Leserbrief zu „Der Wald der Zukunft“

Da hat also „meine“ Forstbetriebsgemeinschaft Dörspe Othetal den sterbenden Wald für eine unsäglich desinformierende PR-Aktion genutzt und Politik, Forstbehörde und Nabu eine Plattform geboten, um über ihr gemeinsames Versagen gegenüber dem Klima- und Artenschutz in der Vergangenheit hinwegzutäuschen.

Die unangenehme Wahrheit ist, dass sie allesamt bis zum Katastrophensommer 2018 über die wissenschaftlichen Warnungen vor den Folgen der Klimaerwärmung souverän hinweggingen und völlig unbelehrbar eine Fichtenmonokultur nach der anderen neu angelegt und so den heute beklagten „verheerenden“ Zustand mit verursacht haben. Kritiker wie ich wurden als Ökospinner abgetan.

Deshalb zeugt es schon von einer gewissen Chuzpe, wenn sich diese Experten jetzt als „Retter“ präsentieren und behaupten, den „Wald der Zukunft“ pflanzen zu wollen. Der bestände dann aus einem planlosen Sammelsurium verschiedenster Baumarten aus südlichen Ländern. Der Wald ist aber kein Baukasten, in dem Einzelteile wie beim kaputten Auto mal eben ausgewechselt werden können, sondern ein lebendiges Ökosystem, in welchem Bodenbeschaffenheit, Pilzmyzel, Kleinlebewesen und Mikroorganismen zusammen einen symbiotischen Organismus bilden. Weil eben dieser Lebensraum der türkischen Küstenfichte hier fehlt, wird sie keine Zukunft haben, mag sie auch noch so Wärme liebend sein.

Im Gegensatz zur Äußerung des FBG -Vorsitzenden Fritz wissen wir sehr wohl, wie sich das Klima in den nächsten zehn Jahren entwickelt: Allein durch das CO2, welches schon in der Atmosphäre ist, wird es noch heißer, noch trockener und Wetterereignisse wie Stürme werden extremer. Ohne eine drastische Reduzierung der Klimagase wird es hier bald gar keinen Wald mehr geben, das ist bereits „ausgetestet“. Eine solche ist jedoch nicht in Sicht, ginge sie doch heftig an unseren Konsumspeck.

Endgültig zur absurden Schmierentragödie wird die „Pflanzaktion“ dadurch, dass man im Augenblick bei metertief staubtrockenen Waldböden überhaupt keine Bäume pflanzen kann. Damit sie anwachsen, müssten sie monatelang bewässert werden, was aber, selbst wenn es möglich wäre, gerade vom Kreis wegen des akuten Wassermangels in den Gewässern zu Recht verboten wurde.

Geradezu unanständig finde ich es, Schüler für eine solche haltlose Politshow als Staffage zu missbrauchen. Deren wirklicher „ Wald der Zukunft“ wird nämlich nach neuesten Prognosen in einer mitteleuropäischen Dürrezone liegen und eher wie eine Steppe aussehen. Als Umweltministerin hätte ich deshalb auch lieber einen Hexenschuss gekriegt, als mich für so was ablichten zu lassen.

Leserbrief zu „Wunden im Wald“ vom 23.7.20

Ich finde, es reicht jetzt langsam: Schon wieder ein Bericht über den absterbenden Nadelwald, schon wieder ein Förster, der eine scheinbare Naturkatastrophe beklagt und schon wieder wird immer derselbe Sündenbock als Täter präsentiert: Der Borkenkäfer.

Die Ursache der dramatischen „Borkenkäferplage“ ist nämlich allein menschengemacht: Das Zusammenwirken von Klimaerwärmung und Fichtenmonokulturen. Dem Käfer ist in der Evolution die Aufgabe zugefallen, schwache Bäume zu befallen. Weil wir alle krank gemacht haben, räumt er also nur den Müll weg, den die gewalttätige Umformung des komplexen Ökosystems Wald in eine Art Holzfabrik hinterlassen hat.

Die allermeisten Förster haben sich dem kapitalistischen Verwertungszwang gebeugt und tragen somit schwere Schuld an diesen Kalamitäten. Zugunsten einer profitorientierten Forstwirtschaft haben sie den natürlichen Wald im wahrsten Sinne des Wortes verraten und verkauft. Jahrzehntelang haben sie alle Warnungen, auch die aus den eigenen Reihen, in den Wind geschlagen und bis zum Frühjahr 2018 zusammen mit den Forstbetriebsgemeinschaften unbeirrt immer neue Fichtenplantagen anlegen lassen.

Statt ständig ablenkend auf den Käfer zu verweisen, wäre deshalb endlich mal radikale Selbstkritik angebracht. Und das Eingeständnis, dass sie jetzt angesichts des irreversiblen Klimawandels auch nicht mehr weiter wissen. Statt ins Blaue hinein neue anfällige Plantagen aus Douglasien, türkischen Küstenfichten oder anderen Exoten zu propagieren, sollten sie besser ihre Ratlosigkeit offen zugeben, eine neue Demut gegenüber den Naturgesetzen lernen, den absterbenden Wald die nächsten Jahre einfach in Ruhe lassen und beobachten, wie er sich selber hilft. Wenn dann zunächst kein „Wirtschaftsforst“ entsteht, sondern „nur“ ein Wald aus Birken, Weiden und Ebereschen, so erfüllt dieser jedenfalls seine allerwichtigste Aufgabe: Nämlich das CO2 in seinem Holz zu binden, mit welchem wir konsumistische Idioten weiter volle Pulle die Atmosphäre vergiften, sobald Corona uns wieder von der Leine lässt.

Abschied von Heino Lonnemann

Es tut immer weh, einen Freund zu verlieren. Besonders aber dann, wenn er auch ein Kampfgefährte war, ein (Schicksals)Genosse, ein Gleichgesinnter, was diese Welt betrifft. Einer, der zeitlebens auch davon träumte, dass eine andere Welt möglich werden muss.

Ich kannte Heino aus unserer gemeinsamen Zeit im SSK eher flüchtig, von Versammlungen halt und gemeinsamen Aktionen. 2010 änderte sich das.

Der Landschaftsverband Rheinland ließ mich vor seinem Gesundheitsausschuss einen Vortrag halten, nachdem ich die Feier zur Verleihung des „Rheinlandtalers“ an Kurt Holl insofern gestört hatte, dass ich ein Flugblatt verteilte mit der alten SSK-Forderung, endlich die totgeschwiegene braune LVR -Vergangenheit mit ihrer Nazipsychiatrie offenzulegen und aufzuarbeiten. Neben einigen anderen ehemaligen SSK-Leuten nahm auch Heino daran teil. Er hatte mir ein Foto einer Skulptur seines Bildhauerfreundes aus dem gemeinsamen Kunststudium in Braunschweig , Denis Stuart Rose, zur Verfügung gestellt. Titel: „Mausoleum für Lebende“. Es zeigt einen Menschen im Schlafanzug, der verzweifelt versucht, durch ein Metallgitter auszubrechen. Ich forderte vom LVR, die Skulptur zu kaufen und aufzustellen: Als Mahnmal für die Verbrechen und Menschenrechts-verletzungen in seinen Anstalten, von denen der SSK so viele aufgedeckt hatte.

Es geschah zunächst das Gegenteil: Unser Protest hatte sich seit den 70ern gegen den Haupt-verantwortlichen, die zentrale Figur des LVR gerichtet, den Gründungsdirektor Udo Klausa, der bis 1975 autokratisch regierte. Obwohl wegen seiner Nazivergangenheit schwer belastet, wurde er posthum noch Ende 2010 pompös mit einer devoten Ausstellung geehrt. Für Heino, mich und andere war das eine unverschämte Provokation.

2012 erschien das Buch der englischen Historikerin Mary Fulbrook „ A small town near Auschwitz“, was sich mit Klausas Rolle als NS Landrat in Bedzin und Zuarbeiter des Holocaust beschäftigte. Als der LVR ankündigte, die Euthanasieausstellung nach Köln zu holen, beschlossen wir eine Protestaktion gegen diese Heuchelei zu organisieren. Das ahnte die LVR Führung und suchte das Gespräch mit uns. Heino, Kurt Holl und ich bekamen von der Direktorin die Zusage, dass der LVR nunmehr seine mörderischen Naziwurzeln offenlegen werde, was in der Folge durch Reden und Forschungsprojekte auch nach und nach geschah, wenn auch zögerlich, widerwillig und unvollständig.

Heino hat große Verdienste daran. 2018 ist er auf eigene Faust nach London gefahren, hat Mary Fulbrook aufgesucht und mit ihr eine Veranstaltung in der Feuerwache zu NS und Klausa durchgeführt. Die von ihm inspirierte Skulptur seines Freundes Denis steht heute im ehemaligen Psychiatrieknast Haus 5 in Düren, welches nun Sozialpsychiater zu einem Dokumentationszentrum zur Geschichte der Psychatrie ausbauen. Die radikalen Widerstandsaktionen des SSK werden dort heute historisch gewürdigt, weil sie erst den politischen Druck zu Reformen erzeugt hätten. 2018 und 2019 führten Proteste dazu, dass sich die Uni Bonn endlich von Klausa als Ehrenbürger distanzierte, die Uni Düsseldorf von ihm als Ehrendoktor. In der Person Klausa zeigte sich die Kontinuität zum Nazireich besonders intensiv und widerwärtig: War er doch nicht nur einer der vielen Naziführer, welche die BRD „aufbauten“, sondern erneut verantwortlich für unsägliche Übergriffe und Rechtsverletzungen gegen wehrlose, teils behinderte Menschen, die neben Juden und Roma als dritte Gruppe der „Lebensunwerten“ dem rassistischen Massenmord zum Opfer gefallen war.

Es ging für Heino, mich und andere nicht um abstrakte Politik, um akademische Auseinandersetzung mit dem NS. Die Naziverbrechen waren bei uns allen, die wir mit den Protesten nicht aufhören konnten, mehr oder weniger Teil unserer Familiengeschichte, sie schwebten als Schatten über unserer Kindheit und Jugend in den 50ern und 60ern, kaum greifbar, weil unsere Väter ( und Mütter) vor ihrer Schuld als Täter oder Mitläufer geistig das Weite suchten und uns wortlos damit allein ließen. Mein Vater, der im Alkoholismus endende Wehrmachtsoffizier, Kurt Holls SS-Papa, der dem „Kurti“ eine Geburtstagskarte schrieb an dem Tag, als seine Einheit ein Massaker in der Urkaine anrichtete und Heino, der unter den Veteranentreffen der alten Kameraden seines Vater aus Rommels Elitetruppe gelitten hat.

So gesehen sind wir Geschwister, die von den Eltern in einem Haus voller schrecklicher Familien-geheimnisse allein gelassen wurden, während diese sich mehr und mehr in den hemmungslosen Konsumrausch des „Wirtschaftswunders“stürzten und ihre Gier nach Geld, Autos, Fun zunehmend in krankhafte Sucht ausartete.

Es gab noch eine weitere Gemeinsamkeit, die mich mit Heino verbunden hat. Dass nämlich die Herrschaft des weltzerstörerische Konsumkapitalismus nicht nur wegen seiner extremen Ungleichheit und der brutalen Ausbeutung, nicht nur wegen der Zerstörung der Lebensgrundlagen und des Klimas gestürzt werden muss, sondern auch aus ästhetischen Gründen: Welche Häßlich-keiten hat er in die Welt gebracht, sei es in der Massenmenschhaltung der Wohnsilos, den von Ramsch überquellenden Einkaufstempeln oder etwa den öden Parkplatzlandschaften voll mit schwarzen Hochglanzpanzern!

Mit seinen Skulpturen arbeitete Heino gegen dieser Art Abscheulichkeiten an und brachte wahre Schönheit auch Kindern nahe. Dasselbe versuche ich in der Vielfalt meines Bauerngartens. Es war mir deshalb eine große Freude, als eines Tages Heino kam und mir eine Pagode aus ange-schwemmten Rhein-Hölzern (und einen philosophischen Text dazu) schenkte und aufbaute. Sie steht in meinem Garten und beider Schönheit kann hungernden Seelen Nahrung geben. Als er das Tor aufbaute, kam der Nachbar, ein Kunstsammler, und fragte nach dem Preis. Heino: „Lothar muss nicht dafür bezahlen.“ Auf die Frage „warum“ kam Heinos Antwort: „ Weil der SSK mich vor der Psychiatrie gerettet hat“.

Das trifft vermutlich auch auf mich zu.

Nun habe ich auf tragische Weise eine Art jüngeren Bruder verloren und eine gewisse Einsamkeit wird wieder etwas größer.

Leserbrief zu: „Tiere und Technik, die begeistern.“

Als aufmerksamer Leser dieser Zeitung hat mich der Bericht über den Junglandwirt Stöcker in echte Verwirrung gestürzt. Auf seines Papas Hof „funktioniert“ angeblich die „moderne Landwirtschaft“ ganz ohne Probleme. 180 „geliebte“ Kühe, 140 ha „artenreiches“ Grün- und Ackerland dazu 34 ha Wald sowie tolle Agrartechnik: Also alles super und macht „riesengroßen Spaß“.

Kürzlich aber konnten wir noch unter der Schlagzeile „Harte Zeiten für Oberbergs Landwirtschaft“ lesen, wie der Kreisbauer verzweifelt Alarm schlug. Wegen der erneuten Frühjahrs-Dürre herrsche Futterknappheit, viele Bauern müssten Viehbestände reduzieren oder ganz aufgeben. Die Aus-sichten seien wegen der Klimaveränderung düster, zumal auch der absterbende Wald keine Einnah-men mehr bringt.

Sollten derartige bäuerliche Jammerlappen sich da nicht einfach ein Beispiel an dem so erfolg-reichen Stöckerhof nehmen? Oder tun sie es vielleicht deshalb nicht, weil sie wissen, dass es sich hier um PR und Fake News handelt?

Denn auch Stöckers glückliche Hochleistungskühe werden vermutlich mit Überseesoja vollge-stopft und landen nach wenigen Jahren ausgepowert im Hundefutter. Die mit Insektiziden und Glyphosat behandelten Maismonokulturen fördern natürlich trotz lächerlicher Alibi- „ Blühstreifen“ massiv das Artensterben. Ebenso wie die viermal jährliche Mahd des monotonen Grünlands, welches für den Einsatz der „begeisternden“ Großtechnik hergerichtet und dafür von der Vielfalt schattenspendender Landschaftselemente befreit wurde. Und Gülle bleibt im Unterschied zu Stallmist ein sehr problematischer Stoff, auch wenn sie mit Schleppschläuchen ausgebracht wird. Diese Wirtschaftsweise entspricht zwar der den Billigpreisen geschuldeten „guten fachlichen Praxis“, sie als Umwelt- und Klimaschutz darzustellen, ist jedoch ziemlich dreiste Irreführung.

Bei der Forderung nach „regionaler Produktion“bleibt mir die Spucke weg: War es denn etwa nicht Hans Stöcker, der maßgeblich daran mitgewirkt hat, die regionale Molkereigenossenschaft Tuffi in den global agierenden Monster-Konzern Campina zu überführen, wo er seitdem im sicherlich nicht schlecht dotierten Aufsichtsrat sitzt? Mir klingen seine früheren Reden über die nötige Ausrichtung auf den „Weltmarkt“ immer noch im Ohr. Heute wissen wir, dass dieser Weltmarkt vielen bäuer-lichen Familienbetrieben nicht die versprochene Rettung gebracht hat, sondern ihren Untergang.

Währenddessen treiben wir die Klimaerwärmung weiter fast ungebremst voran und auch die Stöckers werden an den immer katastrophaleren Folgen lernen müssen, dass sogar der modernste Hightech-Traktor gegen verdorrte Wiesen und Felder völlig machtlos ist. Die Forstwirtschaft bricht gerade an diesen Folgen zusammen, jetzt treffen sie mehr und mehr die Landwirtschaft und dann sind wir alle dran.

Leserbrief zu den Berichten über Corona

Wenn wir an unser Alltagsleben noch im Januar zurückdenken, scheint es wie eine Erinnerung an eine längst vergangene Zeit zu sein. Als 76jähriger „Hochrisikopatient“ mit halber Lunge lebe ich jetzt auf meinem Hof in freiwilliger Quarantäne und mir kommt es vor, als hätte sich unter uns allen eine Falltür aufgetan, wir wären in die Tiefe gestürzt und hart auf dem Boden einer völlig anderen Realität aufgeschlagen. Unser heutiger, fast brutal reduzierter Lebensstil, die rigorosen Verbote und die drastischen Grundrechtseinschränkungen waren vollkommen unvorstellbar.

Nichts zeigt das deutlicher als die Auseinandersetzungen um klimaschädliche Spaßevents wie das Bergneustädter „Wintermärchen“. Schon die Aufforderung, im Hinblick auf die drohenden Gefahren durch den Klimawandel zumindest mal auf derlei CO2-Schleudern zu verzichten, wurde von vielen als unerhörter Angriff auf ihre Konsumenten-Freiheit empfunden. Eine Leserbrief-schreiberin wollte die Verzichts-Zumutung dadurch deutlich machen, dass sie diese ironisch auf die Spitze trieb:

„ Oha, jetzt geht`s aber los! Bitte umgehend die Schulen und Kitas schließen, ebenso Sporthallen und Schwimmbäder, vor allem aber Einkaufszentren und Supermärkte…“ Mit einem weiteren Hinweis auf den Fußball verlangte sie, „mit den Füßen auf dem Teppich zu bleiben“.

Bleibt einem solch ätzender Spott heute nicht im Halse stecken?

Nun ist die Corona-Pandemie jedenfalls nicht unmittelbar auf die Erderwärmung zurückzuführen, aber genau solche Seuchenzüge durch neuartige Erreger sagt die Klimawissenschaft als eine der Folgen seit langem voraus. Diese Seuche wird also nicht die letzte sein. Es gab auch bereits Vorboten: Vor Jahren verendeten unsere Schafe wegen fehlender Immunität massenhaft an der Blauzungenkrankheit, einem Virus, welches von einem eingewanderten afrikanischen Insekt eingeschleppt worden war.

Wie die Dürre und die absterbenden Wälder nahmen wir auch dieses Warnsignal nicht ernst. Unsere Fantasie reicht offenbar nicht, uns die vorausgesagten verheerenden Klimawandelfolgen konkret vorzustellen und sie auf uns selbst zu beziehen. Hoffentlich ändert sich das jetzt durch Corona.

Ebenso wie die kapitalistische Wachstumswirtschaft und die neoliberale Globalisierung mit ihren zerstörerischen Lieferketten, welche die Regierung jedoch durch unsägliche, gepumpte Geldfluten verzweifelt zu retten versucht. Angeblich richten ja die sog. „freien Märkte“ alles besser als die Staaten. Wenn aber im reichen Deutschland Menschen sterben, weil Centartikel wie Schutzmasken über Monate nicht zu beschaffen sind, dann zeigt sich auch daran, was sie am Ende tatsächlich gerichtet haben werden: Die Menschheit zu Grunde!

Grüne Irrläufer…

Leserbrief zu den Zuschriften zum „Wintermärchen“

Als wir die Protestaktion gegen das „Wintermärchen“ planten, war uns natürlich klar, dass viele uns als Spaßverderber sehen würden. Trotzdem haben wir gehofft, dass die abgestorbene Fichte und der Hinweis auf Australien auch sie zum Nachdenken anregen würde. Dort haben ja genau wie hierzulande Politik und Verbraucher seit 30 Jahren die Warnungen in den Wind geschlagen und das auf der Verbrennung fossiler Energieträger beruhende materielle Wohlleben in vollen Zügen genossen.

Nun sind die vorausgesagten albtraumartigen Zustände mit brutaler Macht über diese ignorante Gesellschaft hereingebrochen. Jetzt geht es nicht mehr nur um Konsumverzicht, sondern um den Zusammenbruch der materiellen Existenz von Millionen und für Tausende ums nackte Überleben. Sicherlich bereuen heute viele, dass sie nicht rechtzeitig die fossile Wachstumswirtschaft umgebaut und ihren Konsum deutlich eingeschränkt haben.

Die dürre Fichte sollte mahnen, dass derartiges in der einen oder anderen Form auch uns bevorsteht. Fast alle Klimaexperten der Welt haben kürzlich für die UNO-Organisation IPCC ihre Erkenntnisse zusammengefasst und sind zu dem erschreckenden Ergebnis gekommen, dass wir nur noch 10 Jahre Zeit haben für ein radikales Umsteuern der Wirtschaft und ein deutliches Absenken des Konsums, weil sich sonst die Erde auch ohne unser Zutun unkontrollierbar immer weiter aufheize und eine „Menschheitskatastrophe“ drohe. „Wir“, das sind die 20% der Weltbevölkerung, die für 50% der Treibhausgase verantwortlich sind und damit auch für Not und Elend der wachsenden Zahl unschuldiger Klimaopfer in den Armutsländern des Südens. Soviel zu Klimagerechtigkeit, Men-schenrechten und unserer sogenannten „Werteordnung“.

Es ist deshalb zum Fremdschämen, mit welch kindischen Ausflüchten trotz alledem dieser zerstörerische Lebensstil verteidigt wird; als wären wir ohne solche extrem aufwendigen Party-Events zu einem grauen, freudlosen Dasein verdammt (Schlittschuhlaufen kann man auch in der Wiehler Halle).

Es ist fatal, dass ausgerechnet der Grüne und Sprecher der Hausärzte Krolewski die „Märchenverbraucher“ von jeder Mitverantwortung freispricht, indem er die geschönte CO2- Bilanz des Veranstalters kritiklos übernimmt, den somit „geringen“CO 2 Ausstoß für völlig unbedeutend (symbolisch) erklärt und zudem die gefährliche Illusion verbreitet, der Verbrauch des Kohlestroms werde durch den Ablasshandel „Ökoabgabe“ klimaneutral.

Gerade weil die von ihm vorgeschlagenen Appelle an staatliche Institutionen und Programme seit 30 Jahren ins Leere laufen, gibt es die Fridays for Future Bewegung, die sofortiges Handeln einfordert, auch und gerade von jedem persönlich. Ihm ist wohl nicht bewußt, dass seine unsägliche Verharmlosung solch klimaschädlicher Vergnügungen den Schülern in den Rücken fällt und dass er damit den beispielhaft radikalen Konsumverzicht ihrer Leitfigur Greta Thunberg zur Freude der rechten Klimaleugner der Lächerlichkeit preisgibt.

Ich kann nur hoffen, dass er nicht für alle Grüne und alle Hausärzte spricht, sonst müssten wir wohl bald alle Hoffnung fahren lassen.

Blanker Zynismus

Leserbrief zum Artikel „Heiße Phase fürs coole Spektakel“

Australien verbrennt, Indonesien ersäuft in Regenfluten, die Permafrostböden und das Poleis tauen immer schneller, unser sterbender Wald: Greta hat Recht, alles Gründe um in Panik zu geraten.

Deshalb hatte ich gewettet, dass sich Bergneustadts Rat und Verwaltung angesichts dieser weltweit anwachsenden Zerstörungsorgien durch den Klimawandel nicht mehr trauen würden, zum 4. Mal die energiefressende Eisparty „Wintermärchen“ zu genehmigen. Sie würden sich ja sonst, so dachte ich, selbst in die Ecke der rücksichtslosen und egomanischen Vollpfosten a la Trump, australischer Regierung oder AfD stellen, die entweder den Klimawandel leugnen oder denen die Folgen ihrer Lebensweise völlig egal sind.

Die Wette habe ich verloren. Und musste Zeuge einer beschämend infantilen Märchenstunde im Rat werden. In einer offensichtlich vorher abgestimmten Schmierenkomödie ließ man sich gerne vom Veranstalter nach Strich und Faden bepfuschen: Er werde diesmal den Energieverbrauch halbieren, ohne fossile Brennstoffe auskommen und sog. Ökostrom nutzen..

Eine ehrliche Bilanz zeigt jedoch, dass der tatsächliche Energieverbrauch um ein Vielfaches höher ist als der angegebene und vor allem aus fossilen Energieträgern stammt. Der wochenlange Auf- und Abbau, die LKW-Transporte der Anlagen, anteilig auch die von ihrer Herstellung bis zur Entsorgung verbrauchte Energie, der „Deko“-Müll sowie vor allem die An- und Abreise der 15 000 Besucher machen das Event zu einem Klimakiller sondergleichen. Und wie zum Hohn erklärt der Veranstalter jetzt auch noch ,es werde leider doch nichts mit „Ökostrom“, weil zu aufwendig.

Es zieht offenbar sein ökonomisches „Argument“: Mit den auswärtigen Besuchern würden auch Kunden für den Einzelhandel angelockt, der ja unter der Januar-Flaute leide. Solcher Kaufanreiz ist natürlich nötig, nachdem wir Deutsche im Weihnachtskaufrausch 100 Milliarden Euro und fürs Silvesterfeuerwerk 120 Millionen Euro rausgehauen haben.

Welch ein Signal in diesen Zeiten !

Man scheut sich nicht einmal, zum Abschluss dieser 4wöchigen Dauerfete (teils auf Ballermann-Niveau) die Kinder von Little Voices auftreten zu lassen, die „Eisprinzen und Eisprinzessinnen“, welche im Unterschied zu uns Erwachsenen mit Sicherheit einen sehr, sehr bitteren Preis für diese Art von Lebensstil werden zahlen müssen. Wenn das nicht Zynismus ist….

Fridays For Future in Gummersbach

Leserbrief zu dem Artikel „Weniger, aber nicht leiser“

In meinem Leben habe ich an vielen Demos teilgenommen, so was wie am 29.11. in Gummersbach habe ich aber noch nie erlebt. Ich freute mich auf Schülerbeiträge auf der Abschlusskundgebung, nachdem mich einige schon bei der vorigen Demo in Einzelgesprächen mit ihrer beachtlichen Kompetenz beeindruckt hatten.

Sieh mal an, dachte ich, als dann Landrat und Bürgermeister die Bühne betraten, jetzt wanzen auch sie sich mit Grussworten bei „fridays for future“ an. Doch dabei blieb es leider nicht, denn sie hielten lange, selbstgefällige Reden und kaperten so die Kundgebung. Nach dem üblichen väterlich wohlwollenden Lob für den „Mut der jungen Leute“ wurden diese von oben herab ohne jeden Anflug von Selbstkritik darüber belehrt, dass es mit dem Klimaschutz aber nicht so einfach sei (1968 nannten wir so was „repressive Toleranz“). Es kamen die üblichen Parolen, mit denen die Politik seit Jahrzehnten ihre Untätigkeit kaschiert: Man dürfe die Wirtschaft nicht überfordern, müsse die Menschen mitnehmen, Ökonomie und Ökologie in Übereinstimmung bringen,usw. Der „erforderliche Konsens für die großen Umgestaltungen sei noch nicht gegeben“, so der Landrat, der nichts weiter vorzuweisen hat als (angeblichen) Ökostrom vom Kohlemonster Rheinenergie/RWE/Aggerenergie. Aber er will jetzt ein Programm mit 178 (!) Punkten vorlegen ( warum nicht gleich 1780 ?)!

Das werden viele genauso als Verarschung betrachten wir die haltlose Behauptung des Bürgermeisters, das Steinmüllergelände sei ein „gelungener Beitrag zum Klimaschutz“, weil zum Teil mit Hackschnitzeln geheizt wird. Das jämmerliche bischen Klimaschutz geht nämlich völlig unter allein schon in der verheerenden CO-Bilanz des Einkaufstempels Forum, in dem gerade Massen von „Black Friday“-Schnäppchenjägern Berge von Konsumartikeln aus aller Welt zusammenrafften, die großenteils bereits bald nach dem Fest beim Abfall landen. Es folgten weitere freundlich-selbstgefällige Belehrungen von grauhaarigen Vertretern des Klimabündnisses, die sich ebenfalls an die Jugendlichen anhängen. Die aber suchten anscheinend angesichts der feindlichen Übernahme und dem frindly fire nach und nach das Weite.

„…weil ihr uns die Zukunft klaut!“ rufen die Schüler andauernd und überall. Damit sind wir älteren Wohlstandsbürger gemeint, vor allem die Mächtigen in Wirtschaft und Politik. In Gummersbach klauen wir Zukunftsdiebe sogar noch ihren Protest.

Der sterbende Wald mahnt, die Nachrichten werden wöchentlich dramatischer, katastrophale Zustände rücken näher. Aber in Berlin wird die Windkraft blockiert, in Bergneustadt das Wintermärchen gefeiert, Konsumparty und Wachstumswirtschaft gehen unbeirrt weiter. Die Politik habe den Ernst der Lage nicht verstanden, so der Klimaforscher Rahmsdorf.

Wundert es da, dass sich immer mehr Schüler radikalisieren und mit Ende Gelände und Extinction Rebellion massiven Widerstand gegen unseren Konsumkapitalismus organisieren?