Leserbrief zum Artikel „Neues Zertifkat besiegelt Partnerschaften“

Es tut gut, in diesen Zeiten von anwachsenden Klima- und Kriegsgefahren, kaputter Infrastruktur und kollabierendem Sozialstaat mal was Ermutigendes zu lesen: Dass es zum Beispiel in Oberberg drei Projekte gibt, die nachhaltigen und naturnahen Tourismus fördern und deshalb vom „Naturpark Bergisches Land“ als Partner zertifiziert worden sind. Eines ist die Gemeinde Reichshof mit ihrer „Kur- und Tourismusinfo“. Sicher bemühen sich auch die beiden Frauen der Anlaufstelle, bei Besuchern „die heimische Natur in den Blick zu rücken“ und zu zeigen, dass Oberberg – in den Worten des Landrats – „nicht nur Erholungsraum, sondern auch ein Lebensraum ist, den es zu bewahren gilt“.

Wenn aber der Bürgermeister des „Ferienlandes Reichshof“,dem angeblich „das bergische Grün ein Gefühl von zu Hause gibt“ ,die Urkunde strahlend vor die Kamera hält, dann ist das angesichts der Realität der blanke Zynismus: Denn vor kurzem erst hat die Gemeinde beschlossen, mindestens 8 ha alten Laubmischwald für eine sog. „Sommerrodelbahn“ zu opfern. Da wird jedoch keiner „rodeln“ , sondern wie in einer Kirmesachterbahn in Serpentinen den Waldhang hinabrasen. Bei einem „Kletterturm“ wird Fast-food-Gastronomie angeboten. Für das Millionengeschäft mit dem Rummelplatz im sterbendn WAld wird großflächig Boden verdichtet und ein Parkplatz für 400 PKW plus Busse in Wald und Wiese gebaggert. Klima- und Naturschutz kommen also bei diesem „Naturparkpartner“ in einem unglaublich rücksichtslosen, rechtswidrigen Ausmaß unter die Räder

Direkt gegenüber befindet sich das Gelände des Vereins „Fliegende Bauten“, ein außerschulischer Lernort für Kinder von der Gesamt- und der Antoniusschule.Durch den Umgang mit Tieren und den Anbau von Gemüse wird ihnen Achtung vor den natürlichen Lebensgrundlagen vermittelt. Weil allein schon der Lärm des Ballermannprojekts diese Arbeit erheblich stören würde, hat der Verein gegen den Bebauungsplan geklagt und schon nach der ersten Reaktion des OVG war klar, dass dieser Plan im Landschaftsschutzgebiet keine Chance hat. Doch dann der Schock: Der Vereins-vorstand zog plötzlich die aussichtsreiche Klage zurück, kommentarlos !

Fest steht jedenfalls, dass der Verein abhängig von der Gemeinde ist: Die beteiligten Lehrer sind ihre Angestellten und sie ist Verpächterin des Geländes. Allein schon bei dem Gedanken, dass sie damit Druck auf den Verein ausgeübt haben könnte, wird mir richtig schlecht: Wären wir doch dann auf dem Weg ins Trumpsche Amerika, in dem es normal geworden ist, mit Druck und Erpressung den Rechtsstaat auszuhebeln. Falls beim Bürgermeister noch Reste von Scham vorhanden sind, sollte er besser darauf verzichten, die Plakette des Naturparks am Rathaus anzubringen.,