Archiv der Kategorie: Klimawandel

Leserbrief zum Bericht „Wald soll Wald bleiben“

Roland Raisig kritisiert vollkommen zu Recht die vielfachen Umwandlungen von Forstflächen in Grünland, die nach dem Orkan „Kyrill“ auf vielen der verwüsteten Parzellen stattfanden. Dass dies mit Genehmigung der Forstbehörden geschah, ist neben der jahrzehntelangen unkritischen Förderung der Fichtenmonokulturen deren zweites fundamentales Versagen gegenüber Klimaerhitzung und Artensterben.

Der Klimaschaden entsteht nicht so sehr durch das Methan, welches die Kühe ausstoßen, sondern durch die Art der Grünlandbewirtschaftung. Wären es artenreiche Wiesen geworden , die zweimal für Heu gemäht und mit Stallmist gedüngt werden, so wären humusreiche Böden entstanden, die CO 2 und Wasser speichern können und die Artenvielfalt fördern.

Es sind aber Grünlandflächen, die 4 bis 5 mal für Silage gemäht und mit Gülle getränkt werden, mit schädlichen Folgen für Klima und Artenvielfalt. Da außer Löwenzahn so gut wie keine Gräser und Kräuter mehr zum Blühen kommen, ist diese Wirtschaftsweise der Hauptgrund für das bedrohliche Insektensterben. Den zukünftigen Dürren und Starkregen werden die Böden dieser Futterflächen so wenig standhalten können wie die Fichtenmonokulturen, zumal das kühlende Kleinklima der Schatten spendenden Landschaftselemente wie Baumgruppen, Hecken und Gehölzstreifen per Flurbereinigung für den Einsatz von Großtechnik beseitigt wurden. Deren allseits bewunderte „Schlagkraft“ war 2018 auf den verdorrten Flächen aber gleich Null. Dieser Schock hat die lebensgefährliche Illusion offengelegt, der Mensch könne der Natur mit Hilfe der industriellen Produktionsweise immer größere Erträge abpressen.

Dies ist kein Bauernbashing, denn das Silage-Gülle-Kraftfutter-Hightech-Hochleistungskuh-System ist den niedrigen Erzeugerpreisen geschuldet.Die Politik hat seit jeher die Landwirtschaft in die Massenproduktion billiger Lebensmittel gedrängt, damit immer größere Anteile der Einkommen für Industrieprodukte ausgegeben werden können. Die Bauern liefern, die Industrie brummt und wir Mittelklasse-Konsumenten können so maßlos drauflos shoppen und uns so hemmungslos vergnügen wie nie zuvor in der Weltgeschichte. Wir haben es zu weit getrieben, denn jetzt hat uns das aufgeheizte Klima den Krieg erklärt und zerstört unwiederbringlich Ackerböden, Wald und Weideland. Dass dies unsere Lebensgrundlagen sind und nicht etwa die Auto- oder Freizeitindustrie, das werden auch wir vielleicht schon bald an einem Mangel von Nahrungsmitteln spüren. Die Bauern werden anders arbeiten müssen und wir alle anders leben, sonst droht demnächst auch uns wieder der Menschheits-Alptraum, nicht genug zu essen zu haben. Wer das angesichts von Dürre, Flut, toten Bäumen und Corona immer noch für Panikmache hält, dem fehlt es in einem pathologischen Ausmaß an Phantasie.

Leserbrief zum Artikel „Kirche pflanzt Wald der Zukunft“

 

Jetzt pflanzt also auch die katholische Kirche den „Wald der Zukunft“, obwohl ja kein Mensch weiß, was das für einer sein wird. Sie beklagt die „toten Monokulturen“ und der Dechant verurteilt scharf, dass der „Nutzungsgedanke bis zur Ausbeutung ausgereizt wird“.

Genau so ist allerdings auch der „Großgrundbesitzer“ Kirche bislang mit seinen Wäldern umgegangen. Statt der fälligen Selbstkritik präsentieren ihre Mitarbeiter jedoch die großmäulige Aktion „1:0 für die Schöpfung“, die in peinlichem Mißverhältnis steht zu den lächerlichen 0,2 Hektar Versuchsfläche.

Der Dechant weist auf die päpstliche Enzyklika zum Umwelt- und Klimaschutz hin, geht aber leider nicht auf deren Inhalt ein: Eine radikale Abrechnung mit der neoliberalen Globalisierung und dem bei uns vorherrschenden obszönen Konsumismus. Franziskus sieht darin sowohl die Ursachen für Elend und Krieg als auch für den Klimawandel:

Die Anbetung des goldenen Kalbs hat eine neue und erbarmungslose Form gefunden im Fetischismus des Geldes und in der Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne ein wirklich menschliches Ziel… In diesem System, das dazu neigt, alles aufzusaugen, um den Nutzen zu steigern, ist alles Schwache wie die Umwelt wehrlos gegenüber den Interessen des vergötterten Markts.“

Die Mechanismen der augenblicklichen Wirtschaft fördern eine Anheizung des Konsums, aber es stellt sich heraus, dass der zügellose Konsumismus, gepaart mit sozialer Ungleichheit, das soziale Gefüge doppelt schädigt… Diese Wirtschaft tötet.“

Der Mensch an sich wird wie ein Konsumgut betrachtet, das man gebrauchen und dann wegwerfen kann. Wir haben die Wegwerfkultur eingeführt, die sogar gefördert wird…“ „Um einen Lebensstil vertreten zu können, der die andern ausschließt, oder um sich für dieses egoistische Ideal begeistern zu können, hat sich eine Globalisierung der Gleichgültigkeit entwickelt…

Solch unangenehme Wahrheiten überhören offenbar auch katholische Funktionäre lieber, selbst wenn sie vom Chef kommen: Dessen Rezept zur Verhinderung der Klimakatastrophe und das für eine humanere Welt ist dasselbe, nämlich eine Abkehr von der kapitalistischen Wachstumswirtschaft und eine global gerechte Verteilung nachhaltig erzeugter Güter. Für die meisten von uns bedeutet daher echter Klimaschutz auf jeden Fall erheblicher Konsumverzicht: Schluss mit Ferienflug, Kreuzfahrt, SUV, Shoppingtour usw. Wenn wir dazu nicht bereit sind, hat der Wald sowieso keine Zukunft und wir Menschen vielleicht auch nicht. Durch die kanadische Extremhitze oder die Regenfluten hier müsste es doch auch dem letzten Konsumidioten dämmern, dass es für diese radikale Umkehr allerhöchste Zeit ist.

Grüne Irrläufer…

Leserbrief zu den Zuschriften zum „Wintermärchen“

Als wir die Protestaktion gegen das „Wintermärchen“ planten, war uns natürlich klar, dass viele uns als Spaßverderber sehen würden. Trotzdem haben wir gehofft, dass die abgestorbene Fichte und der Hinweis auf Australien auch sie zum Nachdenken anregen würde. Dort haben ja genau wie hierzulande Politik und Verbraucher seit 30 Jahren die Warnungen in den Wind geschlagen und das auf der Verbrennung fossiler Energieträger beruhende materielle Wohlleben in vollen Zügen genossen.

Nun sind die vorausgesagten albtraumartigen Zustände mit brutaler Macht über diese ignorante Gesellschaft hereingebrochen. Jetzt geht es nicht mehr nur um Konsumverzicht, sondern um den Zusammenbruch der materiellen Existenz von Millionen und für Tausende ums nackte Überleben. Sicherlich bereuen heute viele, dass sie nicht rechtzeitig die fossile Wachstumswirtschaft umgebaut und ihren Konsum deutlich eingeschränkt haben.

Die dürre Fichte sollte mahnen, dass derartiges in der einen oder anderen Form auch uns bevorsteht. Fast alle Klimaexperten der Welt haben kürzlich für die UNO-Organisation IPCC ihre Erkenntnisse zusammengefasst und sind zu dem erschreckenden Ergebnis gekommen, dass wir nur noch 10 Jahre Zeit haben für ein radikales Umsteuern der Wirtschaft und ein deutliches Absenken des Konsums, weil sich sonst die Erde auch ohne unser Zutun unkontrollierbar immer weiter aufheize und eine „Menschheitskatastrophe“ drohe. „Wir“, das sind die 20% der Weltbevölkerung, die für 50% der Treibhausgase verantwortlich sind und damit auch für Not und Elend der wachsenden Zahl unschuldiger Klimaopfer in den Armutsländern des Südens. Soviel zu Klimagerechtigkeit, Men-schenrechten und unserer sogenannten „Werteordnung“.

Es ist deshalb zum Fremdschämen, mit welch kindischen Ausflüchten trotz alledem dieser zerstörerische Lebensstil verteidigt wird; als wären wir ohne solche extrem aufwendigen Party-Events zu einem grauen, freudlosen Dasein verdammt (Schlittschuhlaufen kann man auch in der Wiehler Halle).

Es ist fatal, dass ausgerechnet der Grüne und Sprecher der Hausärzte Krolewski die „Märchenverbraucher“ von jeder Mitverantwortung freispricht, indem er die geschönte CO2- Bilanz des Veranstalters kritiklos übernimmt, den somit „geringen“CO 2 Ausstoß für völlig unbedeutend (symbolisch) erklärt und zudem die gefährliche Illusion verbreitet, der Verbrauch des Kohlestroms werde durch den Ablasshandel „Ökoabgabe“ klimaneutral.

Gerade weil die von ihm vorgeschlagenen Appelle an staatliche Institutionen und Programme seit 30 Jahren ins Leere laufen, gibt es die Fridays for Future Bewegung, die sofortiges Handeln einfordert, auch und gerade von jedem persönlich. Ihm ist wohl nicht bewußt, dass seine unsägliche Verharmlosung solch klimaschädlicher Vergnügungen den Schülern in den Rücken fällt und dass er damit den beispielhaft radikalen Konsumverzicht ihrer Leitfigur Greta Thunberg zur Freude der rechten Klimaleugner der Lächerlichkeit preisgibt.

Ich kann nur hoffen, dass er nicht für alle Grüne und alle Hausärzte spricht, sonst müssten wir wohl bald alle Hoffnung fahren lassen.

Fridays For Future in Gummersbach

Leserbrief zu dem Artikel „Weniger, aber nicht leiser“

In meinem Leben habe ich an vielen Demos teilgenommen, so was wie am 29.11. in Gummersbach habe ich aber noch nie erlebt. Ich freute mich auf Schülerbeiträge auf der Abschlusskundgebung, nachdem mich einige schon bei der vorigen Demo in Einzelgesprächen mit ihrer beachtlichen Kompetenz beeindruckt hatten.

Sieh mal an, dachte ich, als dann Landrat und Bürgermeister die Bühne betraten, jetzt wanzen auch sie sich mit Grussworten bei „fridays for future“ an. Doch dabei blieb es leider nicht, denn sie hielten lange, selbstgefällige Reden und kaperten so die Kundgebung. Nach dem üblichen väterlich wohlwollenden Lob für den „Mut der jungen Leute“ wurden diese von oben herab ohne jeden Anflug von Selbstkritik darüber belehrt, dass es mit dem Klimaschutz aber nicht so einfach sei (1968 nannten wir so was „repressive Toleranz“). Es kamen die üblichen Parolen, mit denen die Politik seit Jahrzehnten ihre Untätigkeit kaschiert: Man dürfe die Wirtschaft nicht überfordern, müsse die Menschen mitnehmen, Ökonomie und Ökologie in Übereinstimmung bringen,usw. Der „erforderliche Konsens für die großen Umgestaltungen sei noch nicht gegeben“, so der Landrat, der nichts weiter vorzuweisen hat als (angeblichen) Ökostrom vom Kohlemonster Rheinenergie/RWE/Aggerenergie. Aber er will jetzt ein Programm mit 178 (!) Punkten vorlegen ( warum nicht gleich 1780 ?)!

Das werden viele genauso als Verarschung betrachten wir die haltlose Behauptung des Bürgermeisters, das Steinmüllergelände sei ein „gelungener Beitrag zum Klimaschutz“, weil zum Teil mit Hackschnitzeln geheizt wird. Das jämmerliche bischen Klimaschutz geht nämlich völlig unter allein schon in der verheerenden CO-Bilanz des Einkaufstempels Forum, in dem gerade Massen von „Black Friday“-Schnäppchenjägern Berge von Konsumartikeln aus aller Welt zusammenrafften, die großenteils bereits bald nach dem Fest beim Abfall landen. Es folgten weitere freundlich-selbstgefällige Belehrungen von grauhaarigen Vertretern des Klimabündnisses, die sich ebenfalls an die Jugendlichen anhängen. Die aber suchten anscheinend angesichts der feindlichen Übernahme und dem frindly fire nach und nach das Weite.

„…weil ihr uns die Zukunft klaut!“ rufen die Schüler andauernd und überall. Damit sind wir älteren Wohlstandsbürger gemeint, vor allem die Mächtigen in Wirtschaft und Politik. In Gummersbach klauen wir Zukunftsdiebe sogar noch ihren Protest.

Der sterbende Wald mahnt, die Nachrichten werden wöchentlich dramatischer, katastrophale Zustände rücken näher. Aber in Berlin wird die Windkraft blockiert, in Bergneustadt das Wintermärchen gefeiert, Konsumparty und Wachstumswirtschaft gehen unbeirrt weiter. Die Politik habe den Ernst der Lage nicht verstanden, so der Klimaforscher Rahmsdorf.

Wundert es da, dass sich immer mehr Schüler radikalisieren und mit Ende Gelände und Extinction Rebellion massiven Widerstand gegen unseren Konsumkapitalismus organisieren?

Und wer kümmert sich um das Klima?!

Leserbrief zum Artikel „Jetzt kümmern sich alle um das Klima“ vom 15.6.2019

Es ist schon peinlich, mit welch einem hilflosen Gehampel der Kreistag parteiübergreifend auf den Europawahl-Schock reagiert. Die bisherige Kohle/RWE Partei SPD verlangt nun plötzlich die Ausrufung des Klimanotstands, Grüne und Linke schließen sich freudig an. Durch solch wohlfeilen Verbalradikalismus wird natürlich nicht ein Kilogramm CO2 vermieden, das haben reihenweise gebrochene Klimaschutzzusagen und internationale Verpflichtungen in der Vergangenheit sattsam bewiesen. Die anderen Parteien von CDU bis FWO erkennen, man höre und staune, jetzt auch den von Menschen gemachten Klimawandel an. Ich bin zutiefst beeindruckt, auch wenn dieser Erkenntnisprozess etwas spät kommt: Die erste Klimakonferenz mit entsprechenden Warnungen vor den Folgen, die jetzt auch hier eintreten, war nämlich in Genf im Jahr 1979!

Damals wurde auch die grüne Partei gegründet, zentrale Forderungen waren Konsumverzicht und Abkehr von der Wachstumswirtschaft (Club of Rome: Grenzen des Wachstums, 1972). Wie läppisch klingen dagegen die gebetsmühlenartigen Forderungen der heutigen Partei der Besserverdienenden und Vielflieger (und des Vereins NOVE) nach rein technischen „Lösungen“ wie Nahwärmenetzen oder Fotovoltaikanlagen. Ist doch trotz tausender solcher Anlagen der CO2-Ausstoß nicht nur nicht gesunken, sondern gestiegen! Der anwachsende Konsum frisst offensichtlich deren positive Wirkungen immer wieder auf. An den Konsum will aber lieber keiner ran. Warum auch, denn CDU & Co haben ja ebenfalls einen tollen Lösungsvorschlag erarbeitet: Die OVAG möge doch bitte mal testweise einen Brennstoffzellenbus anschaffen. Da kommt aber Hoffnung auf, oder?

Im Unterschied zu derartig flachem Politpalaver diskutieren die streikenden Schüler über die Ursachen und die Folgen des Klimawandels auf sehr hohem Niveau. Viele von ihnen sehen den Zusammenhang mit kapitalistischer Wachstumsökonomie und Lebenstil und haben begriffen, dass nur eine radikale, grundsätzliche Änderung von beidem die Rettung bringen kann. Und dass das Klima keine Kompromisse kennt, weil es nämlich um ein physikalisches Problem geht und nicht um ein politisches.

Auch die OVZ- Redaktion hat die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt: Das beigefügte Foto soll eine „Oberbergische Idylle“ abbilden, es zeigt aber eine riesige Grünlandfläche in ausgeräumter Landschaft, die durch viermal jährliches Mähen und Güllen nicht nur klimaschädlich ist, sondern auch eine weitere Katastrophe befördert, das dramatische Artensterben. Insekten finden dort (außer Löwenzahn) keine Blühpflanzen mehr, Vögel keine Samen. Auch das geschuldet dem Siegeszug des technisch-industriellen Wachstumswahns in der Landwirtschaft.

Auf Grund meiner Erfahrungen als „Alt 68er“ vermute ich, dass sich die protestierenden Jugendlichen bei weiter vorherrschender Ignoranz der Mächtigen gegenüber dem Ernst der Lage radikalisieren werden. So entsteht die Gefahr, dass die Verzweiflung einen Teil von ihnen in den Ökoterrorismus treiben könnte. Wollen wir auch das noch riskieren?

Der Kahlschlag soll den Wald retten. Im Ernst?

Leserbrief zu den Artikeln „Kahlschlag soll den Wald retten“ und „Ein Manager nicht nur für den Klimaschutz“

Da fahren wir wie gewohnt zum Autowanderparkplatz, um nach dem Kurzurlaub auf den Kanaren in der heimatlichen Natur den Hund auszuführen und müssen schockiert erleben: Der Wald ist weg! Vor uns liegt eine „wüste Mondlandschaft“, die neuen Schuhe im Dreck versaut, der Boden von 20 Tonnen schweren Maschinen auf Jahre hinaus ruiniert .

Voller Empörung nehmen wir uns jetzt Forstamt, Stadt und Waldbesitzer vor, die offensichtlich als geldgierige Vandalen diese Katastrophe verursacht und somit unsere Lebensqualität so schwer beeinträchtigt haben.

Der Bürgermeister: Die Borkenkäferplage erzwinge den „radikalen Kahlschlag“; die Förster: die explosionsartige Käfer-Vermehrung liege an der extremen Dürre; die, so die Klimaexperten, sei Folge der Klimaerwärmung, welche durch übermäßigen CO2-Ausstoß hervorgerufen wird.

Mittlerweile wissen wir alle, dass dieser wiederum von unseren übermotorisiertern PKWs, von Urlaub, Fleischkonsum, Warenverbrauch usw. verursacht wird. Wir selbst sind es also, die den Gummersbacher Wald vernichtet haben. Da wir aber ums Verrecken am Konsumismus festhalten, wirken unsere Proteste wie das Genöle verzogener Blagen, die schreiend mit dem Fuß auf den Boden stampfen, weil der Papa kein neues Spielzeug kaufen kann, nachdem sie das alte mutwillig zerstört haben.

Derart infantile, geistig-seelisch verkümmerte Gestalten, wie wir es sind, darf man offenbar nicht mit der harten Realität konfrontieren. Deshalb stellt sogar der Engelskirchner „Klimaschutzmanager“ (vormals BASF) seine „Überzeugung, dass Klimaschutzmassnahmen überfällig“ sind, „hintenan“ und tritt lieber gar nicht als „Klimaschützer“ auf, sondern als Berater beim Sparen. Klimaschutz sei dabei ein „Nebeneffekt“, ein „komplexes Thema, das vielen Menschen Angst mache“ wegen der „Sorge, den Lebensstandard aufgeben zu müssen, um die Natur zu schonen“. Solchem „Irrglauben“ begegnet dieser Undercover-Klimaschützer mit dem sedierenden Ammenmärchen, dass Strom aus Sonne und Wind klimaneutral wäre, weshalb wir damit „verschwenderisch umgehen (dürfen), ohne der Natur zu schaden“.

Es geht tatsächlich um Leben und Tod. Doch hier läßt man den Belzebub die Klimamesse lesen, damit wir weiter angstfrei den Konsumgötzen anbeten können, auch wenn wir deshalb demnächst im Chaos weiterer Dürren, Stürme, Regenfluten enden.

Wir brauchen Hilfe. Dringend.

Der böse Borkenkäfer?

Leserbrief zum Artikel „Borkenkäfer unterm Mikroskop“ vom 8.3.19

Jetzt, wo das „forstliche Kind“ in den Brunnen gefallen ist, schlägt auch der NRW-Waldschutzexperte Dr. Niesar Alarm: „Die Lage ist dermaßen katastrophal, dass nun alle an einem Strang ziehen müssen“. Es gäbe in wenigen Jahren keine alten Fichten mehr, „wenn wir jetzt nichts tun“.

Schuld sei der „gefrässige“ Borkenkäfer, der sich nach dem trockenen Hitzesommer „rasant ver-mehrt“ habe.

Der Borkenkäfer also, das ist der Übeltäter, der Böse, der „Schädling“, den wir alle gemeinsam mit allen Mitteln bekämpfen müssen, auch wenn dies inzwischen fast aussichtslos erscheint.

Obwohl ich selbst als Waldbesitzer schwer geschädigt bin, muss ich jedoch das winzige Tierchen gegen diese Verteufelung in Schutz nehmen: Der Borkenkäfer erfüllt nämlich nur die Aufgabe, die ihm in der Evolution zugewachsen ist: Er befällt schwache und kranke Bäume und bringt sie zum Absterben. Damit schafft er in dem komplexen System Wald Licht und Luft für Naturverjüngung und stabilisiert und schützt es somit.

Die augenblickliche Riesenkalamität beruht darauf, dass halt alle Bäume in den Fichtenplantagen schwach und krank sind und auf artenarmen, versauerten Böden stehen; dass sie kein Wald sind, sondern Monokulturen zur Holzproduktion, vergleichbar mit Maisfeldern. Dass nun Millionen Fichten absterben, ist also nicht die „Schuld“ des Borkenkäfers, sondern die einer industriell ausgerichteten, rein profitorientierten, ignoranten Forstwirtschaft. Das allerdings, Herr Dr. Niesar, wissen wir schon lange.

Angefeuert wird dieses „Forststerben“ durch die Klimaerwärmung, die ebenfalls nicht auf das Konto dieses Bösewichts geht; er profitiert zwar davon, hat aber mit deren Ursachen rein gar nichts zu tun.

Diese „Täter“ sind vielmehr wir Menschen, die wir als Nutznießer einer zerstörerischen Wachstumswirtschaft ein extrem verschwenderisches Wohlleben führen und dabei vor aller Augen die Lebensgrundlagen nicht nur im Wald ruinieren. Anstatt nun endlich diese schlimmste „Kalamität seit 1900“ als das Warnsignal zu erkennen, das sie ist, zeigen wir auf den bösen Borkenkäfer und bewegen uns ansonsten „weiter so“ auf dem Highway to Hell: Als die wahren globalen „Schädlinge“, ohne die geringste Bereitschaft zu Verzicht, ohne jede Spur von Mäßigung.

Die streikenden Schüler spüren, dass sie die Zeche werden zahlen müssen. Sie lehnen sich auf gegen das parteiübergreifende leere Geschwätz und die immer wieder aufs Neue gebrochenen Klimaschutz-Versprechen der nihilistischen Erwachsenen. Heute verachten sie uns dafür zu Recht als Heuchler, morgen werden sie uns verfluchen.

Wozu ein Holzkontor?

Leserbrief zu dem  Artikel über das neue „Holzkontor“ vom 1.3.2019

In zweierlei Hinsicht ist die Einrichtung dieses Holzkontors anachronistisch und und das Gegenteil von dem, was jetzt nötig wäre. Einmal hat uns doch das verheerende Waldjahr 2018 nachdrücklich vor Augen geführt, welche extremen Schäden bereits durch die Klimaerwärmung eingetreten sind: Dem Sturm Friederike im Winter, der Hitze und Trockenheit im endlosen Sommer und den nachfolgenden Schneemassen in den Alpen sind viele Millionen Bäume zum Opfer gefallen.

Wie jeder allerorten besichtigen kann, hat es vor allem die Nadelholzplantagen getroffen, die offensichtlich in naher Zukunft verschwinden werden. Die Produktion und Vermarktung von Fichtenstämmen ist aber das zentrale Geschäftsmodell des „Holzkontors“, dessen Ende bei seiner Gründung also schon vorprogrammiert ist. Welch ein Paradebeispiel für Realitätsverlust und Ignoranz!

Schlimmer als die wirtschaftlichen Schäden ist jedoch das weitere Anheizen des Klimas, weil die abgestorbenen Bäume als CO2-Senke ausfallen. Sie können  ihren „Klimajob“ ja nicht mehr tun und CO2 aus der Luft holen und im Holz binden. Das bedroht verstärkt unsere Lebensgrundlagen und die unserer Kinder. Diese  zu erhalten, gehört aber nicht zu den Aufgaben einer Einrichtung, die industrieller Holzproduktion und der Vermarktung verpflichtet ist.

Der („unwirtschaftliche“) Umbau der Fichtenplantagen in dauerhafte Laub-Mischwälder ist also für  das Überleben unbedingt notwendig, zumal wir ja  von der Droge Konsum offenbar nicht loskommen. Eine solche Aufgabe der Daseinsvorsorge gehört aber nicht in die Hände von privaten Verwertern, die einseitig ökonomische Interessen verfolgen. Diese Haltung hat ja gerade die jetzigen Monokultur-Kalamitäten unter Missachtung aller Warnungen verursacht. Die vom Kartellamt geforderte Privatisierung ist daher ein schwerer Fehler und muss rückgängig gemacht werden. Der Wald gehört insgesamt in die Zuständigkeit dem Allgemeinwohl verpflichteter Behörden wie den Forstämtern, auch wenn diese in der Vergangenheit auch ihre ethische Verpflichtung viel zu sehr dem industriellen Verwertungszwang untergeordnet haben.

Das „Wintermärchen“ – Leserbrief zum Leserbrief des Dr. Krolewski

Manchmal will man gar nicht glauben, was man soeben gelesen hat: Wenn die Bergneustädter ihr „Wintermärchen“ nutzen, so Dr. Krolewski, „tun sie aktuell was fürs Klima“, weil sie sonst zu hunderten mit ihren PKWs zum Kölner „Wintermärchen“ fahren müssten und dann natürlich noch mehr CO2 verursachen würden.

Nach dieser abstrusen Logik wäre es auch Klimaschutz, nach Malle zu fliegen. Denn man hätte ja auch einen Karibikflug für die „Freude an unserem sozialen Leben“ buchen können und 4t CO2 verbrauchen, statt einer halben. Bei jedem Malleflug werden so gesehen also beachtliche 3,5t CO2 eingespart!

Hallooo, gehts noch ?!

Events wie „Wintermärchen“ scheinen wie etwa hirnloses Autorasen sogar zu den unveräußerlichen deutschen Menschenrechten zu gehören: Verzicht völlig undenkbar! Die Eislaufalternative in der Wiehler Halle wird ja nicht einmal in Betracht gezogen, obwohl sie mit viel weniger Energie auskommt und zudem beheizte Zelte, Berge von Plastikmüll, Lärmbelästigung und erhebliche Feinstaubmengen aus den romantischen Feuerkörben vermeidet.

Natürlich darf das ewige Kindermärchen von der klimaneutralen regenerativen Energie auch bei Ralf Krolewski nicht fehlen: „No Problem“! Gerade,weil ich nicht „nur“ für Verzicht bin, steht auf unserem Hof eine der ersten oberbergischen Fotovoltaikanlagen. Für deren Herstellung und Transport leider aber so viel fossile(!) Energie verbraucht wurde, wie sie in ca 5 Jahren produziert. Von wegen: No Problem!

Sodann folgt die übliche verpfuschte internationale Klimabilanzierung, mit der wir unsere Verbrauchsexzesse wegzurechnen pflegen: Pro Kopf Verbrauch hier 9,9t jährlich, in China 7,5t! Rechnet man gerechterweise das CO2 der Herstellung dem Produktverbraucher und nicht dem Produzenten zu, müssen wir mindestens die Hälfte des chinesischen auf unser westliches Konto nehmen, dazu noch die gewaltigen Ausstöße der giftiges „Schweröl“ verbrennenden Containerschiffe. Sind diejenigen eines Kreuzfahrtschiffs voller deutscher Pensionäre panamesische, weil es unter Panamas Flagge fährt ?

Fakt ist, dass trotz tausender Solar- und Windkraftanlagen der deutsche CO2-Ausstoß nicht gesunken, sondern sogar gestiegen ist! Hauptgrund ist der konsumistische Lebensstil. Sogar dessen Auswüchse noch mit peinlichen argumentativen Verrenkungen zu verteidigen, wie ein Fixer seinen Drogenkonsum, hätte ich inzwischen nur noch notorischen Klimawandelleugnern wie Trump oder der AfD zugetraut; nicht aber einem akademisch gebildeten Grünen, der jedenfalls als Arzt auch den ethischen Aspekt im Hinblick auf unsere unschuldigen Opfer anderswo nicht hätte weglassen dürfen.

Fassungslos macht mich, das er das alles im Namen der oberbergischen Hausärzte zum Besten gibt, da doch unbestritten ist, dass die weitere Aufheizung des Klimas weltweit auch mit einer bedrohlichen Zunahme von Krankheiten einher geht.

Es ist zum Verzweifeln!