Grüne Irrläufer…

Leserbrief zu den Zuschriften zum „Wintermärchen“

Als wir die Protestaktion gegen das „Wintermärchen“ planten, war uns natürlich klar, dass viele uns als Spaßverderber sehen würden. Trotzdem haben wir gehofft, dass die abgestorbene Fichte und der Hinweis auf Australien auch sie zum Nachdenken anregen würde. Dort haben ja genau wie hierzulande Politik und Verbraucher seit 30 Jahren die Warnungen in den Wind geschlagen und das auf der Verbrennung fossiler Energieträger beruhende materielle Wohlleben in vollen Zügen genossen.

Nun sind die vorausgesagten albtraumartigen Zustände mit brutaler Macht über diese ignorante Gesellschaft hereingebrochen. Jetzt geht es nicht mehr nur um Konsumverzicht, sondern um den Zusammenbruch der materiellen Existenz von Millionen und für Tausende ums nackte Überleben. Sicherlich bereuen heute viele, dass sie nicht rechtzeitig die fossile Wachstumswirtschaft umgebaut und ihren Konsum deutlich eingeschränkt haben.

Die dürre Fichte sollte mahnen, dass derartiges in der einen oder anderen Form auch uns bevorsteht. Fast alle Klimaexperten der Welt haben kürzlich für die UNO-Organisation IPCC ihre Erkenntnisse zusammengefasst und sind zu dem erschreckenden Ergebnis gekommen, dass wir nur noch 10 Jahre Zeit haben für ein radikales Umsteuern der Wirtschaft und ein deutliches Absenken des Konsums, weil sich sonst die Erde auch ohne unser Zutun unkontrollierbar immer weiter aufheize und eine „Menschheitskatastrophe“ drohe. „Wir“, das sind die 20% der Weltbevölkerung, die für 50% der Treibhausgase verantwortlich sind und damit auch für Not und Elend der wachsenden Zahl unschuldiger Klimaopfer in den Armutsländern des Südens. Soviel zu Klimagerechtigkeit, Men-schenrechten und unserer sogenannten „Werteordnung“.

Es ist deshalb zum Fremdschämen, mit welch kindischen Ausflüchten trotz alledem dieser zerstörerische Lebensstil verteidigt wird; als wären wir ohne solche extrem aufwendigen Party-Events zu einem grauen, freudlosen Dasein verdammt (Schlittschuhlaufen kann man auch in der Wiehler Halle).

Es ist fatal, dass ausgerechnet der Grüne und Sprecher der Hausärzte Krolewski die „Märchenverbraucher“ von jeder Mitverantwortung freispricht, indem er die geschönte CO2- Bilanz des Veranstalters kritiklos übernimmt, den somit „geringen“CO 2 Ausstoß für völlig unbedeutend (symbolisch) erklärt und zudem die gefährliche Illusion verbreitet, der Verbrauch des Kohlestroms werde durch den Ablasshandel „Ökoabgabe“ klimaneutral.

Gerade weil die von ihm vorgeschlagenen Appelle an staatliche Institutionen und Programme seit 30 Jahren ins Leere laufen, gibt es die Fridays for Future Bewegung, die sofortiges Handeln einfordert, auch und gerade von jedem persönlich. Ihm ist wohl nicht bewußt, dass seine unsägliche Verharmlosung solch klimaschädlicher Vergnügungen den Schülern in den Rücken fällt und dass er damit den beispielhaft radikalen Konsumverzicht ihrer Leitfigur Greta Thunberg zur Freude der rechten Klimaleugner der Lächerlichkeit preisgibt.

Ich kann nur hoffen, dass er nicht für alle Grüne und alle Hausärzte spricht, sonst müssten wir wohl bald alle Hoffnung fahren lassen.

Blanker Zynismus

Leserbrief zum Artikel „Heiße Phase fürs coole Spektakel“

Australien verbrennt, Indonesien ersäuft in Regenfluten, die Permafrostböden und das Poleis tauen immer schneller, unser sterbender Wald: Greta hat Recht, alles Gründe um in Panik zu geraten.

Deshalb hatte ich gewettet, dass sich Bergneustadts Rat und Verwaltung angesichts dieser weltweit anwachsenden Zerstörungsorgien durch den Klimawandel nicht mehr trauen würden, zum 4. Mal die energiefressende Eisparty „Wintermärchen“ zu genehmigen. Sie würden sich ja sonst, so dachte ich, selbst in die Ecke der rücksichtslosen und egomanischen Vollpfosten a la Trump, australischer Regierung oder AfD stellen, die entweder den Klimawandel leugnen oder denen die Folgen ihrer Lebensweise völlig egal sind.

Die Wette habe ich verloren. Und musste Zeuge einer beschämend infantilen Märchenstunde im Rat werden. In einer offensichtlich vorher abgestimmten Schmierenkomödie ließ man sich gerne vom Veranstalter nach Strich und Faden bepfuschen: Er werde diesmal den Energieverbrauch halbieren, ohne fossile Brennstoffe auskommen und sog. Ökostrom nutzen..

Eine ehrliche Bilanz zeigt jedoch, dass der tatsächliche Energieverbrauch um ein Vielfaches höher ist als der angegebene und vor allem aus fossilen Energieträgern stammt. Der wochenlange Auf- und Abbau, die LKW-Transporte der Anlagen, anteilig auch die von ihrer Herstellung bis zur Entsorgung verbrauchte Energie, der „Deko“-Müll sowie vor allem die An- und Abreise der 15 000 Besucher machen das Event zu einem Klimakiller sondergleichen. Und wie zum Hohn erklärt der Veranstalter jetzt auch noch ,es werde leider doch nichts mit „Ökostrom“, weil zu aufwendig.

Es zieht offenbar sein ökonomisches „Argument“: Mit den auswärtigen Besuchern würden auch Kunden für den Einzelhandel angelockt, der ja unter der Januar-Flaute leide. Solcher Kaufanreiz ist natürlich nötig, nachdem wir Deutsche im Weihnachtskaufrausch 100 Milliarden Euro und fürs Silvesterfeuerwerk 120 Millionen Euro rausgehauen haben.

Welch ein Signal in diesen Zeiten !

Man scheut sich nicht einmal, zum Abschluss dieser 4wöchigen Dauerfete (teils auf Ballermann-Niveau) die Kinder von Little Voices auftreten zu lassen, die „Eisprinzen und Eisprinzessinnen“, welche im Unterschied zu uns Erwachsenen mit Sicherheit einen sehr, sehr bitteren Preis für diese Art von Lebensstil werden zahlen müssen. Wenn das nicht Zynismus ist….

Fridays For Future in Gummersbach

Leserbrief zu dem Artikel „Weniger, aber nicht leiser“

In meinem Leben habe ich an vielen Demos teilgenommen, so was wie am 29.11. in Gummersbach habe ich aber noch nie erlebt. Ich freute mich auf Schülerbeiträge auf der Abschlusskundgebung, nachdem mich einige schon bei der vorigen Demo in Einzelgesprächen mit ihrer beachtlichen Kompetenz beeindruckt hatten.

Sieh mal an, dachte ich, als dann Landrat und Bürgermeister die Bühne betraten, jetzt wanzen auch sie sich mit Grussworten bei „fridays for future“ an. Doch dabei blieb es leider nicht, denn sie hielten lange, selbstgefällige Reden und kaperten so die Kundgebung. Nach dem üblichen väterlich wohlwollenden Lob für den „Mut der jungen Leute“ wurden diese von oben herab ohne jeden Anflug von Selbstkritik darüber belehrt, dass es mit dem Klimaschutz aber nicht so einfach sei (1968 nannten wir so was „repressive Toleranz“). Es kamen die üblichen Parolen, mit denen die Politik seit Jahrzehnten ihre Untätigkeit kaschiert: Man dürfe die Wirtschaft nicht überfordern, müsse die Menschen mitnehmen, Ökonomie und Ökologie in Übereinstimmung bringen,usw. Der „erforderliche Konsens für die großen Umgestaltungen sei noch nicht gegeben“, so der Landrat, der nichts weiter vorzuweisen hat als (angeblichen) Ökostrom vom Kohlemonster Rheinenergie/RWE/Aggerenergie. Aber er will jetzt ein Programm mit 178 (!) Punkten vorlegen ( warum nicht gleich 1780 ?)!

Das werden viele genauso als Verarschung betrachten wir die haltlose Behauptung des Bürgermeisters, das Steinmüllergelände sei ein „gelungener Beitrag zum Klimaschutz“, weil zum Teil mit Hackschnitzeln geheizt wird. Das jämmerliche bischen Klimaschutz geht nämlich völlig unter allein schon in der verheerenden CO-Bilanz des Einkaufstempels Forum, in dem gerade Massen von „Black Friday“-Schnäppchenjägern Berge von Konsumartikeln aus aller Welt zusammenrafften, die großenteils bereits bald nach dem Fest beim Abfall landen. Es folgten weitere freundlich-selbstgefällige Belehrungen von grauhaarigen Vertretern des Klimabündnisses, die sich ebenfalls an die Jugendlichen anhängen. Die aber suchten anscheinend angesichts der feindlichen Übernahme und dem frindly fire nach und nach das Weite.

„…weil ihr uns die Zukunft klaut!“ rufen die Schüler andauernd und überall. Damit sind wir älteren Wohlstandsbürger gemeint, vor allem die Mächtigen in Wirtschaft und Politik. In Gummersbach klauen wir Zukunftsdiebe sogar noch ihren Protest.

Der sterbende Wald mahnt, die Nachrichten werden wöchentlich dramatischer, katastrophale Zustände rücken näher. Aber in Berlin wird die Windkraft blockiert, in Bergneustadt das Wintermärchen gefeiert, Konsumparty und Wachstumswirtschaft gehen unbeirrt weiter. Die Politik habe den Ernst der Lage nicht verstanden, so der Klimaforscher Rahmsdorf.

Wundert es da, dass sich immer mehr Schüler radikalisieren und mit Ende Gelände und Extinction Rebellion massiven Widerstand gegen unseren Konsumkapitalismus organisieren?

Auch in der Feste kein Klimanotstand? Soso…

Leserbrief zum Artikel „ Auch in der Feste kein Klimanotstand“

Als Klimaschützer ist es mir inzwischen peinlich, als meinen Wohnort Bergneustadt angeben zu müssen: Vorne an bei der Verschuldung und ganz hinten dran beim Klimaschutz. Konsequent haben Rat und Verwaltung seit vielen Jahren jeden Vorschlag für wirksame Projekte abgeschmettert.

Statt Hackschnitzelheizung fürs Rathaus wie in Lieberhausen: Fossiles Aggergas (wegen der „Aufsichtsratssitzung“ in Rom landeten später der Bürgermeister und Kollegen auf der Anklagebank)! Nach den Fukushima-Demos verlangten viele Bürger die Einrichtung von Stadtwerken wie es z.B. Nümbrecht seit langem erfolgreich vormacht: Abgelehnt, weil es sich nicht rechnen würde. Die entsprechenden Rechenkunststücke,, welche der damalige Beigeordnete Falk (heute Aggerverband) vortrug, stammten aus der Feder der natürlich total objektiven RheinEnergie/RWE- Tochter AggerEnergie! Meinen Vorschlag, alle Straßenlampen (sicher mehrere 100) abzuschalten, die außerhalb jeder Besiedlung sinnlos als Lichtsmog Insekten und wild lebende Tiere schädigen, hat der Rat ohne Begründung einstimmig (!) zurückgewiesen. Das Vorhaben, in Belmicke 1ha extensives Grünland (Blumenwiese) als Bauland zu zerstören, konnte erst das OLG in Münster stoppen.

Angesichts der rundum anwachsenden Bedrohungen durch den Klimawandel beschleicht jetzt wohl auch Bergneustadts vereinigte Klima-Ignoranten das Gefühl, irgendetwas vorzuweisen zu müssen. Raus gekommen ist neben wohlfeilen Forderungen an Bund und Land leider nur der übliche Klein-Klein-Pipikram: Bei Gebäuden noch etwas Energie sparen, in der Verwaltung Müll vermeiden, auf Plastikgeschirr verzichten, Blumenwiesen anlegen ,mal ein Elektrofahrzeug kaufen (selbst das ist eher Augenwischerei, denn dieses würde in der Gesamtbilanz gerade mal 17% CO2 einsparen, wenn es AggerEnergie-Strom tankt).

Durchschlagende Klima-Wirkung haben hingegen zwei andere Vorzeigeprojekte: Neben dem Energie fressenden „Wintermärchen“ präsentiert die Feste inmitten sterbender Wälder jetzt auch noch einen verkaufsfördernden „Herbstzauber mit großer Autoschau“.

Inzwischen schlagen Greta und die Schüler weltweit verzweifelt Alarm: „ Unser Haus brennt!“

In Bergneustadt aber löscht man mit Benzin.

Die Experten aus Ehreshoven …

Leserbrief zu den Artikeln „Der Wald denkt in anderen Maßstäben“ und „Vorräte sind schon nahezu aufgebraucht“

Ausgerechnet das Stift Ehreshoven fühlt sich berufen, die Öffentlichkeit über die dramatische Lage der Wälder aufklären zu müssen: Der Borkenkäfer sei „eine Katastrophe von nationalem Ausmaß“ ähnlich dem Elbhochwasser, es sei die „höchste unternehmerische Herausforderung“ aller Zeiten zu „managen“. Schuld ist wieder der böse Borkenkäfer, die „Witterung“ oder die „Großwetterlage“ und nicht etwa die profitorientierten Monokulturen. Die Ehreshovener Forstmanager glauben allen Ernstes, sie könnten wieder einen „Wirtschaftswald formen“, indem sie dem „Hauptumsatzträger“ Fichte künftig „Weiß- und Küstentanne“ beimischen.

Dieser ausschließlich ökonomische Blick macht offenbar blind dafür, dass inzwischen die globalen Klimawandelschäden sogar unseren Laubwald erreicht haben, dass sie irreversibel sind und immer schlimmer werden: Es ist aus und vorbei mit den gewinnbringenden Monokultur – Holzfabriken, zu „managen“ ist nur noch deren ultimativer Schlussverkauf zu Schleuderpreisen.

Kaum ein Forstbetrieb hat das Ökosystem Wald, das eben nicht in Euros „denkt“, dermaßen mißachtet wie der Ehreshovener. Dort gibt es ja sogar keinerlei Skrupel, gegen Geld den Wald als Rallyestrecke für die SUV-Klimakiller zu vermarkten. Die Pleite eines solchen Forstbetriebs wäre daher nur die gerechte Strafe für Geldgier und Ignoranz.

Ähnlich ist es mit vielen Bauern bestellt, die durch die Dürre in Futternot sind. Ihre Klagen haben ebenfalls einen Beigeschmack: Auch sie haben ihre jahrhundertelang naturverbundene Seele an den kapitalistischen Wachstumszwang verkauft. Die frühere schonende Kreislaufwirtschaft mit Weidegang, Stallmist und Jauche , Heu und Grummet haben sie aufgegeben und mittels Großtechnik durch Gülle und vier Silageschnitte abgelöst; die robusten Rinderrassen wurden durch Hochleistungskühe ersetzt, die ohne Soja aus Übersee nicht leben können. Dieses energieintensive System brachte 40 Jahre lang nie gekannte Produktionssteigerungen. Die maschinengerechten, blankrasierten Grünlandböden halten aber den zukünftigen Dürreperioden und Gülleduschen nicht stand, ihnen fehlen der wasserspeichernde Humus aus dem Mist und die Schatten spendenden Landschaftselemente. Dem ungehemmten Wachsen folgt nun ein bitteres Weichen.

Der maßlose deutsche Normalkonsument zeigt natürlich gern auf diese beiden Klimasünder, während er sich noch an billigen Lebensmitteln erfreut und aus dem Urlaubsflieger achselzuckend auf die verdorrenden Wälder und Wiesen herab blickt. Er ahnt noch nicht, das auch ihn der Klima-Ohnmachts-Schock hart erwischen wird.

Und wer kümmert sich um das Klima?!

Leserbrief zum Artikel „Jetzt kümmern sich alle um das Klima“ vom 15.6.2019

Es ist schon peinlich, mit welch einem hilflosen Gehampel der Kreistag parteiübergreifend auf den Europawahl-Schock reagiert. Die bisherige Kohle/RWE Partei SPD verlangt nun plötzlich die Ausrufung des Klimanotstands, Grüne und Linke schließen sich freudig an. Durch solch wohlfeilen Verbalradikalismus wird natürlich nicht ein Kilogramm CO2 vermieden, das haben reihenweise gebrochene Klimaschutzzusagen und internationale Verpflichtungen in der Vergangenheit sattsam bewiesen. Die anderen Parteien von CDU bis FWO erkennen, man höre und staune, jetzt auch den von Menschen gemachten Klimawandel an. Ich bin zutiefst beeindruckt, auch wenn dieser Erkenntnisprozess etwas spät kommt: Die erste Klimakonferenz mit entsprechenden Warnungen vor den Folgen, die jetzt auch hier eintreten, war nämlich in Genf im Jahr 1979!

Damals wurde auch die grüne Partei gegründet, zentrale Forderungen waren Konsumverzicht und Abkehr von der Wachstumswirtschaft (Club of Rome: Grenzen des Wachstums, 1972). Wie läppisch klingen dagegen die gebetsmühlenartigen Forderungen der heutigen Partei der Besserverdienenden und Vielflieger (und des Vereins NOVE) nach rein technischen „Lösungen“ wie Nahwärmenetzen oder Fotovoltaikanlagen. Ist doch trotz tausender solcher Anlagen der CO2-Ausstoß nicht nur nicht gesunken, sondern gestiegen! Der anwachsende Konsum frisst offensichtlich deren positive Wirkungen immer wieder auf. An den Konsum will aber lieber keiner ran. Warum auch, denn CDU & Co haben ja ebenfalls einen tollen Lösungsvorschlag erarbeitet: Die OVAG möge doch bitte mal testweise einen Brennstoffzellenbus anschaffen. Da kommt aber Hoffnung auf, oder?

Im Unterschied zu derartig flachem Politpalaver diskutieren die streikenden Schüler über die Ursachen und die Folgen des Klimawandels auf sehr hohem Niveau. Viele von ihnen sehen den Zusammenhang mit kapitalistischer Wachstumsökonomie und Lebenstil und haben begriffen, dass nur eine radikale, grundsätzliche Änderung von beidem die Rettung bringen kann. Und dass das Klima keine Kompromisse kennt, weil es nämlich um ein physikalisches Problem geht und nicht um ein politisches.

Auch die OVZ- Redaktion hat die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt: Das beigefügte Foto soll eine „Oberbergische Idylle“ abbilden, es zeigt aber eine riesige Grünlandfläche in ausgeräumter Landschaft, die durch viermal jährliches Mähen und Güllen nicht nur klimaschädlich ist, sondern auch eine weitere Katastrophe befördert, das dramatische Artensterben. Insekten finden dort (außer Löwenzahn) keine Blühpflanzen mehr, Vögel keine Samen. Auch das geschuldet dem Siegeszug des technisch-industriellen Wachstumswahns in der Landwirtschaft.

Auf Grund meiner Erfahrungen als „Alt 68er“ vermute ich, dass sich die protestierenden Jugendlichen bei weiter vorherrschender Ignoranz der Mächtigen gegenüber dem Ernst der Lage radikalisieren werden. So entsteht die Gefahr, dass die Verzweiflung einen Teil von ihnen in den Ökoterrorismus treiben könnte. Wollen wir auch das noch riskieren?

Der Kahlschlag soll den Wald retten. Im Ernst?

Leserbrief zu den Artikeln „Kahlschlag soll den Wald retten“ und „Ein Manager nicht nur für den Klimaschutz“

Da fahren wir wie gewohnt zum Autowanderparkplatz, um nach dem Kurzurlaub auf den Kanaren in der heimatlichen Natur den Hund auszuführen und müssen schockiert erleben: Der Wald ist weg! Vor uns liegt eine „wüste Mondlandschaft“, die neuen Schuhe im Dreck versaut, der Boden von 20 Tonnen schweren Maschinen auf Jahre hinaus ruiniert .

Voller Empörung nehmen wir uns jetzt Forstamt, Stadt und Waldbesitzer vor, die offensichtlich als geldgierige Vandalen diese Katastrophe verursacht und somit unsere Lebensqualität so schwer beeinträchtigt haben.

Der Bürgermeister: Die Borkenkäferplage erzwinge den „radikalen Kahlschlag“; die Förster: die explosionsartige Käfer-Vermehrung liege an der extremen Dürre; die, so die Klimaexperten, sei Folge der Klimaerwärmung, welche durch übermäßigen CO2-Ausstoß hervorgerufen wird.

Mittlerweile wissen wir alle, dass dieser wiederum von unseren übermotorisiertern PKWs, von Urlaub, Fleischkonsum, Warenverbrauch usw. verursacht wird. Wir selbst sind es also, die den Gummersbacher Wald vernichtet haben. Da wir aber ums Verrecken am Konsumismus festhalten, wirken unsere Proteste wie das Genöle verzogener Blagen, die schreiend mit dem Fuß auf den Boden stampfen, weil der Papa kein neues Spielzeug kaufen kann, nachdem sie das alte mutwillig zerstört haben.

Derart infantile, geistig-seelisch verkümmerte Gestalten, wie wir es sind, darf man offenbar nicht mit der harten Realität konfrontieren. Deshalb stellt sogar der Engelskirchner „Klimaschutzmanager“ (vormals BASF) seine „Überzeugung, dass Klimaschutzmassnahmen überfällig“ sind, „hintenan“ und tritt lieber gar nicht als „Klimaschützer“ auf, sondern als Berater beim Sparen. Klimaschutz sei dabei ein „Nebeneffekt“, ein „komplexes Thema, das vielen Menschen Angst mache“ wegen der „Sorge, den Lebensstandard aufgeben zu müssen, um die Natur zu schonen“. Solchem „Irrglauben“ begegnet dieser Undercover-Klimaschützer mit dem sedierenden Ammenmärchen, dass Strom aus Sonne und Wind klimaneutral wäre, weshalb wir damit „verschwenderisch umgehen (dürfen), ohne der Natur zu schaden“.

Es geht tatsächlich um Leben und Tod. Doch hier läßt man den Belzebub die Klimamesse lesen, damit wir weiter angstfrei den Konsumgötzen anbeten können, auch wenn wir deshalb demnächst im Chaos weiterer Dürren, Stürme, Regenfluten enden.

Wir brauchen Hilfe. Dringend.