die große Gefahr der Welt von heute mit ihrem vielfältigen und erdrückenden Konsumangebot ist eine individualistische Traurigkeit, die aus einem bequemen, begehrlichen Herzen hervorgeht, aus der krankhaften Suche nach oberflächlichen Vergnügungen, aus einer abgeschotteten Geisteshaltung…..

Ebenso wie das Gebot „du sollst nicht töten“ eine deutliche Grenze setzt, um den Wert des menschlichen Lebens zu sichern, müssen wir heute ein „Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen“ sagen. Diese Wirtschaft tötet.

Es ist unglaublich, daß es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlagzeilen macht. Das ist Ausschließung……..

Heute spielt sich alles nach den Kriterien der Konkurrenzfähigkeit und nach dem Gesetz des Stärkeren ab, wo der Mächtigere den Schwächeren zunichte macht.…

Der Mensch an sich wird wie ein Konsumgut betrachtet, das man gebrauchen und dann wegwerfen kann. Wir haben die „Wegwerfkultur“ eingeführt, die sogar gefördert wird. Es geht nicht mehr einfach um das Phänomen der Ausbeutung und der Unterdrückung, sondern um etwas Neues: Mit der Ausschließung ist die Zugehörigkeit zu der Gesellschaft, in der man lebt, an ihrer Wurzel getroffen, denn durch sie befindet man sich nicht in der Unterschicht, am Rande oder gehört zu den Machtlosen, sondern man steht draußen. Die Ausgeschlossenen sind nicht „Ausgebeutete“, sondern Müll, „Abfall“…..

Solange die Ausschließung und die soziale Ungleichheit in der Gesellschaft und unter den verschiedenen Völkern nicht beseitigt werden, wird es unmöglich sein, die Gewalt auszumerzen. Die Armen und die armen Bevölkerungen werden der Gewalt beschuldigt, aber ohne Chancen-gleichheit finden die verschiedenen Formen von Aggression und Krieg einen fruchtbaren Boden, der früher oder später die Explosion verursacht.

Wenn die lokale, nationale oder weltweite Gesellschaft einen Teil ihrer selbst in den Randgebieten seinem Schicksal überläßt, wird es keine politischen Programme, noch Ordnungskräfte oder „Intelligence“ geben, die unbeschränkt die Ruhe gewährleisten können. Das geschieht nicht nur, weil die soziale Ungleichheit gewaltsame Reaktionen derer provoziert, die vom System ausgeschlossen sind, sondern weil das gesellschaftliche und wirtschaftliche System an der Wurzel ungerecht ist…Die Mechanismen der augenblicklichen Wirtschaft fördern eine Anheizung des Konsums, aber es stellt sich heraus, daß der zügellose Konsumismus, gepaart mit sozialer Ungleichkeit das soziale Gefüge doppelt schädigt. Auf diese Weise erzeugt die soziale Ungleichheit früher oder später eine Gewalt, die der Rüstungswettlauf nicht löst, noch jemals lösen wird. Er dient nur dem Versuch, diejenigen zu täuschen, die größere Sicherheit fordern, als wüßten wir nicht , daß Waffen und gewaltsame Unterdrückung, anstatt Lösungen herbeizuführen, neue und schlimmere Konflikte schaffen.

Unsere westliche sogenannte „Wertegemeinschaft“ hält sich ja für berechtigt, rund um den Globus mit Hilfe von Krieg, Drohnenmord und Folterknästen ihre sogenannten Werte gewaltsam zu verbreiten. Doch diese Werte herrschen nach Franziskus bei uns in Wahrheit gar nicht, vielmehr kennt hier die Gier nach Macht und Besitz keine Grenzen“. Folglich schießen und bomben die Nato Armeen weltweit auch nicht für ethische Werte. Es sind nicht Freiheit und Demokratie, die gewaltsam in Afghanistan,im Irak, in Somalia, Libyen, Mali usw durchgesetzt werden sollen.

Franziskus stellt fest, daß „die Anbetung des goldenen Kalbes eine neue und erbarmungslose Form gefunden hat im Fetischismus des Geldes und in der Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne ein wirklich menschliches Ziel. Die Ursache der Ungleichheit sieht er in der Herrschaft von Ideologien, „ die die absolute Autonomie der Märkte und die Finanzspekulation verteidigen und das Kontrollrecht der Staaten bestreiten. Es entsteht eine neue, unsichtbare, manchmal virtuelle Tyrranei, die einseitig und unerbittlich ihre Gesetze und Regeln aufzwingt….In diesem System, das dazu neigt, alles aufzusaugen, um den Nutzen zu steigern, ist alles Schwache wie die Umwelt wehrlos gegenüber den Interessen des vergötterten Marktes.

Welch eine gnadenlose Abrechnung mit dem neoliberalen Kapitalismus und seinen weltweiten Kriegen: Vergötterung des Geldes, Diktatur einer menschenverachteten Wirtschaft, eine neue Tyrannei, die Menschen zu Müll und Abfall macht, eine Wirtschaft die tötet:

Hat es denn jemals eine stärkere Begründung für einen Volksaufstand gegen die Herrschaft gegeben? Müßten nicht jetzt wir alle, alle ehrlichen Demokraten, Sozialisten, Christen, Humanisten gegen diese Diktatur und diese Tyrranei auf die Barrikaden gehen, die Katholiken vorneweg ?

Aber es herrscht trotz alledem diese elende, bleierne Ruhe im Land.

Auch zu diesem beschämenden Zustand findet Franziskus erklärende Worte, die jeden einzelnen von uns wie Ohrfeigen treffen müssen:

Um einen Lebensstil vertreten zu können, der die anderen ausschließt, oder um sich für dieses egoistische Ideal begeistern zu können, hat sich eine Globalisierung der Gleichgültigkeit entwickelt.

Fast ohne es zu merken, werden wir unfähig, Mitleid zu empfinden gegenüber dem schmerzvollen Aufschrei der anderen, wir weinen nicht mehr angesichts des Dramas der anderen, noch sind wir interessiert, uns um sie zu kümmern, als sei das alles eine uns fern liegende Verantwortung, die uns nichts angeht. Die Kultur des Wohlstands betäubt uns….

Wenn wir schon nicht bereit sind zu einem politischen Kampf für die Menschenrechte unserer Wohlstandsopfer, sollten wir dann nicht wenigstens an unserem Lebensstil etwas ändern, die Wohlhabenden mehr, die Ärmeren weniger?

Eine gerechtere und friedlichere Welt verlangt ein anderes Wirtschaftssystem und eine gerechtere Verteilung der Güter. Für unsereins heißt das aber Einschränkung und Konsumverzicht. Eben das ist auch die unbedingte Voraussetzung – die „ conditio sine qua non“ – für die Abwendung der globalen Klimakatastrophe, die ja weiteres Elend, weiteren Hunger über die Menschen in den armen Ländern bringen wird und weitere Flüchtlinge, weiteren Hass, neuen Terrorismus, neue Kriege für uns.

Ob der Papst neben seiner persönlichen Bescheidenheit auch bereit und in der Lage ist, gegen die politischen und wirtschaftlichen Ausbeuterstrukturen im schwerreichen Vatikan und seiner kriminellen Bank vorzugehen, ist offen. Bei Obama haben wir ja leider erleben müssen, dass sogar sogar ein Friedensnobelpreisträger zu einem Drohnenmörder und Kriegsverbrecher werden kann.

 

 

Leserbrief zur Wahlberichterstattung 2025

Oberberg sticht also auch bei diesen Wahlen erneut als Hochburg der AfD hervor. In Waldbröl hat sogar die rechtslastige bis rechtsradikale Partei die CDU auf Platz zwei verdrängt. Deren Schock ist groß, es herrsche „Resignation, Frust und Ohnmacht“, heißt es, und man sucht verzweifelt nach den Gründen.

Mein Mitleid mit der CDU hält sich aber sehr in Grenzen, denn sie ist Opfer ihrer politischen Versäumnisse und der bis heute anhaltenden Unehrlichkeit bei Aufarbeitung des NS in ihren eigenen Reihen geworden.

Diese ethisch verwerfliche Schuldverdrängung rächt sich jetzt: An den heutigen AfD Erfolgen und ihrer unübersehbaren Übereinstimmung mit denen der NSDAP in den 1930er Jahren zeigt sich nämlich eine erschreckende Kontinuität.

Auch an einem seit Jahren strittigen Beispiel wird dies mehr als deutlich: Es könnten sich durchaus in der Waldbröler Dr. Goldenbogenstraße CDU und AfD treffen, um gemeinsam den Namensgeber und früheren CDU-Big Boss, Friedrich-Wilhelm Goldenbogen zu ehren. Dabei gäben sich quasi das „Immer noch“ und das „Jetzt wieder“ die Hand. Vor 1945 war der Geehrte ja SA-Kamerad und Mitglied im rassistischen NS–Rechtswahrerbund, Anzeichen für Einsicht oder gar Reue sind nicht bekannt.

Dass dessen bis heute hartnäckig verteidigte öffentliche Ehrung permanent die Botschaft aussendet, dass die Nazis so schlimm ja nicht gewesen sein können, kümmert offenbar weder die einen noch die anderen. Dann aber, liebe CDU, kann es auch nicht so schlimm sein, wenn halt so viele Waldbröler die AfD wählen, oder?