Archiv des Autors: ingow

Der Kahlschlag soll den Wald retten. Im Ernst?

Leserbrief zu den Artikeln „Kahlschlag soll den Wald retten“ und „Ein Manager nicht nur für den Klimaschutz“

Da fahren wir wie gewohnt zum Autowanderparkplatz, um nach dem Kurzurlaub auf den Kanaren in der heimatlichen Natur den Hund auszuführen und müssen schockiert erleben: Der Wald ist weg! Vor uns liegt eine „wüste Mondlandschaft“, die neuen Schuhe im Dreck versaut, der Boden von 20 Tonnen schweren Maschinen auf Jahre hinaus ruiniert .

Voller Empörung nehmen wir uns jetzt Forstamt, Stadt und Waldbesitzer vor, die offensichtlich als geldgierige Vandalen diese Katastrophe verursacht und somit unsere Lebensqualität so schwer beeinträchtigt haben.

Der Bürgermeister: Die Borkenkäferplage erzwinge den „radikalen Kahlschlag“; die Förster: die explosionsartige Käfer-Vermehrung liege an der extremen Dürre; die, so die Klimaexperten, sei Folge der Klimaerwärmung, welche durch übermäßigen CO2-Ausstoß hervorgerufen wird.

Mittlerweile wissen wir alle, dass dieser wiederum von unseren übermotorisiertern PKWs, von Urlaub, Fleischkonsum, Warenverbrauch usw. verursacht wird. Wir selbst sind es also, die den Gummersbacher Wald vernichtet haben. Da wir aber ums Verrecken am Konsumismus festhalten, wirken unsere Proteste wie das Genöle verzogener Blagen, die schreiend mit dem Fuß auf den Boden stampfen, weil der Papa kein neues Spielzeug kaufen kann, nachdem sie das alte mutwillig zerstört haben.

Derart infantile, geistig-seelisch verkümmerte Gestalten, wie wir es sind, darf man offenbar nicht mit der harten Realität konfrontieren. Deshalb stellt sogar der Engelskirchner „Klimaschutzmanager“ (vormals BASF) seine „Überzeugung, dass Klimaschutzmassnahmen überfällig“ sind, „hintenan“ und tritt lieber gar nicht als „Klimaschützer“ auf, sondern als Berater beim Sparen. Klimaschutz sei dabei ein „Nebeneffekt“, ein „komplexes Thema, das vielen Menschen Angst mache“ wegen der „Sorge, den Lebensstandard aufgeben zu müssen, um die Natur zu schonen“. Solchem „Irrglauben“ begegnet dieser Undercover-Klimaschützer mit dem sedierenden Ammenmärchen, dass Strom aus Sonne und Wind klimaneutral wäre, weshalb wir damit „verschwenderisch umgehen (dürfen), ohne der Natur zu schaden“.

Es geht tatsächlich um Leben und Tod. Doch hier läßt man den Belzebub die Klimamesse lesen, damit wir weiter angstfrei den Konsumgötzen anbeten können, auch wenn wir deshalb demnächst im Chaos weiterer Dürren, Stürme, Regenfluten enden.

Wir brauchen Hilfe. Dringend.

Martin Luther im Nationalsozialismus – ein Leserbrief

Vor einigen Wochen habe ich im El-De-Haus die Ausstellung „Überall Luthers Worte – Martin Luther im Nationalsozialismus“ besucht. Ich wusste zwar zuvor schon von Luthers antisemitischen Hetzschriften, aber welchen überragenden Einfluss sie auf die Verfolgung und Vernichtung der Juden hatten, das ist mir erst in der Ausstellung klar geworden.*

Ausführlich wird z.B. dokumentiert, dass der Pogrome von 1938 heute zwar am 9. November gedacht wird, dass sie aber von SA und SS zu Luthers Geburtstag am 10. geplant waren und durchgeführt wurden.

Luthers Schrift „Wider die Juden und ihre Lügen“ wurde dabei wie ein Drehbuch benutzt, indem ihre Forderungen in die Tat umgesetzt wurden: Die Synagogen verbrennen, die Häuser und Schulen der Juden dem Erdboden gleichmachen, sie vertreiben und wegen ihres „verdorbenen Bluts“ erschlagen usw.. Große Teile der Führung der evangelischen Kirche bejubelten das (Hitler vollendet, was Luther begann) und viele tausend evangelische Christen beteiligten sich freudig an den Ausschreitungen. In 100000fachen Auflagen wurde die Hetzschrift und Broschüren dazu („Martin Luther über die Juden: Weg mit ihnen!“) verbreitet, im Prinzregententheater in München gab es entsprechende Lesungen.

Bis heute wird das weitgehend unter der Decke gehalten und bei den Gedenkveranstaltungen verschwiegen. Dieses jahrhundertelang verbreitete antisemitische Luther-Gift verschwindet aber nicht mal eben von allein, es wirkt untergründig weiter, wenn es nicht rückhaltlos offengelegt und offensiv aufgearbeitet wird.

Stattdessen wurde „der größte Antisemit seiner Zeit “ und der „Warner seines Volkes wider die Juden“ ( Landesbischof Sasse) vor 2 Jahren mit großem Pomp und über die Maßen weitestgehend kritiklos geehrt. Wie wollen die Kirchenleute denn dann einem Nazi-Brandstifter entgegen treten, wenn der sich auf Luther beruft? Oder denen, die den Rabbi angegriffen und beleidigt haben?

Es ist gesellschaftlich gefährliche Heuchelei, einerseits den Antisemitismus zu beklagen und Betroffenheit zu bekunden, andererseits aber dessen starke kirchliche Wurzel weiterhin zu ver-bergen. Ich kann nicht verstehen, warum die jüdische Gemeinde und die Christlich-Jüdische-Gesellschaft dagegen nicht lauthals prostestieren.

Es ist offenbar höchste Zeit, das nachzuholen.

*In diesem Zusammenhang möchte ich besonders auf den sehr informativen Begleitband zur Ausstellung hinweisen!

Uni Düsseldorf distanziert sich von Udo Klausa!

Im Dezember 2018 habe ich, zusammen mit 50 Mitunterzeichnern, in einem offenen Brief die Rektorin der Uni Düsseldorf aufgefordert, Udo Klausa die Ehrendoktorwürde zu entziehen.

Durch mehrere Studien ist inzwischen zweifelsfrei belegt, dass Klausa als nationalsozialistischer Landrat in Bendzin, nahe bei Auschwitz, zigtausende Juden in mörderische Ghettos treiben ließ. Wer die unmenschlichen Verhältnisse überlebte, wurde in Viehwaggons verladen und ins Gas von Auschwitz-Birkenau transportiert.

Seine rassistische und antisemitische Gesinnung hat er 1936 in seiner Schrift „Rasse und Wehrrecht“ zum Ausdruck gebracht, in welcher er u.a. forderte, „die guten Ströme des Bluts“ zu fördern und die „Entarteten auszusondern“.

Heute ist die offizielle Antwort der Uni Düsseldorf eingetroffen (hier als PDF), der offene Brief war offenbar „Drohung“ genug, um sie endlich zum Handeln zu zwingen. Das können wir als erfreulichen Erfolg verbuchen, auch wenn damit noch lange keine offensive NS-Aufarbeitung von LVR und Uni abgeschlossen ist. Aber immerhin ist die ungeheuerliche Ehrung eines NS- und Nachkriegstäters beendet („Wer die Täter ehrt, mordet die Opfer noch einmal“ – Ernst Klee).

Der Brief enthält aber für eine akademisch/wissenschaftliche Einrichtung wie eine Uni unentschuldbare Fehler: Klausa war nicht erst während des „2.Weltkriegs“ in den NS „verstrickt“, sondern als NSDAP- und SA-Mitglied seit 1933 und sehr stark mit seiner rassistischen und antisemitischen Abhandlung „Rasse und Wehrrecht“ 1936. Das war bei der Verleihung der Ehrenpromotion schon bekannt, wie konnte es also überhaupt dazu kommen?

Kaminsky/Roth haben nicht Klausas NS-Rolle in Polen untersucht, das hat vielmehr Mary Fulbrook getan und das Ergebnis in ihrem Buch “ A small town near Auschwitz“ veröffentlicht. Kaminsky/Roth haben Klausas Rolle nach 45 untersucht, so steht es ja auch im Untertitel. Die Uni kannte also bereits 2012  sämtliche Fakten zu seiner „NS-Verstrickung“, die zur heutigen Entscheidung geführt haben, und nicht erst 2016, wie die falsche Angabe es suggeriert. Mary Fulbrook hat damals sogar auf Einladung des Instituts für Geschichte, Theorie und  Ethik der Medizin an der Uni einen Vortrag dazu gehalten.

Warum ignorierte die Uni also bis zu unserem offenen Brief diese eindeutigen Fakten, die heute zu dem einstimmigen Beschluss geführt haben, sich von der Ehrenpromotion „ausdrücklich zu distanzieren“?

Der böse Borkenkäfer?

Leserbrief zum Artikel „Borkenkäfer unterm Mikroskop“ vom 8.3.19

Jetzt, wo das „forstliche Kind“ in den Brunnen gefallen ist, schlägt auch der NRW-Waldschutzexperte Dr. Niesar Alarm: „Die Lage ist dermaßen katastrophal, dass nun alle an einem Strang ziehen müssen“. Es gäbe in wenigen Jahren keine alten Fichten mehr, „wenn wir jetzt nichts tun“.

Schuld sei der „gefrässige“ Borkenkäfer, der sich nach dem trockenen Hitzesommer „rasant ver-mehrt“ habe.

Der Borkenkäfer also, das ist der Übeltäter, der Böse, der „Schädling“, den wir alle gemeinsam mit allen Mitteln bekämpfen müssen, auch wenn dies inzwischen fast aussichtslos erscheint.

Obwohl ich selbst als Waldbesitzer schwer geschädigt bin, muss ich jedoch das winzige Tierchen gegen diese Verteufelung in Schutz nehmen: Der Borkenkäfer erfüllt nämlich nur die Aufgabe, die ihm in der Evolution zugewachsen ist: Er befällt schwache und kranke Bäume und bringt sie zum Absterben. Damit schafft er in dem komplexen System Wald Licht und Luft für Naturverjüngung und stabilisiert und schützt es somit.

Die augenblickliche Riesenkalamität beruht darauf, dass halt alle Bäume in den Fichtenplantagen schwach und krank sind und auf artenarmen, versauerten Böden stehen; dass sie kein Wald sind, sondern Monokulturen zur Holzproduktion, vergleichbar mit Maisfeldern. Dass nun Millionen Fichten absterben, ist also nicht die „Schuld“ des Borkenkäfers, sondern die einer industriell ausgerichteten, rein profitorientierten, ignoranten Forstwirtschaft. Das allerdings, Herr Dr. Niesar, wissen wir schon lange.

Angefeuert wird dieses „Forststerben“ durch die Klimaerwärmung, die ebenfalls nicht auf das Konto dieses Bösewichts geht; er profitiert zwar davon, hat aber mit deren Ursachen rein gar nichts zu tun.

Diese „Täter“ sind vielmehr wir Menschen, die wir als Nutznießer einer zerstörerischen Wachstumswirtschaft ein extrem verschwenderisches Wohlleben führen und dabei vor aller Augen die Lebensgrundlagen nicht nur im Wald ruinieren. Anstatt nun endlich diese schlimmste „Kalamität seit 1900“ als das Warnsignal zu erkennen, das sie ist, zeigen wir auf den bösen Borkenkäfer und bewegen uns ansonsten „weiter so“ auf dem Highway to Hell: Als die wahren globalen „Schädlinge“, ohne die geringste Bereitschaft zu Verzicht, ohne jede Spur von Mäßigung.

Die streikenden Schüler spüren, dass sie die Zeche werden zahlen müssen. Sie lehnen sich auf gegen das parteiübergreifende leere Geschwätz und die immer wieder aufs Neue gebrochenen Klimaschutz-Versprechen der nihilistischen Erwachsenen. Heute verachten sie uns dafür zu Recht als Heuchler, morgen werden sie uns verfluchen.

Wozu ein Holzkontor?

Leserbrief zu dem  Artikel über das neue „Holzkontor“ vom 1.3.2019

In zweierlei Hinsicht ist die Einrichtung dieses Holzkontors anachronistisch und und das Gegenteil von dem, was jetzt nötig wäre. Einmal hat uns doch das verheerende Waldjahr 2018 nachdrücklich vor Augen geführt, welche extremen Schäden bereits durch die Klimaerwärmung eingetreten sind: Dem Sturm Friederike im Winter, der Hitze und Trockenheit im endlosen Sommer und den nachfolgenden Schneemassen in den Alpen sind viele Millionen Bäume zum Opfer gefallen.

Wie jeder allerorten besichtigen kann, hat es vor allem die Nadelholzplantagen getroffen, die offensichtlich in naher Zukunft verschwinden werden. Die Produktion und Vermarktung von Fichtenstämmen ist aber das zentrale Geschäftsmodell des „Holzkontors“, dessen Ende bei seiner Gründung also schon vorprogrammiert ist. Welch ein Paradebeispiel für Realitätsverlust und Ignoranz!

Schlimmer als die wirtschaftlichen Schäden ist jedoch das weitere Anheizen des Klimas, weil die abgestorbenen Bäume als CO2-Senke ausfallen. Sie können  ihren „Klimajob“ ja nicht mehr tun und CO2 aus der Luft holen und im Holz binden. Das bedroht verstärkt unsere Lebensgrundlagen und die unserer Kinder. Diese  zu erhalten, gehört aber nicht zu den Aufgaben einer Einrichtung, die industrieller Holzproduktion und der Vermarktung verpflichtet ist.

Der („unwirtschaftliche“) Umbau der Fichtenplantagen in dauerhafte Laub-Mischwälder ist also für  das Überleben unbedingt notwendig, zumal wir ja  von der Droge Konsum offenbar nicht loskommen. Eine solche Aufgabe der Daseinsvorsorge gehört aber nicht in die Hände von privaten Verwertern, die einseitig ökonomische Interessen verfolgen. Diese Haltung hat ja gerade die jetzigen Monokultur-Kalamitäten unter Missachtung aller Warnungen verursacht. Die vom Kartellamt geforderte Privatisierung ist daher ein schwerer Fehler und muss rückgängig gemacht werden. Der Wald gehört insgesamt in die Zuständigkeit dem Allgemeinwohl verpflichteter Behörden wie den Forstämtern, auch wenn diese in der Vergangenheit auch ihre ethische Verpflichtung viel zu sehr dem industriellen Verwertungszwang untergeordnet haben.

Mein 68 und mein 75ster

Am letzten Sonntag habe ich mit meinem gesamten Nachwuchs meinen 75. Geburtstag beim „Brunch“in der Alten Feuerwache gefeiert und danach haben wir die Ausstellung zu 68 in Köln im Stadtmuseum besucht.

Anhand verschiedener Ausstellungstücke mit ihrem Anarchoopa habe ich versucht, meinen Enkeln 68 näher zu bringen. Wir haben vor einem Riesenwandfoto posiert, auf dem der verbarrikadierte Haupteingang der Uni mit dem Opa zu sehen ist. Die Aktion richtete sich gegen die Notstandsgesetze, die wir antiautoritären SDSler als potentielle Ermächtigungsgesetze angesehen haben, was sie bei anhaltendem Rechtsruck durchaus auch hätten werden können.

Wie man sieht, hatten wir die Universität damals in „Rosa Luxemburg Universität“ umbenannt. Heute vor hundert Jahren wurde sie zusammen mit Karl Liebknecht von Reichswehrangehörigen zuerst mit einem Gewehrkolben zusammengeschlagen und dann erschossen.

Das ist mein Gedenken an Rosa und ein Zeichen dafür, dass sie vor 50 Jahren nicht bei allen vergessen war. Die mangelnde Ersthaftigkeit meiner Enkel nimmt Rosa sicher nicht übel.

Das „Wintermärchen“ – Leserbrief zum Leserbrief des Dr. Krolewski

Manchmal will man gar nicht glauben, was man soeben gelesen hat: Wenn die Bergneustädter ihr „Wintermärchen“ nutzen, so Dr. Krolewski, „tun sie aktuell was fürs Klima“, weil sie sonst zu hunderten mit ihren PKWs zum Kölner „Wintermärchen“ fahren müssten und dann natürlich noch mehr CO2 verursachen würden.

Nach dieser abstrusen Logik wäre es auch Klimaschutz, nach Malle zu fliegen. Denn man hätte ja auch einen Karibikflug für die „Freude an unserem sozialen Leben“ buchen können und 4t CO2 verbrauchen, statt einer halben. Bei jedem Malleflug werden so gesehen also beachtliche 3,5t CO2 eingespart!

Hallooo, gehts noch ?!

Events wie „Wintermärchen“ scheinen wie etwa hirnloses Autorasen sogar zu den unveräußerlichen deutschen Menschenrechten zu gehören: Verzicht völlig undenkbar! Die Eislaufalternative in der Wiehler Halle wird ja nicht einmal in Betracht gezogen, obwohl sie mit viel weniger Energie auskommt und zudem beheizte Zelte, Berge von Plastikmüll, Lärmbelästigung und erhebliche Feinstaubmengen aus den romantischen Feuerkörben vermeidet.

Natürlich darf das ewige Kindermärchen von der klimaneutralen regenerativen Energie auch bei Ralf Krolewski nicht fehlen: „No Problem“! Gerade,weil ich nicht „nur“ für Verzicht bin, steht auf unserem Hof eine der ersten oberbergischen Fotovoltaikanlagen. Für deren Herstellung und Transport leider aber so viel fossile(!) Energie verbraucht wurde, wie sie in ca 5 Jahren produziert. Von wegen: No Problem!

Sodann folgt die übliche verpfuschte internationale Klimabilanzierung, mit der wir unsere Verbrauchsexzesse wegzurechnen pflegen: Pro Kopf Verbrauch hier 9,9t jährlich, in China 7,5t! Rechnet man gerechterweise das CO2 der Herstellung dem Produktverbraucher und nicht dem Produzenten zu, müssen wir mindestens die Hälfte des chinesischen auf unser westliches Konto nehmen, dazu noch die gewaltigen Ausstöße der giftiges „Schweröl“ verbrennenden Containerschiffe. Sind diejenigen eines Kreuzfahrtschiffs voller deutscher Pensionäre panamesische, weil es unter Panamas Flagge fährt ?

Fakt ist, dass trotz tausender Solar- und Windkraftanlagen der deutsche CO2-Ausstoß nicht gesunken, sondern sogar gestiegen ist! Hauptgrund ist der konsumistische Lebensstil. Sogar dessen Auswüchse noch mit peinlichen argumentativen Verrenkungen zu verteidigen, wie ein Fixer seinen Drogenkonsum, hätte ich inzwischen nur noch notorischen Klimawandelleugnern wie Trump oder der AfD zugetraut; nicht aber einem akademisch gebildeten Grünen, der jedenfalls als Arzt auch den ethischen Aspekt im Hinblick auf unsere unschuldigen Opfer anderswo nicht hätte weglassen dürfen.

Fassungslos macht mich, das er das alles im Namen der oberbergischen Hausärzte zum Besten gibt, da doch unbestritten ist, dass die weitere Aufheizung des Klimas weltweit auch mit einer bedrohlichen Zunahme von Krankheiten einher geht.

Es ist zum Verzweifeln!

Mal wieder: Das Bergneustädter „Wintermärchen“

Ein Leserbrief zum Artikel „Fashion und Fastelovend auf dem Eis“

„Bei uns brennt der Baum“, so der Organisator des 3. „Bergneustädter Wintermärchens“ und er meint damit den aufwendigen Aufbau des energiefressenden Kunsteis-Spaß-Events. Er merkt offenbar nicht, dass der Spruch nach diesem Rekordhitzejahr, der dramatischen Dürre und Millionen brennender Bäume (auch hunderter verbrannter Menschen) der blanke Zynismus ist.

Das Ausmaß an Verdrängung der nahenden Klimakatastrophe, welches er gemeinsam mit den Sponsoren der Werbegemeinschaft und der Stadtverwaltung an den Tag legt, nimmt inzwischen fast pathologischen Charakter an:

Haben die Herrschaften denn die vertrockneten Wiesen und verdorrten Felder nicht bemerkt? Sie brauchen doch auch jetzt nur vom Schreibtisch hoch zu schauen, um zahllose abgestorbene Bäume zu erkennen; war denn nicht die Dörspe direkt neben dem Rathaus zum ersten Mal seit Menschengedenken rappeltrocken mit der Folge eines Massensterbens ihrer Lebewesen?

Hören sie keine Nachrichten, lesen sie keine Zeitung ? Sonst müssten sie doch den verzweifelten Appell des UNO-Generalsekretärs auf der Klimakonferenz in Kattowitz mitbekommen haben: Die Zeit zur Umkehr laufe davon, es gehe jetzt um Leben und Tod! Sonst wüssten sie, dass die Beschlüsse auch dieser Konferenz heisse Luft bleiben müssen, wenn wir alle Fortschritte z. B. beim Ausbau regenerativer Energien weiterhin durch rücksichtslose Energieverschwendung wieder zunichte machen.

Auch die vielen „märchenhaften“ Bergneustädter CO 2-Tonnen verursachen am Ende ihrer Wirkungskette zwangsläufig die bekannten verheerenden Klimawandel-Zerstörungen mit der Folge von Hunger, Gewalt und Flucht in den armen Ländern des Südens. Insofern verletzen unsere übermäßigen Verbräuche auch die Menschenrechte Unschuldiger.

Wir führen uns auf, als gäbe es für uns ein „Herrenmenschen-Recht“ auf SUVs, Urlaubsflüge oder eben solche „Wintermärchen“, koste es andere (oder auch die eignen Kinder), was es wolle. Bei alledem besitzen wir vergnügungssüchtigen Gierlappen noch die Chuzpe, uns als ethisch orientierte Demokraten, Humanisten, Sozialisten oder Christen zu präsentieren.

Eine derartig verlogene „Leitkultur“ lässt sich allerdings nur mit ausreichend Glüh-wein in der Birne ertragen. Davon ist ja ebenfalls mehr als genug da: Ab geht die Party!

Mein Flugblatt zur Ausstellung KÖLN!68

KÖLN!68: (Maul)Heldengedenktage?!?

Sowohl an dieser Ausstellung als auch an dem Begleitband ist deutliche Kritik angebracht. Als einer der damaligen „radikalen“ Aktivisten will ich versuchen, diese Kritik in Worte zu fassen und einen Kontrapunkt zu setzen zu den durchgängig selbstgefälligen Rückblicken und manchmal peinlichen Selbstbeweihräucherungen.

Im Wesentlichen sind historisch drei grobe Mängel zu registrieren:

  • Der gewaltige Umfang von Ausstellung und Buch erweckt den Anschein, es habe sich bei der Kölner „Studentenrevolte“ um eine Massenbewegung gehandelt. In Wirklichkeit haben die meisten brav studiert (WISO oder Jura), derGroßteil der Linken begnügte sich mit verbal-radikalentheoretischen Disputen und Büchertischen, während der reale Widerstand von einer (sehr) „kleinen radikalen Minderheit“ ausging. Ich verfolge staunend, wie im Laufe der Jahre die Zahl der aktiven „Revolutionäre“ inflationär in die Höhe geht.
  • Wesentliche Gründe für das Aufbegehren tauchen gar nicht mehr oder nur noch am Rande auf. So etwa die „internationale Solidarität“ mit den ausgebeuteten und unterdrückten Völkern in der sogenannten dritten Welt. In der Eröffnungsveranstaltung war das kein Thema, selbst der Vietnamkrieg fand (so gut wie) keine Erwähnung! Im Rückblick nahezuverschwunden ist auch der Widerstand gegen den um sich greifenden gierigen Konsumismus, obwohl er für viele von uns ein wichtiger Antrieb für ihre „außerparlamentarische Opposition“ war.
  • Während sich heute alle möglichen Mitläufer wie Leggewie oder Parteikarrieristen wie Lieb breit machen, sind andere, lebenslang aufrecht gebliebene 68er, wie z.B. Robert (Peter) Naumann aus den Annalen so gut wie verschwunden. Sie haben sich nicht mit dem neoliberalen Konsumkapitalismus versöhnt, keine Karriere angestrebt, viele sind aus Bürgersicht „Looser“ geworden und geblieben – ich zähle mich dazu.

Auf diese Weise wird die „Revolte“ rückwirkend so umgemodelt, dass sie mit der heutigen Lebenswirklichkeit der meisten vorgeblichen Revoluzzer kompatibel ist. Sie konzentrieren sich auf die (Sekundär)„Freiheiten“, diewir errungen haben (die ich hier nicht noch mal alle runterbeten will).

Sie blenden aus, dass auch ihr Mittelklasse-Komfort nach wie vor auf härtester Ausbeutung der Völker des Südens beruht, dass auch der alternativ-konsumistische Lebenstil die globalen Lebensgrundlagen bedroht und die Klimakatastrophe befeuert, bis hin zu den prognostizierten apokalyptischen Zuständen.

So brauchen auch wir 68er Vorkämpfer für eine gerechte Welt uns nicht damit zu befassen, dass unsere Gated Community Europa mit ihrer hochgerüsteten Frontextruppe unseren zusammengeraubten Wohlstand zunehmend mörderisch verteidigt; dass nordafrikanische Despoten und Warlordbanden als unsere Helfershelfer angeworben werden und die elenden Opfer der neoliberalen Ausplünderung der Welt zurAbschreckung in KZ-artigen Lagern foltern, massakrieren oder in die Wüste zurückjagen, wo sie fern von unseren Augen und Kameras – wie zuvor ihr Vieh – verdursten.

Also, Genossinnen und Genossen: VENCEREMOS!

Euer Lothar Gothe (Robert Naumann und Kurt Holl würden diese Kritik sicherlich teilen)

Mehr dazu bei – lothargothe.de – unter „Mein 68“ und „Europa: Bald vereinigt im Faschismus?“

(Übrigens, was die historische Aufarbeitung der Rektoratsbesetzung betrifft: Ich hatte gar keinen Hammer, sondern einen vorübergehenden, medizinisch unerklärlichen Parkinson-Anfall im rechten Bein)