Archiv der Kategorie: Klimawandel

Leserbrief zum Artikel „Neues Zertifkat besiegelt Partnerschaften“

Es tut gut, in diesen Zeiten von anwachsenden Klima- und Kriegsgefahren, kaputter Infrastruktur und kollabierendem Sozialstaat mal was Ermutigendes zu lesen: Dass es zum Beispiel in Oberberg drei Projekte gibt, die nachhaltigen und naturnahen Tourismus fördern und deshalb vom „Naturpark Bergisches Land“ als Partner zertifiziert worden sind. Eines ist die Gemeinde Reichshof mit ihrer „Kur- und Tourismusinfo“. Sicher bemühen sich auch die beiden Frauen der Anlaufstelle, bei Besuchern „die heimische Natur in den Blick zu rücken“ und zu zeigen, dass Oberberg – in den Worten des Landrats – „nicht nur Erholungsraum, sondern auch ein Lebensraum ist, den es zu bewahren gilt“.

Wenn aber der Bürgermeister des „Ferienlandes Reichshof“,dem angeblich „das bergische Grün ein Gefühl von zu Hause gibt“ ,die Urkunde strahlend vor die Kamera hält, dann ist das angesichts der Realität der blanke Zynismus: Denn vor kurzem erst hat die Gemeinde beschlossen, mindestens 8 ha alten Laubmischwald für eine sog. „Sommerrodelbahn“ zu opfern. Da wird jedoch keiner „rodeln“ , sondern wie in einer Kirmesachterbahn in Serpentinen den Waldhang hinabrasen. Bei einem „Kletterturm“ wird Fast-food-Gastronomie angeboten. Für das Millionengeschäft mit dem Rummelplatz im sterbendn WAld wird großflächig Boden verdichtet und ein Parkplatz für 400 PKW plus Busse in Wald und Wiese gebaggert. Klima- und Naturschutz kommen also bei diesem „Naturparkpartner“ in einem unglaublich rücksichtslosen, rechtswidrigen Ausmaß unter die Räder

Direkt gegenüber befindet sich das Gelände des Vereins „Fliegende Bauten“, ein außerschulischer Lernort für Kinder von der Gesamt- und der Antoniusschule.Durch den Umgang mit Tieren und den Anbau von Gemüse wird ihnen Achtung vor den natürlichen Lebensgrundlagen vermittelt. Weil allein schon der Lärm des Ballermannprojekts diese Arbeit erheblich stören würde, hat der Verein gegen den Bebauungsplan geklagt und schon nach der ersten Reaktion des OVG war klar, dass dieser Plan im Landschaftsschutzgebiet keine Chance hat. Doch dann der Schock: Der Vereins-vorstand zog plötzlich die aussichtsreiche Klage zurück, kommentarlos !

Fest steht jedenfalls, dass der Verein abhängig von der Gemeinde ist: Die beteiligten Lehrer sind ihre Angestellten und sie ist Verpächterin des Geländes. Allein schon bei dem Gedanken, dass sie damit Druck auf den Verein ausgeübt haben könnte, wird mir richtig schlecht: Wären wir doch dann auf dem Weg ins Trumpsche Amerika, in dem es normal geworden ist, mit Druck und Erpressung den Rechtsstaat auszuhebeln. Falls beim Bürgermeister noch Reste von Scham vorhanden sind, sollte er besser darauf verzichten, die Plakette des Naturparks am Rathaus anzubringen.,

Leserbrief zum Artikel“Waldbesitzer suchen neue Geschäftsmodelle“

 

Vor mehr als 30 Jahren habe ich aus Liebe zum Wald ein paar Hektar gekauft. Weil er durch Luftverschmutzung, Monokulturen und Klimawandelfolgen bedroht war, habe ich Anschluss an andere Waldfreunde gesucht und bin in die Forstbetriebsgemeinschaft Othetal eingetreten.Die große Mehrheit dort, vor allem der Vorstand und der zuständige Förster, hatten aber leider mit Wald wenig bis nichts am Hut, ihnen ging es nicht um das wunderbare komplexe Ökosystem Wald mit seinenen vielfältigen Funktionen für das Leben auf unserem Planeten, schon gar nicht um seine Spiritualität, sondern um ein knallhartes „Geschäftsmodell“: den Forst in Form der Fichtenplantagen. Die brachten halt das meiste Geld und da waren ihnen die massiven Schäden durch die Monokulturen egal, die schon seit hundert Jahren angeprangert werden: „Willst du den Wald vernichten, pflanze Fichten, Fichten Fichten!“.

Ich galt bald als der langhaarige Ökospinner, zu blöd zu begreifen, dass die Fichte der „Brotbaum“ ist . Gemeint ist natürlich “ Geldbaum“. Das Wort „Brot“, seit jeher Inbegriff für Leben ( so z.B. im Gebet der Gebete), wird hier also zur Tarnung von zerstörerischer Profitgier missbraucht. Dieses „Geschäftsmodell“ ist mittlerweile katastrophal in der „Borkenkäferkalamität“gescheitert, Das „böse“Tierchen befällt aber nur kranke Bäume; dass alle krank waren, ist nicht sein, sondern das Werk der Förster und Forstfans. Die müssten sich angesichts des Desasters vor Scham verkriechen, zumindest aber ihr Versagen eingestehen und Abbitte leisten.

Stattdessen treten sie rotzfrech wieder vor die Öffentlichkeit und bieten sich nun als Retter an. Ein neues “ Geschäftsmodell“ suchen sie zwar noch, klempnern aber schon mal mit exotischen Baumarten rum. Und verlangen von der Allgemeinheit eine Entschädigung für die vielfältigen lebenswichtigen Funktionen des Waldes, die sie selbst doch so schwer beschädigt haben!

Beim Abräumen der Totholzmassen hatten sie bereits gezeigt, dass sie nichts gelernt haben: Der Einsatz von mehr als 20 t schweren Vollerntern war zwar wieder kostengünstig, hat aber alle 20 Meter in den Rückegassen den Boden dauerhaft abgetötet und verdichtet. Die zukünftigen Starkregen werden darauf zu Tal rauschen und Fluten erzeugen, statt ins Grundwasser zu versickern. Die Ahr lässt grüßen.

Das „Geschäftsmodell “ des fossilen Wachstums-Kapitalismus der Wohlhabenden und Mächtigen wird gerade auf die Spitze getrieben und unsere Lebensgrundlagen durch eine globale Klimakatastrophe weitgehend vernichten. Dem gegenüber ist der kaputte deutsche Wald natürlich nur eine Petitesse. Wozu also aufregen ? Scheißegal. Weiter so!

Leserbrief zum Artikel „Wie radikal ist die Letzte Generation?“

Ich finde es erschreckend, mit welch einer kaltschnäuzigen Ignoranz der Religionspsychologe die Realität des Klimawandels relativiert, die Gefahren leugnet und die meist jungen Menschen der „Letzten Generation“ als quasi religiöse Sekte wie die Zeugen Jehovas diffamiert.

Ich bin 79 Jahre alter Ökobauer und habe den Hof und mein Konsumverhalten bereits vor 30 Jahren auf den Klimawandel eingestellt und das 1990 in der Broschüre „Land in Sicht“, die im Netz zu finden ist, aufgeschrieben.

Seitdem erlebe ich nah an der Natur, dass die warnenden Prognosen der Wissenschaft stets von der Wirklichkeit überholt wurden und ich brauche schon lange keine wissenschaftliche Bestätigung mehr für die herannahende Klima-Katastrophe. Der tote Fichtenwald, der sterbende Laubwald, die zunehmenden Dürren und Starkregenereignisse wie an der Ahr: Das sind nicht „vorläufige Fakten“, „eine von mehreren Hochrechnungen“, oder eine „Reduzierung der Wirklichkeit“. Und es ist auch nicht die biblische Apokalypse oder die „Angst vor dem Weltuntergang“, welche die Aktivisten antreibt, sondern die höchst real drohende Welternährungskrise durch die fortschreitende Zerstörung von Acker- und Weideland. Hat der Vulgärpsychologe noch nicht bemerkt, dass bereits Millionen Mitmenschen, gerade z.B. in Pakistan oder Ostafrika, durch Fluten oder Dürren verelenden und (ver)hungern müssen, aber wir in den Wohlstandszonen der Welt mit unserem Überkonsum die Hauptverursacher sind? Und dass die Zeit für eine radikale Umkehr davon läuft, weshalb die jetzige Generation tatsächlich die letzte ist, welche die ganz große Katastrophe noch verhindern kann. Deshalb zeugt es gerade von Mitgefühl, auf Auto- und Startbahnen das stupide tödliche WeiterSo immer wieder mal zu stoppen.

Der UNO-  Generalsekretär fordert von uns Reichen immer verzweifelter eine drastische Reduktion von Klimagasen, die Menschheit sei dabei, „kollektiven Selbstmord zu begehen“. Wir befänden uns auf „ dem Highway zur Klimahölle mit dem Bleifuß auf dem Gas“. Haben Sie, Herr Utsch, eine Erklärung dafür, wie ein so total abgedrehter Sektenguru und Panikmacher ausgerechnet mit diesem enorm wichtigen Posten betraut werden konnte?

Ein besorgter Neujahrsgruß

In großer Sorge schaue ich – wie vermutlich wir alle – auf das neue Jahr und die vielfältigen Gefahren, die sich zusammenbrauen, gegenseitig verstärken und offensichtlich außer Kontrolle sind. Die Regierung versucht mit beispiellosen Schuldenbergen die Energie- und Wirtschaftskrise auszubremsen und schüttet unzählige Milliarden über Industrie und Haushalte aus, ob die es brauchen oder nicht. So werden zwar die befürchteten „Wutwinter“-Demos noch einmal abgewendet, aber keines der Probleme wird gelöst.

Putins brutaler Angriffskrieg sei schuld an der multiplen Krise, so heißt es unisono, der habe eine „Zeitenwende“ bewirkt. Ein noch 2022 unvorstellbarer Bellizismus hat von der „Zivil“gesellschaft Besitz ergriffen, alles Denken und Handeln beschränkt sich inzwischen auf Militär, Aufrüstung und „schwere Waffen“. Wenn das angeblich auch für „unsere Freiheit“ kämpfende ukrainische Volk nach einem von den USA aus geopolitischen Gründen gesponsorten „Abnutzungskrieg“ militärisch gewonnen haben sollte, wird es für Jahrzehnte eine befreite Trümmerwüste sein mit zahllosen Toten, Traumatisierten und Kriegsversehrten. Ich kann nicht glauben, dass die wie in Russland von ihren korrupten Oligarchen ausgeplünderten „einfachen Ukrainer“ alle so freudig ihr Leben gäben, wenn sie wüssten, dass sie es auch für den westlichen Wachstumskapitalismus und unsere Wohl-standsdroge Konsum opfern.

Der Ukrainekrieg ist in Wahrheit auch gar nicht die Ursache unserer „Polykrise“. Die liegt in einem anderen Krieg, dem „Völkerrechtswidrigen Angriffskrieg“, welchen der wohlhabende Teil der Menschheit gegen das Klima führt. Seine „schweren Waffen“ sind Ferienflieger, Kreuzfahrtschiffe, SUVs, Luxusprodukte, Shopping, usw., wir wissen es ja alle seit Jahrzehnten.

Zum Feind gemacht schlägt jetzt das Klima immer härter zurück und droht uns letztlich mit Vernichtung. Der UNO Generalsekretär (vermutlich kein Spinner) stellt nach der 27sten(!) gescheiterten Klimakonferenz fest, die Menschheit begehe gerade „kollektiven Selbstmord“, wir befänden uns „auf der Highway zur Klimahölle mit dem Bleifuß auf dem Gas“.

Tatsächlich zerstören längst schon dramatische Dürren, Regenfluten, extreme Hitzwellen, Wasser knappheit, Stürme, Pandemieen unsere Lebensgrundlagen, Hunger und Elend grassieren und statt endlich wirksam Klima zu schützen, verlegen sich die Regierungen immer schamloser auf eine Art Beschaffungskriminalität: So wie halt Putin, der sich die ukrainischen Ackerböden, die besten der Welt, mit Gewalt anzueignen sucht. Denn fest steht, wer in der sich zwangsläufig ständig weiter verschärfenden globalen Ernährungskrise am Ende über die letzten Ackerböden und Nahrungsmittel verfügt, wird der Sieger sein.

Tatsächlich hat die Regierung den Klimaschutz aufgegeben und für das Wirtschaftswachstum geopfert. Statt das Schlimmste zu verhindern, gießt die Regierung noch Benzin ins „Klima-Feuer“, der CO 2 Ausstoß steigt weiter an, statt drastisch zu sinken: Sie müsste sofort die Produktion und den Konsum unnützer Güter unterbinden oder zumindest sehr stark herunterfahren und Einsparungen durch Verbote erzwingen, doch sie bringt Kohlekraftwerke wieder ans Netz, beschafft Unmengen des zu Recht geächteten Frackinggases mit 20jährigen Vertragslaufzeiten und allein das CO2 der 100-Milliarden-Aufrüstung verhagelt die Bilanz. Sie entsorgt ihre Klimaverpflichtung aus dem Pariser Abkommen wie lästigen Müll und ein Bundesverfassungsgerichts-Urteil gleich mit. Sie schickt die heranwachsende Generation gnadenlos in die „Klimahölle.“

Darin befinden sich bereits die unschuldigen Opfer der pakistanischen Monsterflut oder der afrikanischen Extrem-Dürre, wo wir sie verelenden und verrecken lassen. Für eine taffe grüne Zynikerin verträgt sich das offenbar mit einer “Wertebasierten Außenpolitik“.

Ein paar Jahre lang sind Millionen Jugendliche in der Fridays for Future-Bewegung für echten Klimaschutz und ihre Überlebenschancen auf die Straßen gegangen. Bis auf den rechten Rand haben alle Parteien – vorneweg die Grünen – das „berechtigte Anliegen“ mit warmen Worten (Greta: „Blah, blah, Blah“) gewürdigt, tun aber bis heute das genaue Gegenteil und „klauen“ den Kindern ungerührt weiter die „Zukunft“.

Das abstoßenste Beispiel dafür ist, dass nicht einmal die perverse „Freiheit“ einer kleinen radikalen Minderheit reicher Egomanen, ihre Spritfresser mit 300 kmh über die Autobahn dreschen zu dürfen, per Temolimit unterbunden wird.

Es ist fast ein Wunder, dass aus der maßlosen Enttäuschung nicht längst schon ein wütender „Klima-Terrorismus“ entstanden ist, der die schädlichsten Auswüchse des Konsumkapitalismus und seine Protagonisten mit Gewalt angreift und zerstört. Stattdessen leisten immer mehr (vor allem junge) Menschen, die sich „ Letzte Generation“ nennen, gewaltlosen Widerstand. Sie sind die letzte Generation, welche den totalen Zusammenbruch noch verhindern kann, denn das Zeitfenster zur Vermeidung der (über)lebensgefährlichen Kipppunkte schließt sich in wenigen Jahren.

Sie stehen in der Tradition der edelsten Vorkämpfer für Menschenrechte wie Gandhi oder Martin Luther King, indem sie mit ihren Körpern den Klimakillenden Autoverkehr oder Flughäfen blockieren. Sie lassen sich dafür beschimpfen, misshandeln und ins Gefängnis sperren.

Sie alle handeln nach Henry David Thoreaus 1849 erschienenen Schrift „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“: Weil die Verfassung der USA die gleichen Rechte für alle Menschen garantiert, aber die Regierungen die Sklavenhaltung duldeten, dürfe man einem solchen Staat nicht mehr gehorchen, so Thoreau. Er verweigerte die Zahlung von Steuern und ging dafür ins Gefängnis.

Die Folgen der Klimaschutzverweigerung unserer heutigen Regierung sind in ihrer Menschen-verachtung vergleichbar mit den Verbrechen der Sklaverei, allerdings sind sie dazu noch irreversibel.

Der gewaltlose Widerstand der „Letzten Generation“könnte am Ende vielleicht ebenfalls wirksam werden. Deshalb wird er von den heutigen Mächtigen genauso gehasst und kriminalisiert wie früher der von Gandhi oder Martin Luther King. Mit Schaum vor dem Mund werden die Aktivisten von Politikern und Medien verhöhnt, aufs Übelste beschimpft und sogar mit der RAF gleichgestellt. In Bayern werden sie auf Verdacht eingesperrt, mich erinnert das an die „Schutzhaft“ der Nazis.

Eine Kriminologie-Professorin hat es in „Der Freitag“ so ausgedrückt: Die „Letzte Generation“ wird überkriminalisiert, die Regierung unterkriminalisiert.

Jetzt droht den mutigen Mitmenschen die Anwendung des §129 StGB „Kriminelle Vereinigung“. Das bedeutet jahrelange Gefängnisstrafen für friedliche Proteste und vor allem: Auch die bloße Zugehörigkeit zu der Gruppe und ihre Unterstützung sind strafbar. Das Demonstrations“recht“ von Erdogan oder Putin scheint so schlecht offenbar doch nicht zu sein.

Aus Protest dagegen zeigen sich immer mehr Mitmenschen selber als Unterstützer an, um diese unglaubliche Klassenjustiz mit Ermittlungsverfahren zu überschwemmen und so ad absurdum zu führen.

Ich schließe mich dem an und begehe hiermit diese Straftat, indem ich euch alle aufrufe, ebenfalls der „Letzten Generation“ zu Hilfe zu kommen, damit die wahrhaft kriminelle Vereinigung von gewissenlosen Politikern, gierigen Wirtschaftsbossen und konsumgeilen Spießbürgern vielleicht noch rechtzeitig vor dem Klimakollaps gestoppt werden kann.

Selbstanzeigen kann man einreichen über die Webseite der Letzten Generation:

https://webforms.letztegeneration.de/selbstanzeige

Mit nicht ganz hoffnungslosen Grüßen,
am (bislang wärmsten) 1. Januar 2023

Lothar Gothe

Leserbrief zu „Eisbahn auf der Kippe“

Da gibt es also in Bergneustadt Geschäftsleute, die in diesen Zeiten ernsthaft überlegen, erneut das beliebte, aber extrem energiefressende und klimakillende Spaßevent „Eisbahn“ zu veranstalten, vor Corona als „Wintermärchen“ bekannt.

Haben diese Leute immer noch nicht mitbekommen, dass durch derart konsumistischen Lebensstil inzwischen das Überleben der Menschheit auf der Kippe steht ?

Rückblick: 2020 habe ich mit Freunden aus Protest eine abgestorbene Fichte vor dem Eis aufgestellt mit der Parole: „ Australien grüßt Wintermärchen“. Damals brannte das verdorrte Australien, es interessierte aber kaum einen.

Heute brennt halb Europa , das Ahrtal sieht aus wie nach einem Bombenkrieg, weltweit Fluten, Dürren, extreme Hitze, Hungersnöte: Eine dramatische globale Ernährungskrise hat Fahrt aufgenommen und ist nicht mehr zu stoppen. Verteilungskämpfe um die schwindenden Ackerböden werden jetzt mit brutaler Gewalt geführt, wie Putins kriegerische Aneignung von Ukraines fruchtbarer Schwarzerde zeigt. Auch in Oberberg Hitzewellen, braune Wiesen, trockene Bäche, absterbender Laubwald. Höchste Zeit, Überkonsum und Produktion von nutzlosen Luxusgütern zurückzufahren, viele müssten endlich Verzichten lernen oder dazu gezwungen werden. Die Regierung aber versucht stattdessen in blinder Panik, den Einbruch von Wachstumswirtschaft und Wohlstand mit gigantischen Geldspritzen auf Pump abzuwenden und heizt dabei das Klima durch Frackinggas, Kohle und militärische Aufrüstung noch weiter an. Trotzdem kommt die Wirtschaftskrise mit wachsender Armut und der Gefahr schwerer gesellschaftlicher Verwerfungen, die hoffentlich nicht erneut im Faschismus enden.

Voller Scham habe ich neulich gesehen, dass die Schlange vor der Bergneustädter Tafel bis auf die Kölnerstraße reichte. Diese notleidenden Mitmenschen haben sicherlich viel weniger zur Klima-erhitzung und der Lebenmittelverteuerung beigetragen als die konsumgeilen Mittelklassebürger. In einer gerechten Welt wären es aber diese Leute, die als Hauptverursacher der Not an der Tafel anstehen müssten.

Wie wärs, wenn Bergneustadts kommerzielle Märchenfreunde diesmal ein soziales „Sommermärchen“ auf die Beine stellen und jetzt den Menschen helfen, die unter den Klimawandelfolgen besonders leiden ? Wir haben 2020 jedenfalls die Sponsorentafel fotografiert für ein Mahnmal der Schande, falls demnächst in einer verwüsteten Welt wieder mal keiner Täter oder Mitläufer gewesen sein will.

Leserbrief zum Bericht „Wald soll Wald bleiben“

Roland Raisig kritisiert vollkommen zu Recht die vielfachen Umwandlungen von Forstflächen in Grünland, die nach dem Orkan „Kyrill“ auf vielen der verwüsteten Parzellen stattfanden. Dass dies mit Genehmigung der Forstbehörden geschah, ist neben der jahrzehntelangen unkritischen Förderung der Fichtenmonokulturen deren zweites fundamentales Versagen gegenüber Klimaerhitzung und Artensterben.

Der Klimaschaden entsteht nicht so sehr durch das Methan, welches die Kühe ausstoßen, sondern durch die Art der Grünlandbewirtschaftung. Wären es artenreiche Wiesen geworden , die zweimal für Heu gemäht und mit Stallmist gedüngt werden, so wären humusreiche Böden entstanden, die CO 2 und Wasser speichern können und die Artenvielfalt fördern.

Es sind aber Grünlandflächen, die 4 bis 5 mal für Silage gemäht und mit Gülle getränkt werden, mit schädlichen Folgen für Klima und Artenvielfalt. Da außer Löwenzahn so gut wie keine Gräser und Kräuter mehr zum Blühen kommen, ist diese Wirtschaftsweise der Hauptgrund für das bedrohliche Insektensterben. Den zukünftigen Dürren und Starkregen werden die Böden dieser Futterflächen so wenig standhalten können wie die Fichtenmonokulturen, zumal das kühlende Kleinklima der Schatten spendenden Landschaftselemente wie Baumgruppen, Hecken und Gehölzstreifen per Flurbereinigung für den Einsatz von Großtechnik beseitigt wurden. Deren allseits bewunderte „Schlagkraft“ war 2018 auf den verdorrten Flächen aber gleich Null. Dieser Schock hat die lebensgefährliche Illusion offengelegt, der Mensch könne der Natur mit Hilfe der industriellen Produktionsweise immer größere Erträge abpressen.

Dies ist kein Bauernbashing, denn das Silage-Gülle-Kraftfutter-Hightech-Hochleistungskuh-System ist den niedrigen Erzeugerpreisen geschuldet.Die Politik hat seit jeher die Landwirtschaft in die Massenproduktion billiger Lebensmittel gedrängt, damit immer größere Anteile der Einkommen für Industrieprodukte ausgegeben werden können. Die Bauern liefern, die Industrie brummt und wir Mittelklasse-Konsumenten können so maßlos drauflos shoppen und uns so hemmungslos vergnügen wie nie zuvor in der Weltgeschichte. Wir haben es zu weit getrieben, denn jetzt hat uns das aufgeheizte Klima den Krieg erklärt und zerstört unwiederbringlich Ackerböden, Wald und Weideland. Dass dies unsere Lebensgrundlagen sind und nicht etwa die Auto- oder Freizeitindustrie, das werden auch wir vielleicht schon bald an einem Mangel von Nahrungsmitteln spüren. Die Bauern werden anders arbeiten müssen und wir alle anders leben, sonst droht demnächst auch uns wieder der Menschheits-Alptraum, nicht genug zu essen zu haben. Wer das angesichts von Dürre, Flut, toten Bäumen und Corona immer noch für Panikmache hält, dem fehlt es in einem pathologischen Ausmaß an Phantasie.

Leserbrief zum Artikel „Kirche pflanzt Wald der Zukunft“

 

Jetzt pflanzt also auch die katholische Kirche den „Wald der Zukunft“, obwohl ja kein Mensch weiß, was das für einer sein wird. Sie beklagt die „toten Monokulturen“ und der Dechant verurteilt scharf, dass der „Nutzungsgedanke bis zur Ausbeutung ausgereizt wird“.

Genau so ist allerdings auch der „Großgrundbesitzer“ Kirche bislang mit seinen Wäldern umgegangen. Statt der fälligen Selbstkritik präsentieren ihre Mitarbeiter jedoch die großmäulige Aktion „1:0 für die Schöpfung“, die in peinlichem Mißverhältnis steht zu den lächerlichen 0,2 Hektar Versuchsfläche.

Der Dechant weist auf die päpstliche Enzyklika zum Umwelt- und Klimaschutz hin, geht aber leider nicht auf deren Inhalt ein: Eine radikale Abrechnung mit der neoliberalen Globalisierung und dem bei uns vorherrschenden obszönen Konsumismus. Franziskus sieht darin sowohl die Ursachen für Elend und Krieg als auch für den Klimawandel:

Die Anbetung des goldenen Kalbs hat eine neue und erbarmungslose Form gefunden im Fetischismus des Geldes und in der Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne ein wirklich menschliches Ziel… In diesem System, das dazu neigt, alles aufzusaugen, um den Nutzen zu steigern, ist alles Schwache wie die Umwelt wehrlos gegenüber den Interessen des vergötterten Markts.“

Die Mechanismen der augenblicklichen Wirtschaft fördern eine Anheizung des Konsums, aber es stellt sich heraus, dass der zügellose Konsumismus, gepaart mit sozialer Ungleichheit, das soziale Gefüge doppelt schädigt… Diese Wirtschaft tötet.“

Der Mensch an sich wird wie ein Konsumgut betrachtet, das man gebrauchen und dann wegwerfen kann. Wir haben die Wegwerfkultur eingeführt, die sogar gefördert wird…“ „Um einen Lebensstil vertreten zu können, der die andern ausschließt, oder um sich für dieses egoistische Ideal begeistern zu können, hat sich eine Globalisierung der Gleichgültigkeit entwickelt…

Solch unangenehme Wahrheiten überhören offenbar auch katholische Funktionäre lieber, selbst wenn sie vom Chef kommen: Dessen Rezept zur Verhinderung der Klimakatastrophe und das für eine humanere Welt ist dasselbe, nämlich eine Abkehr von der kapitalistischen Wachstumswirtschaft und eine global gerechte Verteilung nachhaltig erzeugter Güter. Für die meisten von uns bedeutet daher echter Klimaschutz auf jeden Fall erheblicher Konsumverzicht: Schluss mit Ferienflug, Kreuzfahrt, SUV, Shoppingtour usw. Wenn wir dazu nicht bereit sind, hat der Wald sowieso keine Zukunft und wir Menschen vielleicht auch nicht. Durch die kanadische Extremhitze oder die Regenfluten hier müsste es doch auch dem letzten Konsumidioten dämmern, dass es für diese radikale Umkehr allerhöchste Zeit ist.

Grüne Irrläufer…

Leserbrief zu den Zuschriften zum „Wintermärchen“

Als wir die Protestaktion gegen das „Wintermärchen“ planten, war uns natürlich klar, dass viele uns als Spaßverderber sehen würden. Trotzdem haben wir gehofft, dass die abgestorbene Fichte und der Hinweis auf Australien auch sie zum Nachdenken anregen würde. Dort haben ja genau wie hierzulande Politik und Verbraucher seit 30 Jahren die Warnungen in den Wind geschlagen und das auf der Verbrennung fossiler Energieträger beruhende materielle Wohlleben in vollen Zügen genossen.

Nun sind die vorausgesagten albtraumartigen Zustände mit brutaler Macht über diese ignorante Gesellschaft hereingebrochen. Jetzt geht es nicht mehr nur um Konsumverzicht, sondern um den Zusammenbruch der materiellen Existenz von Millionen und für Tausende ums nackte Überleben. Sicherlich bereuen heute viele, dass sie nicht rechtzeitig die fossile Wachstumswirtschaft umgebaut und ihren Konsum deutlich eingeschränkt haben.

Die dürre Fichte sollte mahnen, dass derartiges in der einen oder anderen Form auch uns bevorsteht. Fast alle Klimaexperten der Welt haben kürzlich für die UNO-Organisation IPCC ihre Erkenntnisse zusammengefasst und sind zu dem erschreckenden Ergebnis gekommen, dass wir nur noch 10 Jahre Zeit haben für ein radikales Umsteuern der Wirtschaft und ein deutliches Absenken des Konsums, weil sich sonst die Erde auch ohne unser Zutun unkontrollierbar immer weiter aufheize und eine „Menschheitskatastrophe“ drohe. „Wir“, das sind die 20% der Weltbevölkerung, die für 50% der Treibhausgase verantwortlich sind und damit auch für Not und Elend der wachsenden Zahl unschuldiger Klimaopfer in den Armutsländern des Südens. Soviel zu Klimagerechtigkeit, Men-schenrechten und unserer sogenannten „Werteordnung“.

Es ist deshalb zum Fremdschämen, mit welch kindischen Ausflüchten trotz alledem dieser zerstörerische Lebensstil verteidigt wird; als wären wir ohne solche extrem aufwendigen Party-Events zu einem grauen, freudlosen Dasein verdammt (Schlittschuhlaufen kann man auch in der Wiehler Halle).

Es ist fatal, dass ausgerechnet der Grüne und Sprecher der Hausärzte Krolewski die „Märchenverbraucher“ von jeder Mitverantwortung freispricht, indem er die geschönte CO2- Bilanz des Veranstalters kritiklos übernimmt, den somit „geringen“CO 2 Ausstoß für völlig unbedeutend (symbolisch) erklärt und zudem die gefährliche Illusion verbreitet, der Verbrauch des Kohlestroms werde durch den Ablasshandel „Ökoabgabe“ klimaneutral.

Gerade weil die von ihm vorgeschlagenen Appelle an staatliche Institutionen und Programme seit 30 Jahren ins Leere laufen, gibt es die Fridays for Future Bewegung, die sofortiges Handeln einfordert, auch und gerade von jedem persönlich. Ihm ist wohl nicht bewußt, dass seine unsägliche Verharmlosung solch klimaschädlicher Vergnügungen den Schülern in den Rücken fällt und dass er damit den beispielhaft radikalen Konsumverzicht ihrer Leitfigur Greta Thunberg zur Freude der rechten Klimaleugner der Lächerlichkeit preisgibt.

Ich kann nur hoffen, dass er nicht für alle Grüne und alle Hausärzte spricht, sonst müssten wir wohl bald alle Hoffnung fahren lassen.

Fridays For Future in Gummersbach

Leserbrief zu dem Artikel „Weniger, aber nicht leiser“

In meinem Leben habe ich an vielen Demos teilgenommen, so was wie am 29.11. in Gummersbach habe ich aber noch nie erlebt. Ich freute mich auf Schülerbeiträge auf der Abschlusskundgebung, nachdem mich einige schon bei der vorigen Demo in Einzelgesprächen mit ihrer beachtlichen Kompetenz beeindruckt hatten.

Sieh mal an, dachte ich, als dann Landrat und Bürgermeister die Bühne betraten, jetzt wanzen auch sie sich mit Grussworten bei „fridays for future“ an. Doch dabei blieb es leider nicht, denn sie hielten lange, selbstgefällige Reden und kaperten so die Kundgebung. Nach dem üblichen väterlich wohlwollenden Lob für den „Mut der jungen Leute“ wurden diese von oben herab ohne jeden Anflug von Selbstkritik darüber belehrt, dass es mit dem Klimaschutz aber nicht so einfach sei (1968 nannten wir so was „repressive Toleranz“). Es kamen die üblichen Parolen, mit denen die Politik seit Jahrzehnten ihre Untätigkeit kaschiert: Man dürfe die Wirtschaft nicht überfordern, müsse die Menschen mitnehmen, Ökonomie und Ökologie in Übereinstimmung bringen,usw. Der „erforderliche Konsens für die großen Umgestaltungen sei noch nicht gegeben“, so der Landrat, der nichts weiter vorzuweisen hat als (angeblichen) Ökostrom vom Kohlemonster Rheinenergie/RWE/Aggerenergie. Aber er will jetzt ein Programm mit 178 (!) Punkten vorlegen ( warum nicht gleich 1780 ?)!

Das werden viele genauso als Verarschung betrachten wir die haltlose Behauptung des Bürgermeisters, das Steinmüllergelände sei ein „gelungener Beitrag zum Klimaschutz“, weil zum Teil mit Hackschnitzeln geheizt wird. Das jämmerliche bischen Klimaschutz geht nämlich völlig unter allein schon in der verheerenden CO-Bilanz des Einkaufstempels Forum, in dem gerade Massen von „Black Friday“-Schnäppchenjägern Berge von Konsumartikeln aus aller Welt zusammenrafften, die großenteils bereits bald nach dem Fest beim Abfall landen. Es folgten weitere freundlich-selbstgefällige Belehrungen von grauhaarigen Vertretern des Klimabündnisses, die sich ebenfalls an die Jugendlichen anhängen. Die aber suchten anscheinend angesichts der feindlichen Übernahme und dem frindly fire nach und nach das Weite.

„…weil ihr uns die Zukunft klaut!“ rufen die Schüler andauernd und überall. Damit sind wir älteren Wohlstandsbürger gemeint, vor allem die Mächtigen in Wirtschaft und Politik. In Gummersbach klauen wir Zukunftsdiebe sogar noch ihren Protest.

Der sterbende Wald mahnt, die Nachrichten werden wöchentlich dramatischer, katastrophale Zustände rücken näher. Aber in Berlin wird die Windkraft blockiert, in Bergneustadt das Wintermärchen gefeiert, Konsumparty und Wachstumswirtschaft gehen unbeirrt weiter. Die Politik habe den Ernst der Lage nicht verstanden, so der Klimaforscher Rahmsdorf.

Wundert es da, dass sich immer mehr Schüler radikalisieren und mit Ende Gelände und Extinction Rebellion massiven Widerstand gegen unseren Konsumkapitalismus organisieren?