Noch ein Projekt, noch ein Lob, noch ein Leserbrief

Leserbrief zum Artikel „Von Zeitzeugen zu Zweitzeugen“

Wieder wird über ein lobenswertes Projekt einer Waldbröler Schule berichtet, welches sich mit der Verfolgung und Vernichtung der Juden befasst und damit dem heutigen Antisemitismus und Rassismus entgegen wirken will. Diesmal sind es Schüler der Realschule, denen Mitglieder des Vereins „Zweitzeugen“ insbesondere vor Augen führten, wie das Leben jüdischer Kinder ab 1933 durch zahlreiche gesetzliche Verbote immer weiter eingeschränkt wurde.

All diese entwürdigenden Einzelmaßnahmen waren Folge der Rassegesetze der Nazis, die das gleiche Recht für alle abgeschafft und durch das Vorrecht der „Herrenmenschen“ , das mindere Recht der „Untermenschen“ und die Rechtlosigkeit der „Lebensunwerten“ ersetzt hatten.

Die Nazijuristen waren organisiert im Nationalsozialistischen Rechtswahrerbund.

Einer von diesen war Dr. Friedrich Wilhelm Goldenbogen, der zudem Mitglied in der NSDAP, der SA und einer NS -Hochschulvereinigung war. Noch immer ist in Waldbröl eine Straße nach dem belasteten Altnazi benannt, obwohl er zeitlebens nicht die geringste Spur von Einsicht oder gar Reue gezeigt hat.

Hätten die Schüler ebenso wie die des preisgekrönten Projekts der Gesamtschule nicht darüber informiert werden müssen, damit sie erkennen, wie wenig aufgearbeitet die furchtbare Zeit in ihrer Heimatstadt noch immer ist?

Eigentlich ein lobenswertes Schülerprojekt. Aber.

Leserbrief zum Artikel „Von Margot Friedländer persönlich geehrt“

Dass die Waldbröler Schülerinnen mit dem „Margot -Friedländer- Preis“ geehrt wurden für ihr Projekt „Von Mäusen und Katzen – Antisemitismus in und um Waldbröl“, darauf können sie zu Recht stolz sein, zumal die Holocaust-Überlebende ihn persönlich überreicht hat.

Nicht stolz sein können allerdings die Bürgermeisterin und die Waldbröler Politik. Was hätte denn wohl Frau Friedländer gedacht, wenn sie erfahren hätte, dass in der früheren Nazihochburg immer noch zwei Straßen einem schwer belasteten Altnazi gewidmet sind: Dr. Friedrich-Wilhelm Golgenbogen.

Dieser hat von 1946 bis 79 Oberberg als Oberkreisdirektor autokratisch regiert und die Hand über zahlreiche Nazis in Kreistag und Verwaltung gehalten. An seiner Person ist eine Aufarbeitung der NS -Nachkriegskontinuität durch den Kreishistoriker Pomykaj vor einigen Jahren kläglich gescheitert: Goldenbogen sei als NSDAP-Mitglied nur ein harmloser Mitläufer gewesen. Nicht herausgefunden hatte er dessen Mitgliedschaften in der SA und im Nationalsozialistischen Rechtswahrerbund, obwohl sich die Belege dafür problemlos in der öffentlich zugänglichen Personalakte des „Mannes der ersten Stunde“ im Bundesarchiv finden lassen. Die NS- Juristen hatten die auf den Menschenrechten beruhende Rechtsordnung abgeschafft und durch die Rassengesetze ersetzt, und damit die Verfolgung und Ermordung von angeblich rassisch minderwertigen „Untermenschen“ wie Frau Friedländer „legitimiert“.

Goldenbogen hat Anfang der 50er den Blut-und-Boden-Maler und Leiter der „Hermann Göring Meisterschule“ Werner Peiner über die Maßen mit Wohnraum und Geld gesponsert, dabei störte es ihn nicht, dass der Edelnazi Peiner weiterhin offen als radikaler Antisemit auftrat. Welche Ängste mag vor diesem Hintergrund wohl eine „Dr. Goldenbogenstraße“ bei Holocaustopfern wie Frau Friedländer auslösen?

Vor Jahresfrist hat der Reichshofer Jochen Gölitz bei Waldbröls Bürgermeisterin die Umbenennung der Straße verlangt und dabei auf den Gründer des Nazijuristenbundes hingewiesen, den in Nürnberg gehenkten Hauptkriegsverbrecher Hans Frank, den „ Schlächter von Polen“. Frau Weber sagte zu, die politischen Gremien damit zu befassen, bis heute ist aber keinerlei Reaktion bekannt.

Stattdessen konnte in Waldbröl ein rechtsradikaler Putin/Trump -Verehrer sogenannte „Spaziergänger“-Demos mit 150 Teilnehmern anführen, wobei viele sicher nicht wußten, wem sie da hinterher laufen. Meinen Hinweis auf rechte Drahtzieher dieser Demos beantwortete er mit einem unsäglichen Hetzvideo, welches mich im „Stürmer“-Stil bedrohte und darin gipfelte, dass für Merkel, Lauterbach und Spahn ein „Baum mit schönen Ästen“ gesucht werde. Das Amtsgericht Waldbröl konnte darin keine Volksverhetzung erkennen und ließ ihn mit einem sehr milden Strafbefehl davon kommen. Für die Löschung des Hassvideos musste ich mit einer Zivilklage selber sorgen. Das alles spricht nicht gerade für gelungene Aufarbeitung.

Die Schülerinnen hatten offenbar nur eingeschränkten Zugang zu Informationen und sind insofern dazu missbraucht worden, in Berlin eine blank polierte demokratische Waldbröl- Fassade vorzuführen, hinter der sich aber leider nach wie vor jede Menge brauner Unrat verbirgt.


Dieser Leserbrief hätte eigentlich im Stadtanzeiger veröffentlicht werden sollen, wenn auch nur „entschärft“:

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Betreff:     AW: Leserbrief
Datum:     Mon, 16 Jan 2023 09:20:17 +0000
Von:     RRG.Redaktion.Oberberg
An:     Lothar Gothe
Kopie (CC):     Thielen, Linda, Höhner, Jens

Guten Tag Herr Gothe

Die Lokalredaktion Oberberg wird ihren Leserbrief veröffentlichen unter der Voraussetzung, dass die Redaktion dass die ein oder andere Stelle „entschärfen“ wird.

Signalisieren sie uns bitte hierfür ihr Einverständnis. Wir warten auf ihre Rückinfo.

Freundliche Grüße aus dem Redaktionssekretariat der RRG-Lokalredaktion Oberberg

Ute Klein

*Erreichbar ist das Redaktionssekretariat MO-FR von 9:30 – 17:00 unter 0 22 61 / 92 89 – 0 **● **redaktion.oberberg@ksta-kr.de <mailto:redaktion.oberberg@ksta-kr.de> **●**Kaiserstraße 1, 51643 Gummersbach*


Und irgendwann dann irgendwie doch nicht:

——– Weitergeleitete Nachricht ——–
Betreff:     Leserbrief
Datum:     Mon, 23 Jan 2023 15:39:47 +0100
Von:     Lothar Gothe
An:     Höhner, Jens

Hallo Herr Höhner,

ich höre gerade im Radio. dass Frau Margot Friedländer das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen wurde. Das erinnert mich an den „entschärften“ Leserbrief zum Waldbröler Schülerprojekt zum Antisemitismus und dem immer noch geehrten Antisemiten Goldenbogen. Haben Sie den Brief vergessen?

(Falls es Bedenken wegen der Faktenlage hinsichtlich seiner NS Belastung gibt, könnte ich der Redaktion eine Kopie der Personalakte Goldenbogens übermitteln, in welcher seine diversen NS- Mitgliedschaften belegt sind.)

Grüsse,

Lothat Gothe


——– Weitergeleitete Nachricht ——–
Betreff:     Leserbrief
Datum:     Tue, 24 Jan 2023 14:58:39 +0000
Von:     Höhner, Jens
An:     ‚Lothar Gothe‘

Lieber Herr Gothe,

danke für Ihre Mail. Nein, wir haben Ihren Leserbrief nicht vergessen. Allerdings haben wir uns dafür entschieden, ihn nicht zu drucken – trotz der Entschärfungen. Denn unterm Strich greifen Sie darin erneut die Debatten um Goldenbogen und Pomykaj sowie den Fall Gehrmann auf, über alles haben wir hinlänglich und ausreichend berichtet. Und selbstverständlich behalten wir das alles auch weiterhin im Blick. Wenn Sie sich in einem Leserbrief allein mit dem Waldbröler Schüler-Projekt beschäftigen wollen und dieses loben möchten, so wir würden wir uns darüber freuen. Allerdings bitte ohne Verknüpfung zu bereits geführten Diskussionen. Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen,

Jens Höhner

Telefon – 02291/90 78 32 43

Lokalredaktion

Oberbergische Volkszeitung / Oberbergischer Anzeiger

51545 Waldbröl

Kaiserstraße 25d

Tel. 0 22 91/9 07 83-0

Rheinische Redaktionsgemeinschaft GmbH; Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln; Telefon 0221/224-0,

Amtsgericht Köln HRB 81598; Geschäftsführer: Hermann Steveker, Mirco Striewski


——- Weitergeleitete Nachricht ——–
Betreff:     Re: Leserbrief
Datum:     Fri, 27 Jan 2023 15:56:04 +0100
Von:     Lothar Gothe
An:     Höhner, Jens

Liebe Redaktion,

das Gezerre um meinen Leserbrief und vor allem das Ergebnis wirft nicht nur in meinen Augen ein schlechtes Bild auf Ihre Arbeit als unabhängige „vierte Gewalt“.
Tatsächlich haben Sie natürlich über die „Debatten“ Goldenbogen/Pomykaj/ Gehrmann berichtet, allerdings nicht ausreichend: Denn so weit ich mich erinnere, haben Sie in keinem redaktionellen Text die konkreten Mitgliedschaften Goldenbogens in der SA und im NS Rechtswahrerbund genannt, sondern nur meine Bemerkung zitiert, PomykaJs misslungene Aufarbeitung weise “ Lücken“ auf. Das ist für die Leser ein bedeutsamer Unterschied.

Jetzt stehen diese „Debatten“ aber in einem anderen Zusammenhang und es geht um die unerträgliche Diskrepanz zwischen der PR für eine vorbildliche NS Aufarbeitung Waldbröls, welche das preisgekrönte Schülerprojekt zum Antisemitismus suggeriert und der beschämenden Tatsache, dass einem unverbesserlichen Altnazi und Antisemiten immer noch eine Straße gewidmet ist.

Es gibt zwei Erklärungen für Ihre Haltung: Entweder Sie halten wie Pomykaj Goldenbogens totgeschwiegene NS Mitgliedschaften für unbedeutend und ihn für einen „harmlosen Mitläufer“, oder  Sie kuschen vor der Politik, welche die Belastung des ehemals übermächtigen Autokraten mit Macht unter dem Teppich halten will. Beides ist für eine freie kritische Presse nicht akzeptabel.

Wie weit ist denn übrigens der Landrat mit der Suche nach einem externen, unabhängigen Historiker für die neue  Aufarbeitung des NS gekommen ? Herr Klemmer hatte mir geschrieben, die Redaktion werde am Ball bleiben und er wäre gespannt, welchen Historiker der Landrat auswählen würde.

Die Bemerkung, Herr Höhner, dass sich die Redaktion über einen Leserbrief freuen würde, in dem ich ausschließlich  die Schüler loben würde, ohne jeden Hinweis auf die NS Hintergründe, empfinde ich als peinlich.

Es gibt einen neuen Artikel über ein Waldbröler Schülerprojekt zum Antisemitismus. Dazu ist erneut ein lobender Leserbrief fällig, allerdings wieder mit einem unangenehmen Hinweis auf den fetten braunen Fleck auf Waldbröls weißer demokratischer Weste. Ich schreibe ihn, obwohl ich ja jetzt weiß, dass er deshalb  natürlich wieder insgesamt “ entschärft“ werden muss.

Die Leserbriefe und unsere diesbezügliche Korrespondenz lasse ich auf meine Homepage stellen, weil es sich nach Meinung eines befreundeten Historikers um Dokumente der Zeitgeschichte handelt.

Grüsse,

Lothar Gothe

Ein besorgter Neujahrsgruß

In großer Sorge schaue ich – wie vermutlich wir alle – auf das neue Jahr und die vielfältigen Gefahren, die sich zusammenbrauen, gegenseitig verstärken und offensichtlich außer Kontrolle sind. Die Regierung versucht mit beispiellosen Schuldenbergen die Energie- und Wirtschaftskrise auszubremsen und schüttet unzählige Milliarden über Industrie und Haushalte aus, ob die es brauchen oder nicht. So werden zwar die befürchteten „Wutwinter“-Demos noch einmal abgewendet, aber keines der Probleme wird gelöst.

Putins brutaler Angriffskrieg sei schuld an der multiplen Krise, so heißt es unisono, der habe eine „Zeitenwende“ bewirkt. Ein noch 2022 unvorstellbarer Bellizismus hat von der „Zivil“gesellschaft Besitz ergriffen, alles Denken und Handeln beschränkt sich inzwischen auf Militär, Aufrüstung und „schwere Waffen“. Wenn das angeblich auch für „unsere Freiheit“ kämpfende ukrainische Volk nach einem von den USA aus geopolitischen Gründen gesponsorten „Abnutzungskrieg“ militärisch gewonnen haben sollte, wird es für Jahrzehnte eine befreite Trümmerwüste sein mit zahllosen Toten, Traumatisierten und Kriegsversehrten. Ich kann nicht glauben, dass die wie in Russland von ihren korrupten Oligarchen ausgeplünderten „einfachen Ukrainer“ alle so freudig ihr Leben gäben, wenn sie wüssten, dass sie es auch für den westlichen Wachstumskapitalismus und unsere Wohl-standsdroge Konsum opfern.

Der Ukrainekrieg ist in Wahrheit auch gar nicht die Ursache unserer „Polykrise“. Die liegt in einem anderen Krieg, dem „Völkerrechtswidrigen Angriffskrieg“, welchen der wohlhabende Teil der Menschheit gegen das Klima führt. Seine „schweren Waffen“ sind Ferienflieger, Kreuzfahrtschiffe, SUVs, Luxusprodukte, Shopping, usw., wir wissen es ja alle seit Jahrzehnten.

Zum Feind gemacht schlägt jetzt das Klima immer härter zurück und droht uns letztlich mit Vernichtung. Der UNO Generalsekretär (vermutlich kein Spinner) stellt nach der 27sten(!) gescheiterten Klimakonferenz fest, die Menschheit begehe gerade „kollektiven Selbstmord“, wir befänden uns „auf der Highway zur Klimahölle mit dem Bleifuß auf dem Gas“.

Tatsächlich zerstören längst schon dramatische Dürren, Regenfluten, extreme Hitzwellen, Wasser knappheit, Stürme, Pandemieen unsere Lebensgrundlagen, Hunger und Elend grassieren und statt endlich wirksam Klima zu schützen, verlegen sich die Regierungen immer schamloser auf eine Art Beschaffungskriminalität: So wie halt Putin, der sich die ukrainischen Ackerböden, die besten der Welt, mit Gewalt anzueignen sucht. Denn fest steht, wer in der sich zwangsläufig ständig weiter verschärfenden globalen Ernährungskrise am Ende über die letzten Ackerböden und Nahrungsmittel verfügt, wird der Sieger sein.

Tatsächlich hat die Regierung den Klimaschutz aufgegeben und für das Wirtschaftswachstum geopfert. Statt das Schlimmste zu verhindern, gießt die Regierung noch Benzin ins „Klima-Feuer“, der CO 2 Ausstoß steigt weiter an, statt drastisch zu sinken: Sie müsste sofort die Produktion und den Konsum unnützer Güter unterbinden oder zumindest sehr stark herunterfahren und Einsparungen durch Verbote erzwingen, doch sie bringt Kohlekraftwerke wieder ans Netz, beschafft Unmengen des zu Recht geächteten Frackinggases mit 20jährigen Vertragslaufzeiten und allein das CO2 der 100-Milliarden-Aufrüstung verhagelt die Bilanz. Sie entsorgt ihre Klimaverpflichtung aus dem Pariser Abkommen wie lästigen Müll und ein Bundesverfassungsgerichts-Urteil gleich mit. Sie schickt die heranwachsende Generation gnadenlos in die „Klimahölle.“

Darin befinden sich bereits die unschuldigen Opfer der pakistanischen Monsterflut oder der afrikanischen Extrem-Dürre, wo wir sie verelenden und verrecken lassen. Für eine taffe grüne Zynikerin verträgt sich das offenbar mit einer “Wertebasierten Außenpolitik“.

Ein paar Jahre lang sind Millionen Jugendliche in der Fridays for Future-Bewegung für echten Klimaschutz und ihre Überlebenschancen auf die Straßen gegangen. Bis auf den rechten Rand haben alle Parteien – vorneweg die Grünen – das „berechtigte Anliegen“ mit warmen Worten (Greta: „Blah, blah, Blah“) gewürdigt, tun aber bis heute das genaue Gegenteil und „klauen“ den Kindern ungerührt weiter die „Zukunft“.

Das abstoßenste Beispiel dafür ist, dass nicht einmal die perverse „Freiheit“ einer kleinen radikalen Minderheit reicher Egomanen, ihre Spritfresser mit 300 kmh über die Autobahn dreschen zu dürfen, per Temolimit unterbunden wird.

Es ist fast ein Wunder, dass aus der maßlosen Enttäuschung nicht längst schon ein wütender „Klima-Terrorismus“ entstanden ist, der die schädlichsten Auswüchse des Konsumkapitalismus und seine Protagonisten mit Gewalt angreift und zerstört. Stattdessen leisten immer mehr (vor allem junge) Menschen, die sich „ Letzte Generation“ nennen, gewaltlosen Widerstand. Sie sind die letzte Generation, welche den totalen Zusammenbruch noch verhindern kann, denn das Zeitfenster zur Vermeidung der (über)lebensgefährlichen Kipppunkte schließt sich in wenigen Jahren.

Sie stehen in der Tradition der edelsten Vorkämpfer für Menschenrechte wie Gandhi oder Martin Luther King, indem sie mit ihren Körpern den Klimakillenden Autoverkehr oder Flughäfen blockieren. Sie lassen sich dafür beschimpfen, misshandeln und ins Gefängnis sperren.

Sie alle handeln nach Henry David Thoreaus 1849 erschienenen Schrift „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“: Weil die Verfassung der USA die gleichen Rechte für alle Menschen garantiert, aber die Regierungen die Sklavenhaltung duldeten, dürfe man einem solchen Staat nicht mehr gehorchen, so Thoreau. Er verweigerte die Zahlung von Steuern und ging dafür ins Gefängnis.

Die Folgen der Klimaschutzverweigerung unserer heutigen Regierung sind in ihrer Menschen-verachtung vergleichbar mit den Verbrechen der Sklaverei, allerdings sind sie dazu noch irreversibel.

Der gewaltlose Widerstand der „Letzten Generation“könnte am Ende vielleicht ebenfalls wirksam werden. Deshalb wird er von den heutigen Mächtigen genauso gehasst und kriminalisiert wie früher der von Gandhi oder Martin Luther King. Mit Schaum vor dem Mund werden die Aktivisten von Politikern und Medien verhöhnt, aufs Übelste beschimpft und sogar mit der RAF gleichgestellt. In Bayern werden sie auf Verdacht eingesperrt, mich erinnert das an die „Schutzhaft“ der Nazis.

Eine Kriminologie-Professorin hat es in „Der Freitag“ so ausgedrückt: Die „Letzte Generation“ wird überkriminalisiert, die Regierung unterkriminalisiert.

Jetzt droht den mutigen Mitmenschen die Anwendung des §129 StGB „Kriminelle Vereinigung“. Das bedeutet jahrelange Gefängnisstrafen für friedliche Proteste und vor allem: Auch die bloße Zugehörigkeit zu der Gruppe und ihre Unterstützung sind strafbar. Das Demonstrations“recht“ von Erdogan oder Putin scheint so schlecht offenbar doch nicht zu sein.

Aus Protest dagegen zeigen sich immer mehr Mitmenschen selber als Unterstützer an, um diese unglaubliche Klassenjustiz mit Ermittlungsverfahren zu überschwemmen und so ad absurdum zu führen.

Ich schließe mich dem an und begehe hiermit diese Straftat, indem ich euch alle aufrufe, ebenfalls der „Letzten Generation“ zu Hilfe zu kommen, damit die wahrhaft kriminelle Vereinigung von gewissenlosen Politikern, gierigen Wirtschaftsbossen und konsumgeilen Spießbürgern vielleicht noch rechtzeitig vor dem Klimakollaps gestoppt werden kann.

Selbstanzeigen kann man einreichen über die Webseite der Letzten Generation:

https://webforms.letztegeneration.de/selbstanzeige

Mit nicht ganz hoffnungslosen Grüßen,
am (bislang wärmsten) 1. Januar 2023

Lothar Gothe

Ein Urteil gegen die Aggression

In der Zivilklage gegen den Anführer der Waldbröler „Spaziergänge“ ist wegen seines Hassvideos gegen mich ein Urteil ergangen. Ich möchte es ahier zeigen, um die Erkenntnis zu verbreiten, dass man auch im Netz nicht alles folgenlos auskotzen darf. Für manche ist das sicher neu.

Mein Anwalt hat bei der Akteneinsicht in das Strafverfahren festgestellt, dass Gehrmann inzwischen auch zu 70 Tagessätzen a 10 Euro rechtskräftig verurteilt worden ist, per Strafbefehl, also ohne öffentliche Verhandlung.Dabei wurden 3 Verstöße gegen das Versammlungsgesetz als Leiter der Waldbröler „Spaziergänge“ ( 17.1.,24.1., und7.2.22) mit der Beleidigung gegen mich zu einer Gesamtstrafe zusammengezogen.

Volksverhetzung sei nicht gegeben, so die Staatsanwaltschaft, „da die Bolschewisten mangels hinreichender Bestimmtheit nicht als Teil der Bevölkerung im Sinne des §130 StGB angesehen werden können.“ Die alten Nazis wussten bei ihrem Kampfbegriff „Bolschewist“ (oft mit „jüdisch“ oder „gottlos“ konnotiert) aber noch hinreichend genau, wen sie ins KZ abzuholen, zusammenzuschlagen oder zu ermorden hatten, die Neonazis sollten das heute nicht mehr wissen?

Die Bedrohung ist bei der StA einfach unter den Tisch gefallen. Das ist deshalb pikant, weil der Richter im Zivilprozess ausdrücklich eine strafbare Bedrohung meiner körperlichen Unversehrheit erkannt und verboten hat, siehe Urteil.

Ich werde dem neuen grünen Justizminister das vorlegen und fragen, wie das mit der ständigen Beteuerung der Regierung zu vereinbaren ist, konsequent und mit aller Härte des Gesetzes gegen rechtsradikale Hetze und Bedrohung vorzugehen. Und ob es vielleicht ein erwünschter Effekt solcher Trickserei ist, dass dieses rechte Hassvideo „entpolitisiert“ wurde und die Strafe in der peinlichen Statistik rechtsradikaler Straftaten nicht aufgeführt werden muss.

Hier das Urteil

Leserbrief zu „Eisbahn auf der Kippe“

Da gibt es also in Bergneustadt Geschäftsleute, die in diesen Zeiten ernsthaft überlegen, erneut das beliebte, aber extrem energiefressende und klimakillende Spaßevent „Eisbahn“ zu veranstalten, vor Corona als „Wintermärchen“ bekannt.

Haben diese Leute immer noch nicht mitbekommen, dass durch derart konsumistischen Lebensstil inzwischen das Überleben der Menschheit auf der Kippe steht ?

Rückblick: 2020 habe ich mit Freunden aus Protest eine abgestorbene Fichte vor dem Eis aufgestellt mit der Parole: „ Australien grüßt Wintermärchen“. Damals brannte das verdorrte Australien, es interessierte aber kaum einen.

Heute brennt halb Europa , das Ahrtal sieht aus wie nach einem Bombenkrieg, weltweit Fluten, Dürren, extreme Hitze, Hungersnöte: Eine dramatische globale Ernährungskrise hat Fahrt aufgenommen und ist nicht mehr zu stoppen. Verteilungskämpfe um die schwindenden Ackerböden werden jetzt mit brutaler Gewalt geführt, wie Putins kriegerische Aneignung von Ukraines fruchtbarer Schwarzerde zeigt. Auch in Oberberg Hitzewellen, braune Wiesen, trockene Bäche, absterbender Laubwald. Höchste Zeit, Überkonsum und Produktion von nutzlosen Luxusgütern zurückzufahren, viele müssten endlich Verzichten lernen oder dazu gezwungen werden. Die Regierung aber versucht stattdessen in blinder Panik, den Einbruch von Wachstumswirtschaft und Wohlstand mit gigantischen Geldspritzen auf Pump abzuwenden und heizt dabei das Klima durch Frackinggas, Kohle und militärische Aufrüstung noch weiter an. Trotzdem kommt die Wirtschaftskrise mit wachsender Armut und der Gefahr schwerer gesellschaftlicher Verwerfungen, die hoffentlich nicht erneut im Faschismus enden.

Voller Scham habe ich neulich gesehen, dass die Schlange vor der Bergneustädter Tafel bis auf die Kölnerstraße reichte. Diese notleidenden Mitmenschen haben sicherlich viel weniger zur Klima-erhitzung und der Lebenmittelverteuerung beigetragen als die konsumgeilen Mittelklassebürger. In einer gerechten Welt wären es aber diese Leute, die als Hauptverursacher der Not an der Tafel anstehen müssten.

Wie wärs, wenn Bergneustadts kommerzielle Märchenfreunde diesmal ein soziales „Sommermärchen“ auf die Beine stellen und jetzt den Menschen helfen, die unter den Klimawandelfolgen besonders leiden ? Wir haben 2020 jedenfalls die Sponsorentafel fotografiert für ein Mahnmal der Schande, falls demnächst in einer verwüsteten Welt wieder mal keiner Täter oder Mitläufer gewesen sein will.

Leserbrief zum Artikel „Pomykaj stellt Quellenlage vor“

 

Ich begrüße sehr, dass Herr Pomykaj seine Erkenntnisse zu der NS -Belastung des Kreistags und des früheren OKD Goldenbogen öffentlich vorstellen und vor allem auch diskutieren will. Dieser OKD prägte 3 Jahrzehnte lang durch unglaubliche Ämterhäufung und einen autokratischen Führungsstil die oberbergische Politik; eine Machtfülle, die mit einer Demokratie nicht kompatibel ist. Angesichts des neu erstarkenden Rechtsradikalismus ist Goldenbogens NS-Belastung daher für eine historische Aufarbeitung von zentraler Bedeutung.

Einen Vortrag zum selben Thema hat Pomykaj vor Jahren schon einmal gehalten. Den hatte der Kreistag beschlossen, weil ich darauf aufmerksam gemacht hatte, dass in mehreren Studien festgestellt worden war, dass im LVR bis in die Führungsspitzen stark belastete Nazis tätig waren, die in Heimen und Psychiatrien schwerste Menschenrechtsverletzungen zu verantworten hatten. In der Sozialistischen Selbsthilfe Köln ( SSK) habe ich seit 1970 dagegen gekämpft und dabei sind die geistigen und personellen Kontinuitäten zum NS in den Fokus geraten, besonders die des Gründungsdirektors Klausa, der als SA-Mann und Nazilandrat nahe Auschwitz 30000 Juden ins Ghetto treiben ließ und die „Ausssonderung der Entarteten“ gefordert hatte. Da sein Freund Goldenbogen ebenfalls bis 79 eine zentrale Figur im LVR war, hatte ich eine ebensolche Aufarbeitung für ihn und den Kreistag angeregt. Damit wurde Pomykaj beauftragt.

Selbst mein zugegeben laienhaftes „Halbwissen“ reichte aber für die Erkenntnis, dass sein Vortrag unverzeihliche Lücken aufwies: So hatte Pomykaj zwar Goldenbogens NSDAP-Mitgliedschaft erwähnt, ihn aber mit der launigen Bemerkung, er sei „nicht der allerschlimmste Nazi“ gewesen, als harmlosen Mitläufer hingestellt.

Nicht herausgefunden oder verschwiegen hat er jedoch die Mitgliedschaft in der SA, im NS-Rechtswahrerbund und anderen Naziorganisationen, weshalb Big Boss Goldenbogen aus öffentlichen Dienst hätte entfernt werden müssen.. Daher wäre es jetzt wohl Pomykajs vordringlichste Aufgabe, zunächst mit seinem eigenen „Halbwissen“ „aufzuräumen“ und seine Wissenlücke zu erklären, da doch Goldenbogens öffentlich zugängliche Personalakte im Bundesarchiv eine klare „Quellenlage“ darstellt.

Auch die NS Belastung des Landrats Dr. Schild hat nicht er aufgedeckt; die des Heimatforschers Kaufmann brachte der Museumsleiter Kamp ans Tageslicht, dazu kommt all das, was noch immer im Dunkeln liegt.

Pomykajs Vorgesetzter war Landrat Hagt, der seinem Parteifreund Goldenbogen noch zum 25. Todestag am Grab mit Blumen die Ehre erwiesen hatte. Den hätte es wohl kaum erfreut, wenn sein Archivar öffentlich gemacht hätte, dass seine Ehrerbietung einem belasteten Altnazi galt.

Eine meiner „beliebten“ Reden vor dem Kreistag – 31.3.2022

Dass meine Fragen zum Verhältnis des früheren OKD Goldenbogen zu dem Nazimaler Peiner jetzt zum zweiten Mal auf der Tagesordnung stehen, weil sie nicht bzw. nicht ausreichend beantwortet wurden, ist natürlich kein gutes Zeichen für bürgerfreundliche und demokratische Gesinnung des Landrats.

Das Verhalten zeigt aber erneut, welche schwere Hypothek die unterlassene Aufarbeitung der personellen und geistigen Kontinuitäten des Nationalsozialismus für die politische Gegenwart bedeutet. Diese lassen sich auch gut am Umgang des OKD mit Görings Lieblingsmaler Peiner nachweisen, den Adolf Hitler als „gottbegnadet“ gerühmt hat.

Diese außergewöhnliche Ehrung erfuhr Peiner, weil er in seinen Gemälden wie kein anderer die „Blut und Boden Ideologie“ der Nazis zum Ausdruck brachte. Viele tun den heldenhaften Bauern, der mit Kaltblutpferden im Sonnenaufgang die deutsche Scholle umbricht, heute als unpolitisch oder kitschig ab.

Tatsächlich wird damit aber eine völkische Ideologie transportiert, die in ihrem Kern rassistisch und antidemokratisch ist. Während in einer Demokratie alle Staatsbürger gleiche Rechte haben, unabhängig von ihrer Herkunft, Abstammung oder Hautfarbe, stand in dem völkischen Staatswesen der Nazis das Vorrecht der deutschen (arischen) Herrenrasse den minderen Rechten bzw. der Rechtlosigkeit der sog Untermenschen gegenüber.

Der NS Rechtswahrerbund hat daran mitgewirkt, diese menschenverachtende Ideologie in Gesetzesform zu bringen. Ein Mitglied war der Jurist Goldenbogen, damals anscheinend ein glühender Nazi, der schon als Oberprimaner in die SA eingetreten war.

Heute erleben wir, dass die völkischen Ideen sich wieder verbreiten, nicht nur im Höckeflügel der AfD, sondern auch bis weit hinein in die Reichsbürger-, Querdenker- und Spaziergängerszene, in der von „Umvolkung“ die Rede ist.

Eine andere Kontinuität zum NS erfahre ich persönlich, seit ich auf die Mitwirkung von Rechtsradikalen bei den „Spaziergängen“ hingewiesen habe: Die völlig enthemmte Herabsetzung und Entmenschlichung von politischen Gegnern im „Stürmer“-Stil, wie sie z.B. in der Darstellung von Juden als Ratten zum Ausdruck kommt. So werde ich von einem Nazi im Netz u.a. als „Monster“ beschimpft, das die Seelen der Kinder vergifte, an dem nichts Menschliches dran sei, als „elender Bolschewist“, der „mehr als eine Strafe“ verdient habe.

Was er unter „Strafe“ versteht, erläutert er am Beispiel von Merkel u.a., für die nach einer durch Trump herbeigeführten Machtergreifung hoffentlich ein Ast an einem schönen Baum gefunden werde. Ist das nicht zumindest Billigung von politischem Mord? Im Jahr 2022? Was, wenn einer seiner social-media-verblödeten Follower sich zum Befreier vom „bolschewistischen Monster“ berufen fühlt ?

Es gibt Altnazis, die sich selbstkritisch mit ihrer NS-Vergangenheit auseinandergesetzt haben. Goldenbogen gehörte nicht dazu, er hat auch noch 1979 in dem Interview zu seiner Biografie nicht ein einziges Wort des Bedauerns zum Holocaust oder dem Schicksal der Zwangsarbeiter, darunter viele Ukrainer, gefunden Oder zu dem Vernichtungskrieg der deutschen Wehrmacht in der Ukraine , der die heutigen Kriegsverbrechen von Putin noch weit in den Schatten stellt. Seine außergewöhnliche Förderung des bekennenden Antisemiten Peiner und sein sehr autoritärer Führungsstil weisen darauf hin, dass er noch mehr oder weniger im braunen Ungeist verhaftet war.

Die Ehrung dieses belasteten Altnazis durch die „Dr Goldenbogen Str“ in Waldbröl ist daher eine andauernde Schande für den Oberbergischen Kreis und eine Beleidigung der Naziopfer und sie macht das „Bündnis gegen Rechts“ zur peinlichen Farce. Höchste Zeit die verhinderte Aufarbeitung durch unabhängige Historiker nachzuholen, denn die große Wirtschaftskrise steht jetzt vor der Tür, welche damals die NSDAP binnen weniger Jahre an die Macht gebracht hat.

Ukraine

Ja Herr Bundeskanzler, gut dass Sie das auch endlich gemerkt haben:

Wir befinden uns mitten in einer Zeitenwende. Und es ist höchste Zeit, endlich zu handeln, bevor wir alle im Strudel einer herannahenden globalen Katastrophe in die Tiefe gerissen werden und in dystopischen Zuständen umkommen.

Aber das ist doch nicht erst seit Putins Krieg gegen die Ukraine der Fall. Ganz klar ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, der vom Autokraten im Kreml von langer Hand vorbereitet wurde, mit Aufrüstung, Täuschungsmanövern und Lügen. Es ist alles richtig, was voller Abscheu von Europas Politikern, den Medien und den allermeisten Bürgern zu dem eiskalten Machtpolitiker Putin geäußert wird. Nur eines nicht:

Er ist kein gemeingefährlicher Wahnsinniger, kein durchgeknallter Irrer, der sich nicht im Griff hat und seine psychische Deformation in irrationalen Gewaltakten austobt. Es ist schlimmer: Sein Handeln scheint einer eiskalten imperialen Logik zu folgen, die darauf abzielt, aus dem Chaos einer zusammenbrechenden Weltordnung am Ende als Sieger hervorzugehen.

Um das zu verstehen, müsen wir sein Handeln aus einer längerfristigen Perspektive heraus betrachten, dem näher rückenden zentralen Konflikt dieses Jahrhunderts: Den hat gerade der IPCC in seinem neuen Bericht unmissverständlich beschrieben. Durch die Folgen der fortschreitenden Klimaerwärmung und anderen Umweltzerstörungen steuert die Welt auf eine katastrophale Nahrungsmittelknappheit zu. Während mit zunehmender Geschwindigkeit Ackerböden und Weideland durch Dürren, Regenfluten, Stürme unwiederbringlich zerstört werden, wächst die Weltbevölkerung auf bald 10 Milliarden Mitmenschen an.

Dann wird die Nahrungsmittelsouveränität der entscheidende wirtschaftliche und politische Machtfaktor sein. Das Land, welches die Ernährung seiner Bevölkerung erreichen und absichern kann, wird die Welt beherrschen. Es scheint, als habe der Herrscher im Kreml diese ultimative Herausforderung fest im Blick, und als habe er in seiner Analyse die Erkenntnisse der Klimaforschung ernst genommen und zur Handlungsmaxime gemacht. Er unterliegt offensichtlich nicht der Illusion von einer „Klima-Rettung“ durch ein Weiterso mit „100% Erneuerbare“, „E-Mobilität“ und „grünem Wasserstoff“, sondern bereitet sich jetzt schon auf den Kampf aller gegen alle um die schwindenden Ressourcen vor. Wenn mehr und mehr das blanke Recht des Stärkeren aus den Kulissen der Zivilisation hervor tritt, dann will er auf jeden Fall bei den Stärkeren sein.

Unter diesem Gesichtspunkt ist die Ukraine das Faustpfand fürs Überleben überhaupt. Die wohl fetteste Beute, welche diese Welt zu bieten hat. Es ist seltsam, dass in unseren Medien und politischen Statements aller Coleur davon so gut wie nicht die Rede ist, obwohl doch seit der sogenannten „orangenen Revolution“ ein kaum verdecktes Ringen um diese „Beute“ zwischen Rußland und dem „Westen“ im Gange ist, ein Ringen, welches im Augenblick Putin mit roher militärischer Gewalt für sich entscheiden will.

Was ist es, das die Ukraine so begehrt macht ?

Die Ukraine ist reich an Bodenschätzen, nicht nur Kohle und Öl, sondern auch solchen, die für die Zukunftstechnologien von großer Bedeutung sind (siehe Anhang).

Aber unter dem Gesichtspunkt des beginnenden Welternährungsproblems sind es die riesigen Flächen allerbester Ackerböden, die angesichts der Klimawandelfolgen eine immer größere wirtschaftliche und politische Bedeutung erlangen Die Ukraine verfügt allein über ein Drittel der weltweiten Vorkommen von Schwarzerde, dem fruchtbarsten Boden der Welt. Sie gehört deshalb zu den großen Exporteuren landwirtschaftlicher Rohstoffe.

Seit jeher gilt daher die Ukraine als Kornkammer Europas und sie war schon immer Ziel der Begehrlichkeit der europäische Mächte. Das galt auch und besonders für die Nationalsozialisten.

Die SS hatte komplette Pläne für eine Neuordnung und Neubesiedung der Ukraine nach dem sogenannten „Zentrale- Orte- Modell“, mit arischen Gutsherren und ukrainischen Arbeitssklaven. Im Umfeld von Auschwitz ließ sie dafür bereits Musterhöfe errichten.

Heute kann das riesige Land mit 44 Millionen Einwohnern 650 Millionen Menschen ernähren.

Wer also über diese Böden und die anderen Bodenschätze der Ukraine verfügen kann, der wird in der Klimawandelzukunft die Welt beherrschen oder wird zumindest einer der Beherrscher sein..

Neben allen anderen geopolitischen Gründen ist dieser sicherlich der entscheidende in der Zukunft.

Es sieht so aus, als würde Putin diese globale Lebensbedrohung nicht so verdrängen wie die westlichen Politiker in ihrer Wohlstandsblase, die ja immer noch dem Selbstbetrug unterliegen, ihre rein technologisch ausgerichtete Transformation könne bei Fortbestehen der hohen Verbräuche die Klimakatastrophe verhindern oder zumindest handelbar machen.

Putin geht anscheinend davon aus, dass die Katastrophe unabwendbar geworden ist. Statt in Klimaschutz zu investieren, hat er seit Jahren zielgerichtet für dieses militärische „Landgrabbing“ seine Armee modernisiert und schlagkräftig gemacht. Jetzt setzt er sie ohne jede Rücksicht auf Völkerrecht und Menschenrechte ein, um sich diese Zukunftsbeute zu sichern und sie auf keinen Fall den kapitalistischen Investoren des Westens zu überlassen. Sein völkisches Gerede mag er vielleicht sogar ernst meinen, das harte Faktum ist aber der Kampf ums Überleben in einer Welt, die sich mehr und mehr in Richtung Dystopie bewegt. Neben zerbombten ukrainischen Städten wird die Nachkriegsordnung eines friedlichen Europas als ein weiterer Trümmerhaufen zurück bleiben

Der Schock darüber hat ganz Europa erfasst: Kriege für unsere Interessen hat es ja immer gegeben, doch der jahrzehntelang „outgesourcte“ Krieg ist mit Putin vor unsere Haustür zurückgekehrt und berechtigte Angst treibt Millionen auf die Straße.

Aber auch wenn Putins militärische Aggression zurückgeschlagen werden sollte, ist es keine Lösung, Ukraines Böden westlichen und chinesischen Investoren und dem internationalen Finanzverbrechertum zu überlassen. Das Land würde ein ständiger blutiger Zankapfel bleiben, Anschläge, Terror, Sabotage, Todesschwadrone als Dauerzustand.

Die Pandemie führt uns vor Augen, dass es keine Lösung gibt, solange nicht alle Menschen auf der Welt daran beteiligt werden und eine gewisse globale Gerechtigkeit beim Schutz vor dem tödlichen Virus geschaffen wird. So muss es erst recht sein, wenn es um den Schutz der Lebensgrundlagen in Zeiten des Klimawandels und eine einigermaßen gerechte Verteilung geht, welche den armen Völkern zumindest die nackte Existenz garantiert. Deshalb darf keine Seite im Ukraine-Konflikt die Alleinherrschaft über diese Böden bekommen, welche für das Überleben der ganzen Menschheit von so enormer Bedeutung sind.

Mein Vorschlag wäre, das ukrainische Ackerland und seine Nutzung unter die Herrschaft einer neu zu schaffenden UNO Organisation zu stellen, welche die für die Menschheit unverzichtbaren Lebensgrundlagen vor zerstörerischer Ausbeutung und kapitalistischen Verwertungs- und Profitinteressen schützt. Als eine andere, „ökologische“ Art von „Welterbe“.

Die Schwarzerde müsste Gemeineigentum der Ukraine werden, deren Nutzung könnte auf Zeit unter klaren ökologischen und sozialen Auflagen auch an Private vergeben werden. Die Bewegung der „Bodenreformer“ aus dem 19.Jahrhundert könnte als Vorlage dienen. Die hatten eine Art Zwischending zwischen Christentum und Kommunismus zum Ziel: Der Boden und seine Schätze müsse allen gehören, Privateigentum wäre das, was die Nutzer auf Zeit damit erwirtschaften. Unter dieser Voraussetzung könnte die Ukraine in der EU aufgenommen werden, ohne dass Russland sich existentiell bedroht fühlen müsste. Heute aber käme der EU Beitritt dem Ausverkauf der Böden an westliche, chinesische oder saudi-arabische Agrarkonzerne und Finanzspekulanten gleich, die seit der „orangenen Revolution“ darauf lauern und drängen, dass das bestehende Verkaufsverbot von Land an ausländische Investoren endlich freigegeben wird.

Und dann müssen sich alle Kräfte auf Klimaschutz und Anpassung richten. Wer den neuen Bericht des IPCC nur halbwegs ernst nimmt, muss erkennen, dass die zu erwartenden Zerstörungen, Hungersnöte, Flüchtlingsströme, verbunden mit ständigen Kriegs- Terror- und Gewaltorgien, Putins schrecklichen Krieg gegen die Ukraine weit in den Schatten stellen werden. Klima- und Umweltschutz stehen heute auch im Zentrum echter Friedenspolitik.

Wenn denn schon dauernd von „Wahnsinn“ die Rede ist: Die panische Reaktion von Regierung und Parlament, für gepumpte 100 Milliarden ab sofort militärisch aufzurüsten, wird die Treibhausgasemissionen derart erhöhen, dass die ohnehin unzureichenden Klimaschutzpläne endgültig zu Makulatur werden. Nichts wird dadurch sicherer, nichts friedlicher, für keinen Menschen auf der Welt, im Gegenteil: Deutschlands Militäretat wird zwar größer als der russische, aber ohne jede Chance, eine gleichstarke konventionelle Armee zu schaffen. Deshalb rückt der alte Traum deutscher Militaristen von der eigenen Atomaffe in greifbare Nähe.

Es ist daher allerhöchste Zeit, bei der „Transformation“ den ersten Schritt nicht länger zu übergehen: Eine drastische Reduzierung der Verbräuche, ein Verbot von Luxusprodukten und Überkonsum, eine neue materiell sparsame Lebensweise in den Wohlstandszonen der Industrieländer, eine Überwindung der kapitalistischen Ungleichheit in all ihren Ausformungen.

Auch wenn der Lohn für den Wohlstandsverzicht nur die Chance ist, dass unsere Kinder und alle anderen auf der Welt immer noch ein würdiges Leben führen und nach Glück streben können: Lehrt uns doch Putins kriegerischer Raubzug erneut, dass die materiellen Lebensgrundlagen hierzulande nicht zuletzt um des Friedens willen auf das Notwendige zurückgeführt werden müssen.

Auch in diesem Krieg gibt es nicht hier den Schurken und da die Guten. Es gibt gar keinen Guten in diesem Konflikt, alle direkt oder indirekt Beteiligten gieren nach derselben Beute, auch „wir“. Menschenrechte und Werteordnung treten alle mit Füßen, sobald es ans wirtschaftlich Eingemachte geht, auch vor völkerrechtswidrigen Angriffskriegen schreckt keine Seite zurück. Ich erspare mir hier schon aus Platzgründen, allein die vom Westen angezettelten alle aufzuführen oder etwa unsere KZ-artigen Flüchtlingslager an den EU Außengrenzen näher zu beschreiben.

Annalena und Olaf sind also keineswegs plötzlich in einer „anderen Welt“ aufgewacht. Putin hat sie nur abrupt aus dem verlogenen westlichen Traumgebilde gerissen, wir lebten in einer friedlichen, humanen, an Menschenrechten orientierten Zivilisation. Als sie erkannten, dass er an unseren Wohlstandspelz will, flog die sogenannte Wertordnung und die „Werte basierte Außenpolitik“ wie Müll in die Tonne und schlagartig bleckte unsere konsum-kapitalistische Ausbeutergesellschaft dieselben militärischen Haifischzähne wie der Teufel Putin. Das ist nicht der Hauch einer Entschuldigung für dessen Eroberungskrieg, es ist nur ein realistischer Blick auf den Zustand der Welt.

Wie „Exstinction Rebellion“ oder der „Aufstand der letzten Generation“ gehe ich nicht davon aus, dass echter Klimaschutz sozusagen im letzten Moment noch durch Vernunft und Einsicht zustande kommt. Das Totalversagen der Grünen in der Ampel hat das endgültig klargestellt. Die verbliebene Zeit zur nötigen Radikalumkehr läuft davon und offensichtlich sind Widerstandsaktionen, Blockaden und Sabotage notwendig, um den Stopp und die Wende auf dem „Highway to Hell“ quasi kurz vor Toresschluss noch zu erreichen: Das Abrüsten in der Wirtschaft, beim Konsum und bei den Bedürfnissen in unseren Hirnen und Seelen, bis ein halbwegs nachhaltiger und gerechter Zustand erreicht ist, Dann ergäbe die militärische Aufrüstung nicht einmal mehr einen scheinbaren Sinn.

Leserbrief zu den Artikeln „Ich habe mich genauso täuschen lassen“ und „Paralysiert, entsetzt und fassungslos“

Jetzt reicht es aber, Herr Dechant Bersch! Da kann ein Priester über Jahrzehnte abscheulichste Verbrechen an Kindern in Serie begehen und keiner merkt was? Auch nicht, nachdem solche Vorwürfe im Raum standen? Es habe bei Ihnen und den Gemeindemitgliedern aus „Naivität“ eine „gewisse Blindheit“ geherrscht, sie seien durch einen „perfiden Plan“ des Täters „getäuscht worden“? Also Opfer Nr. 1 die vergewaltigten Kinder, Opfer Nr. 2 das arglose Kirchenvolk und der Klerus?

2019 haben Sie per Mail einen Disput mit mir angefangen, weil ich in Leserbriefen „steile Thesen“ zu Luthers Antisemitismus verbreitet hätte. Bei der Gelegenheit haben Sie sich die „68er“ vorgeknöpft und uns für üble gesellschaftliche Fehlentwicklungen und Sittenverfall verantwortlich gemacht.

Voller Wut ob dieser Arroganz habe ich Ihnen entgegengehalten, dass wir „68er“ bereits 1970 die ersten misshandelten und vergewaltigten Jungen aus dem Kölner Don Bosco Heim in unserer Wohngemeinschaft aufgenommen und für ihre Rechte gekämpft haben. Und dass seitdem Jahr für Jahr immer wieder solche geschundene Menschenkinder von der Domplatte zu unserem SSK kamen. Und dass auch hier in Oberberg allein gelassene Opfer kirchlicher sexueller Gewalt leben. Es seien z. B. Zöglinge aus dem Eckenhagener Josefsheim und Jungen aus dem Gummersbacher Kinderheim, die von Nonnen zu widerlichen sexuellen Handlungen gezwungen worden sind. Einer von diesen habe mir berichtet, wie schwer er bis heute an dem Trauma leidet.

Haben Sie gefragt, ob ich für Sie Kontakt zu diesem Mann herstellen kann ? Ob er vielleicht die Namen weiterer Opfer nennen kann, damit Sie als Vertreter der Täterorganisation zumindest noch den Versuch einer späten Hilfe unternehmen können? Nichts dergleichen!

In Eckenhagen musste sich der Heimleiter gegen das Erzbistum durchsetzen, um „Missbrauchs“-Opfern bei der Glaubhaftmachung ihrer Leiden mit den Heimakten behilflich zu sein. Für die Chance, vom Milliarden schweren Erzbistum 5000 Euro zu erhalten. Lebenslängliche Seelenqual entspricht bei diesen empathiefreien Funktionären in der Schadenshöhe also etwa einer Schramme an der Luxuskarosse des Kardinals!

Das Kinderheim an der Singerbrinkstraße, übrigens eine Stiftung für Waisenkinder, stand jahrelang leer, bis wir vom SSK in den 80ern das gut erhaltene Haus besetzt haben. Ein Mietangebot lehnte das Erzbistum ab und ließ nach Monaten in einer brutalen Aktion die Bewohner in aller Herrgottsfrühe auf die Straße setzen und das Haus sofort abreißen, das persönlichen Eigentum der Menschen lag unter den Trümmern. Ihr Vorgänger Herweg dazu: „Jesus hätte es genauso gemacht“!

Solche Eiseskälte erfahren die Opfer immer noch von der Kirche. So schwärmt der Katholik Paul Kalbhen noch heute von Pfarrer U.s „charismatischer Persönlichkeit“ und seinen „ befreienden Messfeiern“ und findet kein Wort der Scham. „Paralysiert“ und „entsetzt“ sind Sie, weil ein Richter endlich einmal die skandalöse Paralleljustiz der Kirche ignoriert und einen der verbrecherischen Priester auch wie einen gewöhnlichen Verbrecher behandelt, mit U-Haft und Handschellen. Und weil meine frühere Kirche jetzt am Abgrund steht, in dem ihr verdorbener klerikaler Teil besser heute als morgen verschwindet.