Archiv der Kategorie: Leserbriefe

Martin Luther im Nationalsozialismus – ein Leserbrief

Vor einigen Wochen habe ich im El-De-Haus die Ausstellung „Überall Luthers Worte – Martin Luther im Nationalsozialismus“ besucht. Ich wusste zwar zuvor schon von Luthers antisemitischen Hetzschriften, aber welchen überragenden Einfluss sie auf die Verfolgung und Vernichtung der Juden hatten, das ist mir erst in der Ausstellung klar geworden.*

Ausführlich wird z.B. dokumentiert, dass der Pogrome von 1938 heute zwar am 9. November gedacht wird, dass sie aber von SA und SS zu Luthers Geburtstag am 10. geplant waren und durchgeführt wurden.

Luthers Schrift „Wider die Juden und ihre Lügen“ wurde dabei wie ein Drehbuch benutzt, indem ihre Forderungen in die Tat umgesetzt wurden: Die Synagogen verbrennen, die Häuser und Schulen der Juden dem Erdboden gleichmachen, sie vertreiben und wegen ihres „verdorbenen Bluts“ erschlagen usw.. Große Teile der Führung der evangelischen Kirche bejubelten das (Hitler vollendet, was Luther begann) und viele tausend evangelische Christen beteiligten sich freudig an den Ausschreitungen. In 100000fachen Auflagen wurde die Hetzschrift und Broschüren dazu („Martin Luther über die Juden: Weg mit ihnen!“) verbreitet, im Prinzregententheater in München gab es entsprechende Lesungen.

Bis heute wird das weitgehend unter der Decke gehalten und bei den Gedenkveranstaltungen verschwiegen. Dieses jahrhundertelang verbreitete antisemitische Luther-Gift verschwindet aber nicht mal eben von allein, es wirkt untergründig weiter, wenn es nicht rückhaltlos offengelegt und offensiv aufgearbeitet wird.

Stattdessen wurde „der größte Antisemit seiner Zeit “ und der „Warner seines Volkes wider die Juden“ ( Landesbischof Sasse) vor 2 Jahren mit großem Pomp und über die Maßen weitestgehend kritiklos geehrt. Wie wollen die Kirchenleute denn dann einem Nazi-Brandstifter entgegen treten, wenn der sich auf Luther beruft? Oder denen, die den Rabbi angegriffen und beleidigt haben?

Es ist gesellschaftlich gefährliche Heuchelei, einerseits den Antisemitismus zu beklagen und Betroffenheit zu bekunden, andererseits aber dessen starke kirchliche Wurzel weiterhin zu ver-bergen. Ich kann nicht verstehen, warum die jüdische Gemeinde und die Christlich-Jüdische-Gesellschaft dagegen nicht lauthals prostestieren.

Es ist offenbar höchste Zeit, das nachzuholen.

*In diesem Zusammenhang möchte ich besonders auf den sehr informativen Begleitband zur Ausstellung hinweisen!

Leserbrief zum Artikel „Braune Wiesen, trockene Brunnen“ vom 24.7.18

Jetzt haben wir also auch im Oberbergischen eine extreme Dürre, also eine der extremen Wetterlagen, die durch den Klimawandel hervorgerufen und in Zukunft immer stärker werden. Dass dies eintreten wird, sagen uns die Wissenschaftler seit mindestens 20 Jahren voraus. Aber ihre Mahnung, den Ausstoß von Klimagasen deutlich zu reduzieren, indem die Verschwendungswirtschaft und der masslose Konsum herunter gefahren werden, verhallte ungehört. Sowohl bei Wirtschaftsführern und Politikern als auch beim einzelnen Verbraucher.

Seit Jahren nehmen neben Stürmen und Starkregen auch die Dürren weltweit zu, in der Sahelzone z.B. hungern die Rinderbauern, deren Tiere verdurstet sind, obwohl sie zur Klimaerwärmung nichts beigetragen haben. Doch Gnade ihnen Gott, wenn sie versuchen sollten, als „Wirtschaftsflüchtlinge“ oder „Asyltouristen“ zu uns zu kommen.

Solange aber nur die Menschen in den armen Ländern den Preis bezahlen, juckt es hier keinen. Im Gegenteil: Bis vor kurzem freute man sich an dem „Gute Laune Sommer“, die Schlagzeile auf der Frontseite der OVZ vor 2 Wochen: „Wohlfühlsommer“!

Jetzt aber trifft es unsere Bauern wie ein Schock: „die psychische Belastung hält uns auch nachts manchmal wach“. Ja, haben sie denn geglaubt, die vorausgesagten Klimawandelfolgen machten einen Bogen um Deutschland und das Oberbergische? Man könne mit gewaltigem Hightech-gespicktem Maschinenpark, Melkkarussel und Soja aus anderen Kontinenten die Naturgesetze überwinden?

Auf der braunen Wiese bringt der 250 PS Trecker mit Mähwerken breit wie ein Segelflieger plötzlich nicht mehr als ein Mann mit einer Sense.

Die Bauern sind Opfer und Täter, die Landwirtschaft ist verantwortlich für ein Viertel der Klimagase und müsste ebenfalls dringend umstellen; auch die Biobauern nutzen dieselbe Großtechnik, auch für sie gibt es keine Begrenzung beim Energieverbrauch, keine Verpflichtung für regionale Kreisläufe.

Jetzt fehlt das Winterfutter, aber man wird das wohl den Polen wegkaufen. Das Jammern wegen der finanziellen Verluste hat jedenfalls angesichts der Armut auch hierzulande ein Geschmäckle, wenn man über Land, Gebäude und einen Maschinen- park im Wert von Millionen verfügt und die nicht unbeträchtlichen Prämienzahlungen der EU bezieht.

Hätten wir rechtzeitig reagiert, es wäre nicht so weit gekommen. „Wir können es ja nicht ändern“, so das fatalistische Resümee des Biobauern. Aber wir können es immer weiter immer noch schlimmer machen. Also Leute, postet ein Foto aus der Karibik, von der Kreuzfahrt oder vom neuen SUV, wie ihr ihn durch den Ehreshovener Wald prügelt, lasst „die Zylinder krachen“ beim Waldbröler Motorrad-Gottesdienst und alle zusammen freuen wir uns nach diesem Supersommer auf das nächste Bergneustädter Wintermärchen.

Leserbrief zum Artikel „Neustart in schlechter Stimmung“

Zur Kommunalwahl 1994 hatte sich in Bergneustadt eine bunte Truppe engagierter Leute (wenige Parteimitglieder) zusammengetan, um Grüne in den Stadtrat zu bringen. Mit Erfolg: Stefan Heitmann und Meggie Lück (beide keine Parteimitglieder) wurden gewählt.

Wir hatten ein konkretes , öko-soziales Programm z.B. im Abfall- und Energiebereich aufgestellt, verwendeten eigene fantasievolle Plakate statt der üblichen Werbeagenturprodukte und zwar in Schwarz-Weiss statt im teurem, umweltschädlichen Vierfarbdruck. Da gab es eine hoffnungsvolle, gute Stimmung und es entstanden nur sehr geringe Wahlkampfkosten.

Damals aber hatten die Bundesgrünen noch nicht ihre ursprünglichen Ziele der blanken Machtpolitik geopfert, Fischer sie noch nicht in den völkerrechtswidrigen Krieg in Serbien geführt, ihre Bundespolitiker sich noch nicht der neoliberalen Hartz 4-Wachststumswirtschaft ergeben; es gab noch keine „Mercedes-Kretschmanns“, keine egomanischen Wirtschaftslobbyisten wie BMW-Fischer, keine Boris Palmers, welche die CSU beim Flüchtlingsabschieben rechts überholen, keine NRW-Grünen, welche SPD-Krafts verheerende RWE-Braunkohlepolitik brav umsetzen. Damals waren die Grünen gesellschaftlich auch noch nicht auf die Interessenvertretung einer urbanen konsumstarken Mittelschicht fokussiert.

Wozu sollte sich für eine solche Partei angesichts dieses inhaltlichen und moralischen Desasters noch einer engagieren, der es ehrlich meint mit der dringend nötigen ökologischen und sozialen Umkehr? Also wenden diese Menschen sich ab, wie auch Meggie und ich vor Jahren, und die Lücken werden aufgefüllt mit Wendehälsen und den üblichen Parteikarrieristen, die ohne Skrupel für den sog. Wahlkampf allein in Oberberg 80 000 Euro verballern.

Und wenn du denkst, tiefer fallen geht nicht mehr, dann kommt die Sprecherin der Marienheider Grünen und erklärt gemeinsam mit Ölindustrie, Trump und AFD den menschengemachten Klimawandel zu Fake News* und die neue Parteispitze grinst dazu in die Kamera. Diese Botschaft heißt: No Future!

 

*Zitat aus der OVZ vom 23.4. von Kirsten Zander-Wörner : „Wir haben eine globale Klimaveränderung. Ich bestreite allerdings sehr, dass diese etwas mit den CO2-Emissionen zu tun hat.“

Nachtrag:

Der Brief ist von der OVZ nicht veröffentlicht worden. Ich habe dann mal nachgefragt:


Betreff:     Leserbrief
Datum:     Fri, 11 May 2018 10:48:19 +0200
Von:     Lothar Gothe
An:     ovz@kr-redaktion.de

Werter Herr Thies,

offenbar sagt Ihnen und/oder Herrn Klemmer mein Leserbrief zu Ihrem
Artikel bzw. Kommentar zur leicht desolaten Lage der Grünen nicht zu.
Obwohl er doch versucht, eine Antwort auf die offen gebliebene Frage
nach den Gründen zu geben.

Da m.E. alle angeführten Fakten stimmen, dürfte eine gewisse Schärfe der
Meinungsäußerung doch kein Grund für die Ablehnung sein, zumal sie auch
aus einer persönlichen Betroffenheit resultiert; auch eine bloße
Schmähkritik ist nicht zu erkennen.

Also was ist es, das Sie stört?

In Erwartung einer Antwort grüßt   
Lothar Gothe


Auch auf meine Nachfrage gab es keine Antwort.

 

Bergneustadt. Ein Wintermärchen

Leserbrief zum Artikel „Eisvergnügen auch bei 15 Grad“

Endlich mal eine gute Nachricht: In Bergneustadt steigt das zweite „Wintermärchen“ mit noch größerer Eisfläche, noch prächtigerer Beleuchtung, tollem Programm wie Bierkästenkegeln und Bobby-Car-Rennen, mit Super-Gastronomie, Schafsfellen und unzähligen weiteren Attraktionen für die „große Party“: powered by Stadt, Aggerenergie und Werbegemeinschaft.

Zeit, begeistert Danke zu sagen!

Während anderswo dauernd nur über Klimawandel geschwätzt und drastische Energieeinsparung verlangt wird, während sogenannte Wissenschaftler Alarm schlagen, Deutschland seine unsinnigen Verpflichtungen verfehlt, lässt Bergneustadt sich von all den Miesmachern nicht das „Eisvergnügen“ kaputt reden.

Hier hält man sich an echte Experten wie den US-Klimaforscher Donald Trump und die für Deutsches Klima kompetente AfD, die herausgefunden haben, dass Klimawandel „fake news“ ist. Deshalb hat Bergneustadt im Unterschied zu anderen Kommunen auch fast gänzlich auf Klimaschutzaktivitäten verzichtet.

Der aufdringliche Neujahrs-Appell der römischen Spaßbremse Franziskus, nicht nur wegen der Zerstörung der Schöpfung Konsumverzicht zu üben, sondern auch deshalb, weil unsere angeblich exorbitanten Verbräuche z.B. in Afrika Millionen in Krankheit und Hungertod treiben, kann hier nur ein müdes Achselzucken auslösen.

Damit solche „bad feelings“ aber nicht etwa die Partylaune versauen, sollte am Rathaus ein weithin sichtbares, illuminiertes Banner hängen: „KLIMAWANDEL – ERFINDUNG DER CHINESEN!“ Was Papst und Afrika betrifft: Die monströsen Aggregate ließen sich gut hinter einer urigen Holzwand verbergen mit einer Aufschrift, die in den 90ern auf einigen Luxuskarossen zu lesen war: EUER ELEND KOTZT UNS AN .

Wenn der Bergneustädter nach den „glücklichen“ 4 Wochen immer noch Bock auf Winterpoesie haben sollte, hilft ein Flug nach Dubai, wo man auf einer bestens präparierten Piste in norwegischer Atmosphäre bei einer Außen-temperatur von über 40 Grad prima Ski fahren kann: Wintermärchen aus Tausend und einer Nacht.

Also dann: Frohes Neues und weiterhin „Bergneustadt first“ !


Zudiesem Leserbrief gab es eine Antwort, in der die Verfasserin mir und anderen Kritikern des „Eisspaßes“ Kinderfeindlichkeit vorwirft. Dazu wäre auch noch was zu sagen:

Frau Grube meint, die anderen Eisbahnkritiker und ich gönnten den Kindern kein Vergnügen mehr und wir hätten unsere Kindheit vergessen.

Aber gerade der Gedanke an meine Kindheit weist auf ja die Klimaerwärmung hin, denn wir konnten hier überall auf zugefrorenen Gewässern nach Herzenslust Eislaufen. Heute brauchen meine Enkel für diesen Winterspaß Eissporthallen wie die in Wiehl.

Das extrem energiefressende „Wintermärchen“ in Bergneustadt ist hingegen alles andere als ein Zeichen für Kinderliebe. Oder feiern Kinder dort Betriebsfeste, machen „Party“ in „Hüttenatmosphäre“ an der Cocktailbar bis in die Nacht? Die Stehtische sind auch nicht gerade kindgerecht und aus den Boxen dudeln keine Kinderlieder. Mit dem Event zielt die Werbegemeinschaft auf zahlungskräftige erwachsene Kundschaft, der Kinderspaß ist reiner Nebeneffekt.

Es sind allerdings die Kinder, welche demnächst eine sehr bittere Zeche für die vielfältigen Vergnügungen und die konsumistischen „Parties“ von uns Alten zu zahlen haben. Es gilt längst als wissenschaftlich gesichert, dass ihnen eine „düstere Zukunft“ droht, wenn nicht endlich die „Großen“ in Berlin die Wirtschaft umstellen, und auch wir „Kleinen“ nicht sehr bald den verschwenderischen Lebensstil ein-schränken. Auch die Veranstalter und Frau Grube können ihre jeweilige Verantwortung dafür nicht an der Garderobe abgeben.

Übrigens bin ich im Dorf durchaus als kinderlieb bekannt, denn seit vielen Jahren hatten zahllose Kinder hier auf dem Hof viel Freude mit ganz geringen Mitteln. Eine Zukunft ohne solche „Wintermärchen“ müßte also gar nicht „düster“ sein.

 

Leserbrief zum Artikel „Zeichen setzen gegen den Antisemitismus“

Leserbrief zum Artikel „Zeichen setzen gegen den Antisemitismus“

Wieder dasselbe oberflächliche Ritual zur Reichsprogromnacht: Betroffenheitsbekundungen, scharfe Verurteilung von Antisemitismus und Rassismus, das jüdische Totengebet, Schülerauftritt und wir alle gehen als die Guten nach Hause.

Dabei wäre es gerade in diesem Jahr so wichtig gewesen, endlich auf die tieferen Ursachen der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung der Juden zu sprechen zu kommen. Denn die sind zu einem sehr großen Teil in dem mörderischen Antisemitismus des so pompös gefeierten Jubilars Martin Luther zu finden. An den Progromen des 9.November 1938 zeigt sich dies besonders deutlich. Der Ablauf dieser Gewaltorgie entsprach nämlich genau den menschenverachtenden Forderungen Luthers in seiner Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“: Synagogen und Schulen verbrennen, Häuser zerstören, Juden vogelfrei machen, ausplündern, erschlagen…

Anlass war zwar das Attentat eines verzweifelten jüdischen Jugendlichen auf einen deutschen Diplomaten in Paris am 7.11., wonach zunächst ein paar vereinzelte Übergriffe folgten. Doch SA und SS inszenierten dann das Progrom in der Nacht zum 10.11., denn dieses Datum kam sehr gelegen:

„Am 10. November, Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen (…) In dieser Stunde muss die Stimme eines Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet (…) im 16. Jahrhundert der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden“, so begrüßte der thüringische Landesbischof Sasse die Untaten, an denen sich viele, viele Christen beteiligten. Der evangelische Reichsbischof erklärte, Hitler vollende nun, was Luther begonnen habe.

Dieser Hintergrund des Nazi-Antisemitismus wird weithin tabuisiert, vermutlich haben die Schüler nie davon gehört und die lauen Schuldbekenntnisse seitens der Kirche führen in die Irre:

Man habe sich nicht genug gegen die Nazis gewehrt. So als sei der Nationalsozialismus als etwas Fremdes über die deutschen Christen gekommen. Der Wahlforscher Falter hat herausgefunden, dass jeder zweite evangelische Christ 1932 NSDAP gewählt hat. Die “Deutschen Christen“ waren eine Naziorganisation mit Hitlergruss und Hakenkreuz in ihrer Fahne. Nichts Kirchen-“Fremdes“ also, etwas sehr „Eigenes“. Widerstand leisteten nur wenige Einzelne wie Dietrich Bonhoeffer.

Wer diese Wurzeln des Antisemitismus weiterhin nicht wahr haben will und sich immer noch nicht zu seinem Anteil daran bekennt, der macht sich vor der Jugend schuldig. Wie will er denn heute dem Neonazi entgegentreten, der einen Anschlag auf eine Synagoge verübt hat und sich auf den so hoch geehrten Luther beruft ? Der habe es so nicht gemeint?

Es ist auch kein echtes Zeichen gegen Antisemitismus, Partnerschaften mit israelischen Orten zu pflegen, aber hier wie dort zutiefst beschämende historische Wahrheiten zu leugnen oder totzuschweigen. Dabei wären ehrliche Zeichen angesichts des anwachsenden Rassismus und Antisemitismus doch so dringend nötig.

Nachtrag:

Ich hatte zu meinem Leserbrief extra noch ein kleines Anschreiben verfasst, daß ich dem interessierten Leser meines Blogs auch nicht vorenthalten möchte:

Sehr geehrter Herr Klemmer,

im Anhang finden Sie einen Leserbrief, dessen Inhalt Sie vielleicht als problematisch betrachten. Deshalb weise ich darauf hin, dass alle Tatsachenbehauptungen sorgfältig recherchiert und nachprüfbar sind und dass ich aus Platzgründen auf weitere Zitate verzichtet habe.

Wie ich bereits Ihrem Herrn Thies im Gespräch mitgeteilt habe, hätte ich mir auch diesen Leserbrief gern verkniffen, wenn von Seiten Ihrer Redaktion, etwa in einem Kommentar, die bei den Gedenkveranstaltungen unterschlagenen Informationen der Leserschaft zugänglich gemacht worden wären.

Ich gehe jedenfalls davon aus, dass wir darin übereinstimmen, dass ganz besonders die jungen Menschen einen Anspruch auf die ganze Wahrheit haben. Mag sie auch noch so unangenehm sein.

Mit freundlichen Grüssen, Lothar Gothe Eckenhagenerstr. 33,
51702 Bergneustadt 02265 / 7357

Der Brief ist dann – erwartungsgemäß – nicht abgedruckt worden.

Zweiter Nachtrag:

Auf diesen „unveröffentlichten Leserbrief“ hat dann am 29.11.2017 Herr Dechant Christoph Bersch mit einer an mich adressierten Email reagiert. Der daraus entstandene Mailwechsel ist so interessant – und aufschlussreich – daß ich ihn der geneigten Leserschaft nicht vorenthalten möchte. Auch, wenn dieses Vorgehen als „unfein“ empfunden werden könnte. Hier geht es weiter.

 

Unveröffentlichter Leserbrief zu „AfD- Nachlese“

 

Was war das für ein merkwürdiger Hype um den ausgefallenen AfD-Parteitag in Wiehl. Alle Oberberger schienen auf einmal „bunt und nicht braun“ zu sein, Grüne und CDU, Kirchen und Kultur, Erwachsene und Schüler. Die Riesenwelle machte den Eindruck einer kollektiven Teufelsaustreibung: Ein Reinigungsritual, aus dem die Oberberger als mitfühlende Humanisten und Christen hervorgegangen sind und die Demokratie vor den Feinden beschützten.

Das ist aber zu viel der Ehre für den zusammengewürfelten Haufen von AfDlern und ihren Landesparteitag. Dass allein diese zerstrittene – aber nicht verbotene – Partei in der Lage wäre, die Grundfesten des Staates zu gefährden, ist einfach lächerlich.

Die AfD hat außerdem kein Monopol auf Rassismus, Nationalismus,Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit, vielmehr sind diese brandgefährlichen rechtsradikalen Geisteshaltungen in der Gesellschaft weit verbreitet, in den andern Parteien, in Kirchen,in Gewerkschaften, im Sport.

Wie weit, das haben wir gerade an unseren österreichischen Schwestern und Brüdern gesehen ,wo die Mehrheit stramm rechts bis rechtsradikal gewählt hat

Wenn es darum geht, unseren ungerechtfertigten Wohlstand gegen die aus dem Süden geflüchteten Opfer zu verteidigen, dann legen Deutschland und die EU längst eine Brutalität bei der Flüchtlingsabschreckung an den Tag, wie sie AfD und Mr.Trump lauthals fordern. Den meisten ist das aber peinlich, deshalb reden wir lieber von unseren „Werten“ und heucheln Mitgefühl, während unser tatsächliches Handeln gegenüber den Fluchtursachen von kalter Gleichgültigkeit geprägt ist. Ob der oberbergische „Aufstand der Anständigen“ daher rührt, dass die AfD so schamlos offen ausspricht, was viele von uns klammheimlich denken?

Es rächt sich jetzt, daß die Nazivergangenheit nie wirklich aufgearbeitet wurde. Besonders in der ehemals braunen Hochburg im Südkreis wurde über den mörderische Nazismus und seine hiesigen Protagonisten geschwiegen, es wurde und wird vertuscht, beschönigt und verharmlost. So konnte der Schoß fruchtbar bleiben, aus dem das jetzt wieder kriecht.

Der 9. November und die Rituale des Progromgedenktags stehen vor der Tür. Zu diesem Anlass hat sich aber immer noch kein einziger Kirchenvertreter ehrlich gemacht und z.B. bekannt, daß die Nazis mit dem Progrom Luthers Geburtstag (10.9.) gefeiert haben. Indem sie seine furchtbare antisemitische Hetze in die Tat umsetzten, die Synagogen niederbrannten und eine Gewaltorgie sondergleichen gegen die Juden entfesselten. Der damalige Reichsbischof erklärte danach, Hitler habe vollendet, was Luther begonnen habe. Es gab also eine kräftige kirchliche Wurzel des Nationalsozialismus. Wer diese weiter unter dem Teppich halten will, aber gegen AfD und Konsorten demonstriert, spielt mit gezinkten Karten.

 

Leserbrief zum AfD-Parteitag

Wenn am kommenden Wochenende die AfD in Wiehl ihren Parteitag abhält, scheinen die Fronten klar zu sein: Drinnen in der Halle tagen die Rechtsradikalen, draußen auf der Straße demonstrieren die vereinigten Demokraten gegen den braunen Ungeist.

Wenn es doch so einfach wäre!

Es sind nämlich längst nicht alle Mitglieder und Wähler der AfD Nazis, aber sie alle geben – wissentlich oder unwissentlich – den Rassisten und dem Nazigeist in ihren Reihen Rückhalt und machen die menschenverachtende Ideologie wieder hoffähig.

Andererseits sind die andauernd beschworenen 87% Nicht-AfD-Wähler keineswegs alle lupenreine Demokraten und Humanisten.

Das zeigt sich am Umgang mit den sogenannten „Wirtschaftsflüchtlingen“, zu denen mittlerweile die allermeisten gezählt werden. Ganz im Sinn der AfD gelten sie parteiübergreifend nicht als verfolgt, es wird ihnen das „Recht auf ein besseres Leben in Deutschland“ bestritten und die generelle Abschiebung verlangt.

Dabei sind die Hungerflüchtlinge überwiegend Opfer der neoliberalen Wirtschaftspolitik, die dort gnadenlos ausbeutet, plündert und Lebensgrundlagen ruiniert, während sie hier Reichtum anhäuft und unseren Wohlstand schafft. Es sei eine „Wirtschaft, die tötet“, so Papst Franziskus. Die kenianischen Hirten z.B., deren Weidegründe in Folge des von uns verursachten Klimawandels verdorrt sind und die deshalb vor dem Hungertod stehen: Die sollten also keine politisch Verfolgten sein!?

Im Gegensatz zu den Sonntagsreden und Wortklaubereien um „Obergrenzen“ werden die radikalen Forderungen aus der rechten Ecke in der Praxis inzwischen parteiübergreifend durchgesetzt: Die Wohlstandsfestung Europa schottet sich rigoros ab, finanziert libysche Verbrecherbanden, um Flüchtlinge zu jagen und in KZ-artigen Horrorlagern zu internieren, macht mit übelsten Diktatoren wie denen von Niger, Tschad und Sudan Geschäfte, damit sie die Grenzen sperren und die Flüchtenden künftig fernab in der Wüste verdursten statt vor unseren Augen im Mittelmeer zu ertrinken.

Statt dagegen anzugehen, nimmt die Mehrheit von uns sich das „Recht“, den SUV -Lebensstil weiter auf die Spitze zu treiben, mag das auch für die Hirten und Millionen andere Elend und Tod bedeuten. Erinnert solche Menschenverachtung nicht an das so sehr verdrängte nationalsozialistische Prinzip von Herrenmenschen und Untermenschen?

Wer achselzuckend für sein Wohlleben diesen Preis zu zahlen bereit ist, ist in meinen Augen ideelles AfD-Mitglied, ginge er am Samstag mit demonstrieren, wäre das die blanke Heuchelei.

Vielleicht liege ich aber völlig falsch und auch die AfD-Rassisten sind in Wahrheit „gutwillige“ und „ehrenwerte“ Mitmenschen, was die Christlich-Jüdische Gesellschaft ja sogar den damaligen Nazi- Mitläufern und Mittätern zugebilligt hat. Dann wäre doch alles wieder in bester Ordnung, oder?

Bergischer Landschaftstag

Leserbrief zu den Artikeln über den „Bergischen Landschaftstag“

Jedes Jahr dasselbe Ritual, das sich Landschaftstag nennt: Eine Art Naturschutzkirmes am Schloss Homburg, stark beworben von der Lokalpresse: „Natur, Kultur und Landschaft“, Artenvielfalt und Ackerflächen“, „Entdecken, was die Heimat ausmacht“ und „Mit der Natur im Einklang“, so lauten die Schlagzeilen.

Alle diese Berichte zeichnen im Sinne der Veranstalter Kreis und Biologische Station ein schönes, fast märchenhaftes Bild oberbergischer Natur, das man jedoch in der Realität meist vergeblich sucht.

Da wird immer mehr Landschaft zugebaut und versiegelt und ansonsten dominieren Monokulturen:

Im Wald werden weiterhin neue Nadelholzplantagen angelegt, obwohl sie den Boden versauern und zusätzlich schädigen, da hilft auch kein Kalk. Sie treiben das Artensterben genauso voran wie die Monokulturen der Landwirtschaft, welche fast die gesamte offene Landschaft ausmachen: Zum einen intensiv bewirtschaftete Grünlandflächen, die viermal im Jahr gemäht und viermal mit Gülle gedüngt werden, und deshalb, was die Artenvielfalt betrifft, nicht viel mehr zu bieten haben als grüner Teppichboden. Zum andern hochgedüngte Maisfelder, in denen alle anderen Pflanzen mit Herbiziden vernichtet werden. Bewirtschaftet werden die Flächen in Feld und Wald mit immer größeren und schwereren Maschinen, die den Boden verdichten. Von der ursprünglichen Schönheit und Vielfalt der bäuerlichen oberbergischen Landschaft ist kaum etwas übriggeblieben.

Aber nicht die Bauern sollen hier an den Pranger gestellt werden: Sie müssen halt so wirtschaften, wenn Politik und Verbraucher möglichst billige Lebensmittel haben wollen.

Die Behauptung jedoch, diese Art von Monokultur-Wirtschaft lasse sich mit der Artenvielfalt „vereinen“ oder sie gar als „Einklang mit der Natur“ – also als eine Art Naturschutz – zu verkaufen, die grenzt an Volksverdummung.

Verschärft wird die Naturmisere zunehmend durch die Folgeschäden der Klimaerwärmung wie Trockenphasen, Starkregen und Stürme. Während Bodenlebewesen, Vögel und heimischen Insekten aussterben, treten eingewanderte auf, die neuartige Krankheiten (wie wohl das „Sommerekzem“ bei Schafen) mitbringen.

Der Landschaftstag blendet das alles einfach aus nach der Devise „Allen wohl und niemand weh“: Schäfchen streicheln, Alpakas bewundern, regionale Bioprodukte kaufen, Familienquiz, Schlossbesichtigung, geführte Fahrradtouren usw. usw.

Statt Alarm zu schlagen, sehen die „Naturschutz“bürokratien beim Kreis und in der Biostation ihre Aufgabe offenbar vorrangig darin, von den massiven Bedrohungen der Natur abzulenken, indem sie die minimalen geschützten Flächen als Feigenblätter nutzen, um hinter diesen die beunruhigende Realität zu verbergen. Daher fällt ihnen auch anscheinend nichts Besseres ein, als sich für ein Pressefoto wie ein Werbeteam einer Forstausrüstungsfirma zu präsentieren: Der Landrat hält linkisch eine Motorsäge in die Kamera, während die Mitarbeiter der Biostation lächelnd sog Motorsägen- Skulpturen vorzeigen.

Arme oberbergische Natur!

Geistig-moralische Wende beim Klimaschutz?

Der vollständige Leserbrief zu den Artikeln “Politik gibt grünes Licht für die Schulungsstrecke“:

Der verstorbene Bundeskanzler Kohl hatte einst eine geistig-moralische Wende gefordert, die er allerdings auch selber nicht geschafft hat. Angesichts der zunehmend dramatischer werdenden Folgen des Klimawandels wäre sie heute aber bitter nötig.

Die Fakten: Fast alle Staaten der Welt haben anerkannt, daß die Klimaerwärmung zu einer der größten oder der größten Bedrohung des Lebens auf dem Planeten zu werden droht; daß die Industrieländer die Hauptverursacher sind und dass eine wesentliche Ursache die Verbrennung fossiler Energieträger ist, vor allem auch bei der Mobilität. Feierlich haben sich die Regierungen – Deutschland vorneweg – verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren und die bereits existierenden Klimaopfer finanziell zu unterstützen.

Aber tatsächlich ist der deutsche CO2-Ausstoß gestiegen, trotz tausender Windräder und Solaranlagen! Der Grund ist der maßlos verschwenderische Lebensstil, der alle technischen Fortschritte wieder zunichte macht und ein immer größeres Zerstörungspotential in die Welt bringt, Fluchtursachen schafft und Terrorismus fördert. Das will aber kaum einer hören.

Das „goldene Kalb“ dieser (Un)Kultur sind die in geradezu religiöser Inbrunst verehrten Automobile der sog „Premiumklasse“, an deren Spitze tonnenschwere, spritsaufende Geländewagen stehen, sogenannte SUVs. Diese Allradpanzer haben hierzulande keinerlei praktischen Sinn, denn im „Gelände“ dürfen sie gar nicht fahren, weil dort nur land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge zugelassen sind. Das ist natürlich blöd für den infantilen Großverdiener, der folglich die brutalen Kräfte seines obszönen Spielzeugs gar nicht ausprobieren kann.

Da hilft die lukrative Geschäftsidee des cleveren Herr Deselaers vom Stift Ehreshoven: Er richtet im Stiftungswald eine Rallye-Strecke ein, auf der die PS-Freunde endlich mal richtig die Sau raus lassen können. Weil diese sinnentleerte Naturzerstörung bei vielen nicht gut ankommt, flunkert er vor, daß Zoll, Grenzschutz, Feuerwehr oder gar die GSG 9 die Piste zur “Schulung“ bräuchten. Dieser offenkundige Unsinn reicht allerdings bei Kreis und Gemeinderat als Begründung aus, um die Piste abzusegnen.

Das Signal ist gesellschaftspolitisch verheerend: Im Augenblick hungern in Ostafrika 60 Millionen Menschen, 20 Millionen droht in Kürze der Hungertod. Grund sind die Ernteausfälle durch eine seit Jahren schlimmer werdende Dürre. Es besteht kein Zweifel, dass diese eine Folge des Klimawandels ist, für den wir im Westen hauptverantwortlich sind. Die Spaßpiste verschärft daher unbestreitbar auch das Elend dieser Klimaopfer und zeigt dieselbe schamlose Rücksichtslosigkeit, die ein gewisser Donald Trump zum Entsetzen fast der ganzen Welt mit „America first“ an den Tag legt: Zuerst kommen wir und unsere Konsumbedürfnisse, die Folgen für andere spielen keine Rolle.

Dräger, CDU, ist für die Piste, weil sie Menschen nach Engelskirchen „lockt“, „die Geld hier lassen“ (so läßt sich auch ein Bordell oder eine illegale Spielhölle begründen). Schuchard, SPD, ist dafür, weil der Klimaschaden im Vergleich zu Kreuzfahrten gering sei. (so könnte man auch Körperverletzung rechtfertigen, weil Mord ja noch schlimmer ist)

Auf diesem argumentativen Primitiv-Niveau wird Klimaschutz beerdigt, koste es andere, was es wolle. Statt der nötigen „Wende“ ein geistig-moralischer Offenbarungseid. Gute Fahrt!

Kaffee beim Redaktionsleiter

Liebe Freunde und Mitmenschen,

gestern bin ich einer Einladung von Herrn Klemmer zu einem Kaffee in der Redaktion gefolgt.

Den tatsächlichen oder vermeintlichen „Maulkorb“ haben wir nicht weiter erörtert, sondern
uns eher der Zukunft zugewandt. Er hat sich die (z.T. harte ) Kritik an der Berichterstattung angehört, will sich zu den Vorgängen vor seiner Zeit nicht äußern, ist aber offenbar bereit, die Zeitung zukünftig für Kritik mehr zu öffnen.

Er ist auf den Vorschlag eingegangen, das Gespräch in größerem Kreis fortzusetzen und sich auch dort der Kritik zu stellen und auf sie einzugehen.

Nun habe ich keine Ahnung, wie groß das Interesse an einer solchen Veranstaltung ist und wieviele an dieser „Premiere“ teilnehmen würden. Deshalb bitte ich um Rückmeldung, um dann
einen Termin mit Herrn Klemmer absprechen und einen geeigneten Raum besorgen zu können.
Grüße, Lothar