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Das „Wintermärchen“ – Leserbrief zum Leserbrief des Dr. Krolewski

Manchmal will man gar nicht glauben, was man soeben gelesen hat: Wenn die Bergneustädter ihr „Wintermärchen“ nutzen, so Dr. Krolewski, „tun sie aktuell was fürs Klima“, weil sie sonst zu hunderten mit ihren PKWs zum Kölner „Wintermärchen“ fahren müssten und dann natürlich noch mehr CO2 verursachen würden.

Nach dieser abstrusen Logik wäre es auch Klimaschutz, nach Malle zu fliegen. Denn man hätte ja auch einen Karibikflug für die „Freude an unserem sozialen Leben“ buchen können und 4t CO2 verbrauchen, statt einer halben. Bei jedem Malleflug werden so gesehen also beachtliche 3,5t CO2 eingespart!

Hallooo, gehts noch ?!

Events wie „Wintermärchen“ scheinen wie etwa hirnloses Autorasen sogar zu den unveräußerlichen deutschen Menschenrechten zu gehören: Verzicht völlig undenkbar! Die Eislaufalternative in der Wiehler Halle wird ja nicht einmal in Betracht gezogen, obwohl sie mit viel weniger Energie auskommt und zudem beheizte Zelte, Berge von Plastikmüll, Lärmbelästigung und erhebliche Feinstaubmengen aus den romantischen Feuerkörben vermeidet.

Natürlich darf das ewige Kindermärchen von der klimaneutralen regenerativen Energie auch bei Ralf Krolewski nicht fehlen: „No Problem“! Gerade,weil ich nicht „nur“ für Verzicht bin, steht auf unserem Hof eine der ersten oberbergischen Fotovoltaikanlagen. Für deren Herstellung und Transport leider aber so viel fossile(!) Energie verbraucht wurde, wie sie in ca 5 Jahren produziert. Von wegen: No Problem!

Sodann folgt die übliche verpfuschte internationale Klimabilanzierung, mit der wir unsere Verbrauchsexzesse wegzurechnen pflegen: Pro Kopf Verbrauch hier 9,9t jährlich, in China 7,5t! Rechnet man gerechterweise das CO2 der Herstellung dem Produktverbraucher und nicht dem Produzenten zu, müssen wir mindestens die Hälfte des chinesischen auf unser westliches Konto nehmen, dazu noch die gewaltigen Ausstöße der giftiges „Schweröl“ verbrennenden Containerschiffe. Sind diejenigen eines Kreuzfahrtschiffs voller deutscher Pensionäre panamesische, weil es unter Panamas Flagge fährt ?

Fakt ist, dass trotz tausender Solar- und Windkraftanlagen der deutsche CO2-Ausstoß nicht gesunken, sondern sogar gestiegen ist! Hauptgrund ist der konsumistische Lebensstil. Sogar dessen Auswüchse noch mit peinlichen argumentativen Verrenkungen zu verteidigen, wie ein Fixer seinen Drogenkonsum, hätte ich inzwischen nur noch notorischen Klimawandelleugnern wie Trump oder der AfD zugetraut; nicht aber einem akademisch gebildeten Grünen, der jedenfalls als Arzt auch den ethischen Aspekt im Hinblick auf unsere unschuldigen Opfer anderswo nicht hätte weglassen dürfen.

Fassungslos macht mich, das er das alles im Namen der oberbergischen Hausärzte zum Besten gibt, da doch unbestritten ist, dass die weitere Aufheizung des Klimas weltweit auch mit einer bedrohlichen Zunahme von Krankheiten einher geht.

Es ist zum Verzweifeln!

Mal wieder: Das Bergneustädter „Wintermärchen“

Ein Leserbrief zum Artikel „Fashion und Fastelovend auf dem Eis“

„Bei uns brennt der Baum“, so der Organisator des 3. „Bergneustädter Wintermärchens“ und er meint damit den aufwendigen Aufbau des energiefressenden Kunsteis-Spaß-Events. Er merkt offenbar nicht, dass der Spruch nach diesem Rekordhitzejahr, der dramatischen Dürre und Millionen brennender Bäume (auch hunderter verbrannter Menschen) der blanke Zynismus ist.

Das Ausmaß an Verdrängung der nahenden Klimakatastrophe, welches er gemeinsam mit den Sponsoren der Werbegemeinschaft und der Stadtverwaltung an den Tag legt, nimmt inzwischen fast pathologischen Charakter an:

Haben die Herrschaften denn die vertrockneten Wiesen und verdorrten Felder nicht bemerkt? Sie brauchen doch auch jetzt nur vom Schreibtisch hoch zu schauen, um zahllose abgestorbene Bäume zu erkennen; war denn nicht die Dörspe direkt neben dem Rathaus zum ersten Mal seit Menschengedenken rappeltrocken mit der Folge eines Massensterbens ihrer Lebewesen?

Hören sie keine Nachrichten, lesen sie keine Zeitung ? Sonst müssten sie doch den verzweifelten Appell des UNO-Generalsekretärs auf der Klimakonferenz in Kattowitz mitbekommen haben: Die Zeit zur Umkehr laufe davon, es gehe jetzt um Leben und Tod! Sonst wüssten sie, dass die Beschlüsse auch dieser Konferenz heisse Luft bleiben müssen, wenn wir alle Fortschritte z. B. beim Ausbau regenerativer Energien weiterhin durch rücksichtslose Energieverschwendung wieder zunichte machen.

Auch die vielen „märchenhaften“ Bergneustädter CO 2-Tonnen verursachen am Ende ihrer Wirkungskette zwangsläufig die bekannten verheerenden Klimawandel-Zerstörungen mit der Folge von Hunger, Gewalt und Flucht in den armen Ländern des Südens. Insofern verletzen unsere übermäßigen Verbräuche auch die Menschenrechte Unschuldiger.

Wir führen uns auf, als gäbe es für uns ein „Herrenmenschen-Recht“ auf SUVs, Urlaubsflüge oder eben solche „Wintermärchen“, koste es andere (oder auch die eignen Kinder), was es wolle. Bei alledem besitzen wir vergnügungssüchtigen Gierlappen noch die Chuzpe, uns als ethisch orientierte Demokraten, Humanisten, Sozialisten oder Christen zu präsentieren.

Eine derartig verlogene „Leitkultur“ lässt sich allerdings nur mit ausreichend Glüh-wein in der Birne ertragen. Davon ist ja ebenfalls mehr als genug da: Ab geht die Party!

Mein Flugblatt zur Ausstellung KÖLN!68

KÖLN!68: (Maul)Heldengedenktage?!?

Sowohl an dieser Ausstellung als auch an dem Begleitband ist deutliche Kritik angebracht. Als einer der damaligen „radikalen“ Aktivisten will ich versuchen, diese Kritik in Worte zu fassen und einen Kontrapunkt zu setzen zu den durchgängig selbstgefälligen Rückblicken und manchmal peinlichen Selbstbeweihräucherungen.

Im Wesentlichen sind historisch drei grobe Mängel zu registrieren:

  • Der gewaltige Umfang von Ausstellung und Buch erweckt den Anschein, es habe sich bei der Kölner „Studentenrevolte“ um eine Massenbewegung gehandelt. In Wirklichkeit haben die meisten brav studiert (WISO oder Jura), derGroßteil der Linken begnügte sich mit verbal-radikalentheoretischen Disputen und Büchertischen, während der reale Widerstand von einer (sehr) „kleinen radikalen Minderheit“ ausging. Ich verfolge staunend, wie im Laufe der Jahre die Zahl der aktiven „Revolutionäre“ inflationär in die Höhe geht.
  • Wesentliche Gründe für das Aufbegehren tauchen gar nicht mehr oder nur noch am Rande auf. So etwa die „internationale Solidarität“ mit den ausgebeuteten und unterdrückten Völkern in der sogenannten dritten Welt. In der Eröffnungsveranstaltung war das kein Thema, selbst der Vietnamkrieg fand (so gut wie) keine Erwähnung! Im Rückblick nahezuverschwunden ist auch der Widerstand gegen den um sich greifenden gierigen Konsumismus, obwohl er für viele von uns ein wichtiger Antrieb für ihre „außerparlamentarische Opposition“ war.
  • Während sich heute alle möglichen Mitläufer wie Leggewie oder Parteikarrieristen wie Lieb breit machen, sind andere, lebenslang aufrecht gebliebene 68er, wie z.B. Robert (Peter) Naumann aus den Annalen so gut wie verschwunden. Sie haben sich nicht mit dem neoliberalen Konsumkapitalismus versöhnt, keine Karriere angestrebt, viele sind aus Bürgersicht „Looser“ geworden und geblieben – ich zähle mich dazu.

Auf diese Weise wird die „Revolte“ rückwirkend so umgemodelt, dass sie mit der heutigen Lebenswirklichkeit der meisten vorgeblichen Revoluzzer kompatibel ist. Sie konzentrieren sich auf die (Sekundär)„Freiheiten“, diewir errungen haben (die ich hier nicht noch mal alle runterbeten will).

Sie blenden aus, dass auch ihr Mittelklasse-Komfort nach wie vor auf härtester Ausbeutung der Völker des Südens beruht, dass auch der alternativ-konsumistische Lebenstil die globalen Lebensgrundlagen bedroht und die Klimakatastrophe befeuert, bis hin zu den prognostizierten apokalyptischen Zuständen.

So brauchen auch wir 68er Vorkämpfer für eine gerechte Welt uns nicht damit zu befassen, dass unsere Gated Community Europa mit ihrer hochgerüsteten Frontextruppe unseren zusammengeraubten Wohlstand zunehmend mörderisch verteidigt; dass nordafrikanische Despoten und Warlordbanden als unsere Helfershelfer angeworben werden und die elenden Opfer der neoliberalen Ausplünderung der Welt zurAbschreckung in KZ-artigen Lagern foltern, massakrieren oder in die Wüste zurückjagen, wo sie fern von unseren Augen und Kameras – wie zuvor ihr Vieh – verdursten.

Also, Genossinnen und Genossen: VENCEREMOS!

Euer Lothar Gothe (Robert Naumann und Kurt Holl würden diese Kritik sicherlich teilen)

Mehr dazu bei – lothargothe.de – unter „Mein 68“ und „Europa: Bald vereinigt im Faschismus?“

(Übrigens, was die historische Aufarbeitung der Rektoratsbesetzung betrifft: Ich hatte gar keinen Hammer, sondern einen vorübergehenden, medizinisch unerklärlichen Parkinson-Anfall im rechten Bein)

Leserbrief zur Berichterstattung zum „Pogromtag“

Wegen der alljährlichen Kirchenheuchelei zum Novemberpogrom habe ich wieder den alljährlichen Leserbrief verfassen müssen. Die Medienobrigkeit hat aber anscheinend die Schnauze davon voll (nicht von der Heuchelei). Dabei habe ich ihn kurz und knackig gehalten und denen mitgeteilt, sie brauchten diesmal nicht zu kürzen, ich hätte es selber schon getan. Hat nichts genützt, er ist nicht veröffentlicht worden.

Ich schrieb:

Es ist angesichts des anwachsenden Antisemitismus und Rechtsradikalismus sehr zu begrüßen, dass endlich auch über die Gewaltexzesse am “Reichspogromtag“ im Oberbergischen berichtet wird.

Wenn allerdings Superintendent Knabe die Schuld der Kirche bekennt, die im Wegschauen bestanden habe, so ist das nicht die ganze Wahrheit. Denn tatsächlich haben sich tausende evangelische Christen eifrig als „Freiwillige“ an den Ausschreitungen von SS und SA aktiv beteiligt und sich dabei auf Dr. Martin Luther berufen.

Das konnten sie, weil dieser in seiner Schrift „Über die Juden und ihre Lügen“ genau das Pogrom gefordert hat, was in der Nacht vom 9. zum 10. begann und bis zum 11.November andauerte: Synagogen niederbrennen, die Häuser und Geschäfte der Juden zerstören, sie verjagen und erschlagen.

Die Naziführung hatte das Datum mit Bedacht gewählt, denn am 10. November ist der Geburtstag des glühenden Antisemiten. Kirchliche Würdenträger wie der thüringische Landesbischof begrüßten die Untaten auch ausdrücklich unter Berufung auf Luther.

Das „Wegschauen“ vieler Christen ist also Anlass zu Scham, aber die aktive Beteiligung so vieler anderer an der Gewaltorgie gegen wehrlose Mitmenschen und deren theologische „Rechtfertigung“ durch Kirchenobere, das ist die wirklich schwere Schuld, die auch nach 80 Jahren immer noch unter einem Mantel des (Ver)Schweigens verborgen wird. Solange das so bleibt, kann keine ehrliche Aufarbeitung stattfinden und der „Schoß bleibt fruchtbar noch, aus dem das kroch“.

 

Leserbrief zum Artikel „Investition in die Zukunft des Waldes“

Überall begegnet man immer noch erschreckender Ignoranz gegenüber Umweltschädigungen und Klimawandel: Aber was die Lieberhausener Forstbetriebsgemeinschaft hier unter Anleitung eines ausgebildeten Försters veranstaltet, das hätte ich denn doch nicht für möglich gehalten:

Auch nach diesem dramatischen Dürresommer führen sie eine sogenannte Waldkalkung durch, indem tagelang tonnenweise Kalk durch Hubschrauber über den verdorrenden Wäldern und metertief ausgetrockneten Böden abgekippt wird.

Unter „normalen“ Verhältnissen ist das schon reine Symptompfuscherei, denn der Kalk kann nur vorübergehend der Versauerung des Bodens entgegenwirken. An den „Krankheitsursachen“ ändert er nichts: Diese sind Schadstoffeinträge hauptsächlich durch Straßen- und Luftverkehr, Kraftwerke und intensive Landwirtschaft und zunehmend die Klimaerwärmung. Echte Hilfe für den Wald wären also z.B. eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn, Fahrverbote für sinnlose Spritfresser wie SUVs, Stilllegung von Kohlekraftwerken, sehr hohe Besteuerung von Flugbenzin und Umstellung der industriellen Landwirtschaft.

Alle diese Maßnahmen würden aber den Konsum erheblich einschränken, folglich unterbleiben sie und als infantile Ersatzhandlung wird gekalkt.

Es ist aber so unsinnig, als würde man einem Patienten mit Gehirntumor als Heilbehandlung Schmerztabletten verordnen, weil diese kurzzeitig die Kopfschmerzen lindern.

Zudem ist die sich anbahnende Katastrophe durch Förster und Forstbetriebsgemeinschaften zusätzlich auch selbst verschuldet. Haben sie doch alle Warnungen der Klimaexperten beharrlich in den Wind geschlagen und immer weiter statt echtem (Laub-Misch) Wald „Schädlings“-anfällige Nadelholzplantagen angelegt, die jetzt nach und nach zusammenbrechen. Von wegen „Brotbaum“ Fichte! Auch in der Othetaler FBG, in der ich seit 30 Jahre Mitglied bin, herrscht bis heute diese Ignoranz, obwohl man doch die Alternative in Form der Hatzfeldschen Wälder mit dem echten Ökosiegel FSC direkt vor der Nase hat.

Jetzt bewirken die energieintensiven Lieberhausener „Luftangriffe“ jedenfalls gar nichts Gutes, im Gegenteil: Sie heizen das Klima durch ihren enormen CO2-Ausstoß weiter an und beschleunigen durch die Kalkduschen das Aussterben von ohnehin gefährdeten Insekten und Kleinlebewesen: Blinder Aktionismus anstelle von Waldumbau und Klimaschutz. Die toten Fichtenbestände sind nach alledem auch der Ausdruck eines fundamentalen Versagens der Forstbehörden und der Förster, die (wider besseren Wissens) den natürlichen Wald bis heute für die industrielle Holzproduktion in Monokulturen opfern.

Kalken als „Investition in die Zukunft des Waldes“ zu verkaufen, ist daher blanker Zynismus.

Kardinal Woelki im Oberbergischen

Leserbrief zu den Artikeln zum Besuch des Kardinals Woelki im Oberbergischen

Der Kardinal will also mit den oberbergischen Gläubigen darüber sprechen, warum die Kirchen so leer sind und die Kirchenaustritte sich mehren. Als in Belmicke getaufter, aber längst „abgefallener“ Katholik will ich dazu auf einen gewichtigen Grund hinweisen.

Denn wie in Irland und in USA hat die Kirche auch im Erzbistum Köln schwere Schuld auf sich geladen. Allein im Oberbergischen wurden in mindestens zwei Heimen auch Kinder brutal behandelt, gedemütigt und sexuell „missbraucht“.

Im Gummersbacher Kinderheim, so berichten Ehemalige, hätten zwei Nonnen sie zu widerlichen sexuellen Handlungen gezwungen. Die Kinder wurden dort, wenn sie „unartig“ waren, brutal bestraft, so mussten sie z.B. die Nacht im Keller verbringen, eine Hand an ein Heizungsrohr festgebunden.

Im Eckenhagener Josefsheim, so hat der frühere Heimleiter zugegeben, wurden ebenfalls Jungen von Erziehern sexuell „missbraucht“ (Einige der Opfer bestehen übrigens darauf, dass es richtig „vergewaltigt“ heißen müsse, auch dann, wenn „nur“ psychischer Druck ausgeübt wurde). Auch hier unmenschliche Behandlung und harte Bestrafungen. So hat man z.B. Bettnässern über Nacht die Vorhaut zugebunden, mit äußerst schmerzhaften Folgen.

Nach der Volksschule vermittelten die Heime die Jungen als Knechte an Bauern, die sich häufig als erbarmungslose Ausbeuter herausstellten.

Bis heute wird aber auch in Köln weggeschaut und vertuscht, die verbrecherischen Täter vor Strafe bewahrt. Der ehemalige Leiter des Josefsheims erklärte, man habe es in Köln missbilligt, dass er Missbrauchsopfern die Akten zur Verfügung gestellt habe, um ihre Aussagen glaubhaft machen zu können.

Wenn eines von ihnen seine Qualen dennoch beweisen kann, zahlt das Erzbistum als eine Art Wiedergutmachung 5000 Euro. Was mag da wohl in einem der geschundenen Menschenkinder vorgehen, wenn dem Milliarden schweren Erzbischhöflichen Stuhl seine zerstörte Kinderseele und seine lebenslangen posttraumatischen Belastungen nicht mehr wert sind als ein Drittel des Kaufpreises einer bischhöflichen Badewanne in Limburg?

Auch für Woelki ist es längst überfällig, reinen Tisch zu machen und das kann nur damit anfangen, alles offen zu legen, so peinlich es auch ist. Und die Täter benennen und zur Rechenschaft ziehen und die Opfer in einer Weise „entschädigen“, welche diesen Namen verdient. Sonst sind die Kirchen auch deshalb leer, weil Jesus von Nazareth, dem ja die Kinder besonders am Herzen lagen, sich ebenfalls abgewendet hat.

Mal sehen, ob der Kardinal sich den Auftritt seines Papstes in Irland zum Beispiel nimmt oder nicht.

Leserbrief zum Artikel „Braune Wiesen, trockene Brunnen“ vom 24.7.18

Jetzt haben wir also auch im Oberbergischen eine extreme Dürre, also eine der extremen Wetterlagen, die durch den Klimawandel hervorgerufen und in Zukunft immer stärker werden. Dass dies eintreten wird, sagen uns die Wissenschaftler seit mindestens 20 Jahren voraus. Aber ihre Mahnung, den Ausstoß von Klimagasen deutlich zu reduzieren, indem die Verschwendungswirtschaft und der masslose Konsum herunter gefahren werden, verhallte ungehört. Sowohl bei Wirtschaftsführern und Politikern als auch beim einzelnen Verbraucher.

Seit Jahren nehmen neben Stürmen und Starkregen auch die Dürren weltweit zu, in der Sahelzone z.B. hungern die Rinderbauern, deren Tiere verdurstet sind, obwohl sie zur Klimaerwärmung nichts beigetragen haben. Doch Gnade ihnen Gott, wenn sie versuchen sollten, als „Wirtschaftsflüchtlinge“ oder „Asyltouristen“ zu uns zu kommen.

Solange aber nur die Menschen in den armen Ländern den Preis bezahlen, juckt es hier keinen. Im Gegenteil: Bis vor kurzem freute man sich an dem „Gute Laune Sommer“, die Schlagzeile auf der Frontseite der OVZ vor 2 Wochen: „Wohlfühlsommer“!

Jetzt aber trifft es unsere Bauern wie ein Schock: „die psychische Belastung hält uns auch nachts manchmal wach“. Ja, haben sie denn geglaubt, die vorausgesagten Klimawandelfolgen machten einen Bogen um Deutschland und das Oberbergische? Man könne mit gewaltigem Hightech-gespicktem Maschinenpark, Melkkarussel und Soja aus anderen Kontinenten die Naturgesetze überwinden?

Auf der braunen Wiese bringt der 250 PS Trecker mit Mähwerken breit wie ein Segelflieger plötzlich nicht mehr als ein Mann mit einer Sense.

Die Bauern sind Opfer und Täter, die Landwirtschaft ist verantwortlich für ein Viertel der Klimagase und müsste ebenfalls dringend umstellen; auch die Biobauern nutzen dieselbe Großtechnik, auch für sie gibt es keine Begrenzung beim Energieverbrauch, keine Verpflichtung für regionale Kreisläufe.

Jetzt fehlt das Winterfutter, aber man wird das wohl den Polen wegkaufen. Das Jammern wegen der finanziellen Verluste hat jedenfalls angesichts der Armut auch hierzulande ein Geschmäckle, wenn man über Land, Gebäude und einen Maschinen- park im Wert von Millionen verfügt und die nicht unbeträchtlichen Prämienzahlungen der EU bezieht.

Hätten wir rechtzeitig reagiert, es wäre nicht so weit gekommen. „Wir können es ja nicht ändern“, so das fatalistische Resümee des Biobauern. Aber wir können es immer weiter immer noch schlimmer machen. Also Leute, postet ein Foto aus der Karibik, von der Kreuzfahrt oder vom neuen SUV, wie ihr ihn durch den Ehreshovener Wald prügelt, lasst „die Zylinder krachen“ beim Waldbröler Motorrad-Gottesdienst und alle zusammen freuen wir uns nach diesem Supersommer auf das nächste Bergneustädter Wintermärchen.